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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Hamburger SV Mit Berg und aller Ruhe ins Gipfeltreffen

 ·  Stürmer Marcus Berg wirkt, als hätten ihn die Zweifel an seinen Fähigkeiten kaltgelassen. Beim 1:0-Sieg bei Celtic Glasgow wurde er für die Hamburger zum Matchwinner - und er ist auch für das Gipfeltreffen mit Schalke der Hoffnungsträger.

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Manchmal fragt man sich, ob er wirklich so unbeeindruckt ist von all dem, was um ihn herum passiert. Marcus Berg wirkt, als kümmerten ihn die Zweifel an seinen Fähigkeiten überhaupt nicht. Auch in den Trainingseinheiten vor dem Europa-League-Spiel des Hamburger SV bei Celtic Glasgow versprangen Berg wieder Bälle, und er vergab beste Torchancen. Seine Bewegungen sind dabei nicht gerade von größter Eleganz.

Dass Berg die Hände vors Gesicht schlägt oder auch nur irgendeine Regung zeigt, wenn etwas schiefgelaufen ist, wurde bislang nicht dokumentiert. So entspricht dieser 23 Jahre alte Angreifer aus der Kleinstadt Torsby im mittelschwedischen Värmland ganz dem Bild des coolen Schweden. Er selbst sagt, auf Englisch: „Ich weiß, dass ich noch in einigen Bereichen Nachholbedarf habe. Ich weiß auch, dass mehr von mir erwartet wird. Aber ich arbeite einfach weiter.“

Sichtbare Gefühlsregungen konnte man nicht erkennen

Am Donnerstag hat sich Bergs Geduld wieder ausgezahlt. Zum zweiten Mal ist er der Hamburger Matchwinner in einem Gruppenspiel der Europa League geworden: Nach seinen beiden Toren gegen Hapoel Tel Aviv traf Berg auch am Donnerstagabend in Schottland. Es war ein schönes und simples Tor, das ihm da in der 63. Minute gelang: Nach einem Doppelpass mit Zé Roberto schoss er trocken aus 18 Metern ins Gehäuse.

Alle wollten ihm gratulieren, und als der HSV den zweiten Sieg in der Staffel C eingefahren hatte, gab es Tätscheleien und Streicheleinheiten von der ganzen Bank. Womöglich hat das Berg aber kaltgelassen; eine sichtbare Gefühlsregung konnte man zumindest nicht erkennen. In jedem Fall war es schon sein fünfter Treffer in der Europa League, rechnet man die Qualifikationsspiele hinzu. Für den HSV bedeutete der Auswärtssieg, dass vier Punkte aus den folgenden Heimspielen gegen Celtic und Rapid Wien genügen, um die Zwischenrunde im nächsten Jahr zu erreichen.

Berg wurde schnell zum Opfer der Umstände

Ein Sturm mit Berg als Chef und Pitroipa als Assistenten, das ist eigentlich nichts, was einen Gegner schrecken kann. Und doch werden diese beiden zumindest bis zum Ende der Hinrunde wohl erste Wahl im Angriff sein. Eigentlich sollte Berg ja behutsam aufgebaut werden; schon bei seiner Vorstellung im Juli hatte Trainer Bruno Labbadia gebeten, ihn nicht an der Höhe der Ablöse zu messen - neun Millionen Euro hatte der HSV an den FC Groningen gezahlt, um den Torschützenkönig der letzten U-21-EM zu bekommen.

Berg wurde schnell zum Opfer der Umstände. Obwohl nicht eingespielt und deutlich sichtbar um seine Fitness ringend, wurde er zum Stürmer Nummer eins: Erst verletzte sich Guerrero, dann Petric. Labbadia sagt: „Marcus wurde geholt, um sich über einen längeren Zeitraum neben einem der beiden einzugewöhnen. Er hat in den ersten Spielen gezeigt, dass er neben erfahrenen Leuten stark ist.“ Ohne die beiden ist Berg aber überfordert - er ist ein Stürmer, der mit Vorlagen gefüttert sein will, keiner dieser modernen Pendler zwischen Mittelfeld und Angriff, die für eine Mannschaft so wertvoll sind, weil sie als Spielgestalter, Vorlagengeber und Torschütze gleichermaßen glänzen.

„Er bleibt cool und braucht einfach etwas Zeit“

Vor allem im Passspiel und in der Ballbehandlung mangelt es Berg; er verlangsamte zuletzt das HSV-Spiel eher, wenn er den Ball hatte. Im Training unter der Woche machte Labbadia ihn zur zentralen Anspielstation im Mittelfeld; Berg sollte jeden Ball direkt weiterleiten. Das waren anstrengende Nachhilfestunden, auch, weil alles auf Berg schaute. Ihn selbst schien das nicht zu belasten.

Vielleicht hat sich dieser erstaunlich entspannte Typ seine Ruhe beim Fischen rund um Torsby geholt. Den Kollegen imponiert der Wille Bergs, es besser und sich nicht verrückt zu machen. „Er bleibt cool und braucht einfach etwas Zeit“, sagt Kapitän David Jarolim. Dass er Tore schießen kann, hat Marcus Berg in seiner jungen Laufbahn als Torschützenkönig der ersten schwedischen Liga und auch in Groningen gezeigt. Und nach dem Treffer in Glasgow dürfte der Druck auf Berg etwas geringer sein, wenn der HSV an diesem Sonntag zum Spitzenspiel beim FC Schalke 04 antritt (17.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker). Wobei: Vielleicht hat er ja gar keinen Druck verspürt.

Celtic Glasgow - Hamburger SV 0:1 (0:0)
Glasgow:
Boruc - Wilson, Caldwell, McManus, Naylor - Brown, N“Guemo - McGeady, Robson, Maloney (77. McGinn) - McDonald (60. Samaras)
Hamburg:
Rost - Demel, Rozehnal, Mathijsen, Aogo - Jarolim, Ze Roberto - Pitroipa (89. Tesche), Jansen (77. Trochowski) - Berg, Elia
Schiedsrichter:
Gianluca Rocchi (Italien)
Tor: 0:1 Berg (63.)
Zuschauer:
45.000
Gelbe Karten: McManus, Naylor - Trochowski

Quelle: F.A.Z.
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