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Hamburger SV Krisenmanager Doll

22.08.2006 ·  Thomas Doll wirkt fahrig, nervös und ungeduldig. Es ist dem Trainer des Hamburger SV vor dem entscheidenden Champions-League-Qualifikationsspiel bei CA Osasuna anzumerken, daß er sich auf vielen Baustellen als Krisenmanager bewähren muß.

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Thomas Doll wirkt in diesen Tagen fahrig, nervös und auch ungeduldig. Nicht, daß er seine Höflichkeit verloren hätte. Aber es ist dem Trainer des Hamburger SV vor dem entscheidenden Champions-League-Qualifikationsspiel bei CA Osasuna (20.45 Uhr, FAZ.NET-Liveticker) anzumerken, daß er sich derzeit auf mehreren Baustellen gleichzeitig als Krisenmanager bewähren muß.

Undisziplinierte Spieler und ungeplante Verkäufe, Gehalts- und Stammplatzforderungen stören die Harmonie. „Ich bin ein junger Trainer, ich hinterfrage mich jeden Tag und lerne dazu“, sagt Doll, der die Entscheidungen seines Vorstandes um Bernd Hoffmann nie kritisieren würde.

Niemals Vergangenem nachtrauern

So sagt er auch nach dem Überraschungsverkauf von Innenverteidiger Khalid Boulahrouz: „Es ist nicht so leicht im Moment mit unserer dünnen Personaldecke. Aber ich bin über alles informiert, ich gehöre genauso ins Boot wie die anderen.“ Und er ist sich sicher: „Es gibt nichts, was ich nicht weiß.“ Zu seiner Lebensphilosophie gehört, niemals Vergangenem nachzutrauern. „Ich verfalle nicht in Selbstmitleid. Wenn ich etwas nicht ändern kann, gehe ich gelassen damit um“ (Siehe auch: Bundesliga-Kommentar: Abgang durch die Hintertür).

Im Umgang mit seinen Spielern wirkt er wie ein Kumpel, ist selbst noch so gut in Form, daß er die Übungen mit dem Ball mitmachen kann. Doch in seiner fast zweijährigen Tätigkeit als Chefcoach hat er auch gelernt, sich abzugrenzen, hart durchzugreifen. Als Wintereinkauf Nigel de Jong, angeblich mit 2,5 Millionen Euro bestbezahlter HSV- Profi, öffentlich die Position vor der Abwehr forderte anstatt auf den Halbpositionen zu spielen, wurde Doll wütend. „Wer wo spielt, bestimme immer noch ich. Nachher kommt noch einer und fordert, auf meinem Parkplatz zu parken“, macht er deutlich.

Fehlende Leitwölfe

Auch David Jarolim, stets vorbildlicher Teamworker, begehrt plötzlich auf. „Mit meinem Vertrag bin ich nicht zufrieden“, sagt der 27jährige, der nur 800.000 Euro verdienen soll. Der Tscheche schätzt seinen Stellenwert in der Mannschaft deutlich höher ein als sein Gehalt im Mannschaftsgefüge, das die Leitwölfe Sergej Barbarez und Daniel van Buyten verloren hat.

Die nächsten Wochen entscheiden darüber, in welche Richtung es für den Klub mit den hohen Ansprüchen geht. Dazu wird auch gehören, daß Motivationskünstler Doll („Ich muß das Feuer immer wieder neu entfachen“) seine Profis unter Kontrolle bekommt. Die vier Bundesliga-Spiele, in denen Guy Demel wegen einer Tätlichkeit in der Partie gegen Energie Cottbus am vergangenen Samstag gesperrt worden ist, schmerzen angesichts der Abwehrprobleme doppelt (Siehe auch: Kartenflut in der Fußball-Bundesliga).

„Wir hatten gedacht, daß er milder davonkommt. Aber mit dem Ausfall müssen wir leben“, sagt Doll, der nach Rückkehr aus Pamplona in Hamburg ein ernstes Gespräch mit dem Wiederholungstäter führen will. Der HSV wünscht sich engagierte, emotionale Spieler. Doch schon in der vergangenen Saison waren Demel und auch Rafael van der Vaart in heiklen Situationen nicht zu bremsen. „Das müssen wir in den Griff kriegen, da muß jeder kühlen Kopf bewahren“, sagt Doll, der in den kommenden Wochen besonders abseits des Platzes gefordert ist.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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