Als die Ersatzspieler am vergangenen Freitag noch versuchten, Mirko Slomka in einem umkämpften Trainingsspiel auf den Plätzen neben der AWD-Arena von ihren Qualitäten zu überzeugen, setzte sich Lars Stindl schon frisch geduscht ins Auto und fuhr zum Mittagessen.
Das war das Vorrecht des Stammspielers: Am Tag nach dem 2:2 in der Europa League bei Standard Lüttich standen für den 23 Jahre alten Mittelfeldspieler nur Auslaufen und Pflege auf dem Programm. Stindl hat sich in der kleinen europäischen Spielrunde zum Dauerbrenner bei Hannover 96 entwickelt: Alle elf Partien der Europa-League-Kampagne hat er bestritten.
Ungewohnt torgefährlich
Der Wettbewerb auf Europas Feldern gefällt Stindl auch deswegen so gut, weil er hier für seine Verhältnisse außerordentlich torgefährlich auftritt: zwei Treffer, vier Vorlagen. Im Gruppenspiel beim FC Kopenhagen im November 2011 gelang ihm dabei ein besonders schönes Tor, das ihn im Gedächtnis der Fans der Niedersachsen verankerte. Beim 2:2 im Achtelfinal-Hinspiel in Lüttich traf Stindl sicher vom Elfmeterpunkt.Dass der in Speyer geborene Profi auch an diesem Donnerstag im Rückspiel gegen Standard (19 Uhr/ live in Kabel und F.A.Z.-Liveticker) zur Startelf gehören wird, ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden.
Auch in der Bundesliga gehört Stindl zu Trainer Slomkas Unverzichtbaren. Ob auf der rechten Seite der Raute oder, wie zuletzt am vergangenen Sonntag in Bremen, neben Sergio Pinto auf der Position vor der Abwehr: Slomka steht auf diesen Spielertyp. Stindl ist einer, der unbedingt gewinnen will, der sich reinbeißt. So einem verzeiht man, wenn mal etwas misslingt.
Fraktion der Namenlosen
Lars Stindl kam im Sommer 2010 vom Karlsruher SC. Hannover erschien ihm als der „richtige nächste Schritt“ in seiner Laufbahn. Nur war Stindl für Slomka zunächst nicht mehr als ein Einwechselkandidat. Das hatte Gründe: „Ich saß anfangs immer auf der Bank, und wenn ich dann rein kam, lief es gut. Stand ich in der Startelf, war das leider ganz anders“, erzählt er. Seit dieser Saison zählt er aber zum Stammpersonal. Doch für manchen Zuschauer außerhalb Hannovers gehört Stindl immer noch zur Fraktion der Namenlosen.
Zu dieser Kategorie kann man auch den 23 Jahre alten Manuel Schmiedebach. Dabei gehört der zuletzt verletzte, nun aber wieder einsatzfähige zähe Kämpfer Schmiedebach zur Kernmannschaft der Niedersachsen.
Stindl und Schmiedebach sind Ausweise der klugen Transferpolitik, die Hannover 96 auszeichnet, seit Sportchef Jörg Schmadtke dieses Geschäftsfeld verantwortet. Schmadtke schätzt Spieler, die ehrgeizig sind und mitten in der Entwicklung stehen. Stindl gehört dazu.
Er kennt seine Schwächen: „Ich muss kaltschnäuziger und effektiver werden. Das verlangt der Trainer von mir, und ich selbst will es auch.“ In der Bundesliga ist Stindl in dieser Serie erst ein Treffer gelungen. Trotzdem würde Jörg Schmadtke seinen 2013 auslaufenden Vertrag lieber heute als morgen verlängern.