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Hamburger SV „Ertrag enttäuschend, Erfahrung wertvoll"

01.11.2006 ·  Da hat der Verein ein Jahr lang in der Bundesliga gekämpft, um in die Champions League zu kommen, und nun ist daraus das „Unternehmen Frustvermeidung“ geworden. Zu Europas Lachnummer will der HSV nicht verkommen.

Von Frank Heike, Hamburg
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Kurz und knapp faßt Bernd Hoffmann die bisherigen Auftritte des Hamburger SV in der Champions League zusammen: „Ertrag enttäuschend, Erfahrung wertvoll.“ Der Vorstandsvorsitzende des HSV will gar nichts schönreden. Zum einen hat ihn das 0:0 am Samstag gegen Hannover geärgert, zum anderen sind die Aussichten in der Champions League schlecht.

„Die Chance auf das Überwintern ist nur noch theoretisch. Es ist unser Ziel, in den Uefa-Pokal zu kommen“, sagt Hoffmann. Allein ein Sieg an diesem Mittwoch gegen den FC Porto (20.45 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) könnte dem HSV noch dazu verhelfen, die Runde der letzten Sechzehn im Uefa-Pokal zu erreichen. Intern gibt es bei bislang keinem Punkt aus drei Spielen nur noch die Maßgabe: Bloß nicht weiter blamieren! Zu Europas Lachnummer will der HSV nicht verkommen.

Porto ist „doppelt so erfolgreich“

Da hat der Verein ein Jahr lang in der Bundesliga gekämpft, um irgendwie an diese europäischen Pfründe zu kommen, und nun ist aus der vermeintlichen Belohnung, sich mit den Besten des Kontinents zu messen, das „Unternehmen Frustvermeidung“ geworden. Dreißig Millionen Euro hat der HSV in seinen Luxuskader gesteckt, es ist der dritteuerste der Liga. Hoffmann und Sportchef Dietmar Beiersdorfer haben längst verstanden, daß die Planung eines Fußball-Spitzenteams am Reißbrett nicht funktioniert.

Gerade der Gegner am Mittwoch führt Hoffmann und dem HSV vor, wie man es machen kann: Portos Umsatz ist mit 50 Millionen Euro nur etwa halb so groß, wie der des HSV am Ende des Geschäftsjahres 2005/2006 (30. Juni) sein wird. Die Personalkosten der Portugiesen sind vergleichbar mit denen der Hamburger - etwa dreißig Millionen Euro, mehr lassen sich nur die Bayern und Schalke ihren Profi-Kader kosten.

Die Sorgen des HSV sind bekannt

Doch sportlich sei Porto, der Champions-League-Sieger von 2004 und Dauergast auf der europäischen Spitzenbühne (elf Teilnahmen seit 1992), „doppelt so erfolgreich“, sagt Hoffmann salopp: „Das ist in der Summe einfach eine schlechte Gleichung für uns.“ Was Verkäufe, Erlöse und Einkäufe angeht, vertraut Porto einem ähnlichen Geschäftsmodell von cleverem Erwerb und ertragreichem Verkauf wie der HSV - die Mannschaft, die unter Trainer José Mourinho 2004 triumphierte, gibt es nicht mehr.

Porto hat den Umbau verkraftet, in einer schwächeren Liga natürlich. Die Sorgen des HSV hingegen sind bekannt. Doch dieses neue Team ist eben auch nur so zusammengebaut worden, weil der HSV sich in den Spielen gegen CA Osasuna qualifizierte und so die zehn Millionen Euro Einnahmen aus der Champions League einplanen konnte.

Ablösen, Berater-Zahlungen, hohe Gehälter

Das ist ein außerordentlicher Ertrag, ein Einmaleffekt, der fast nur in die sportliche Substanz geht: Neue Stars werden gekauft, um in der Champions League mithalten und die Doppelbelastung aushalten zu können. Ablösen sind fällig, Zahlungen an die Berater, hohe Gehälter. Das schürt Neid im Kader. Alles kann ins Rutschen geraten. So ist die hochprofessionelle, ertragsstarke europäische Spielrunde für den HSV Fluch und Segen zugleich, denn sie gefährdet das Tagesgeschäft Bundesliga.

Eine riskante Strategie ist das, auch deswegen, weil der große, teure Kader in der Serie 2007/08 weiter bezahlt werden will, in einem Jahr ohne europäische Einnahmen womöglich. Hoffmann sagt: „Wir werden so planen, daß wir Personalentscheidungen auch dann nicht rückgängig machen müssen, wenn wir nächstes Jahr Sechster werden.“ Trotzdem lohnt sich in Hoffmanns Augen jede Anstrengung, in die Champions League zu kommen. „Die Teilnahme hebt einen Verein wie den HSV zwei Jahre lang auf einen anderen wirtschaftlichen Level“, sagt der Vorstandschef, „100 europäische Klubs ackern, um dabeizusein.“

In Zukunft könnte der dritte Startplatz wegfallen

Seit 1992 haben es 97 Vereine in die Champions League geschafft, darunter neun deutsche Klubs: Bayern, Werder, HSV, Dortmund, Schalke, Stuttgart, Hertha, Kaiserslautern, Leverkusen. Neben den garantierten Einnahmen steht der HSV bei Vermarktung und Auslastung des Stadions glänzend da. Das werden die Mitglieder im Dezember bei der Vorlage des Geschäftsberichtes sehen. Zum dritten Mal nacheinander wird es ein positives Ergebnis geben. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag in Höhe von 20 Millionen Euro wird in diesem und im nächsten Geschäftsjahr um einen jeweils siebenstelligen Betrag zurückgeführt.

Doch all diese Kennzahlen interessieren keinen, wenn der HSV in der Champions League vor dem Aus steht, im DFB-Pokal gescheitert ist und in der Bundesliga in der Nähe der Abstiegsplätze rangiert. Wer weiß, wie lange die Champions League überhaupt noch erreichbar ist für einen Verein wie den HSV. In Zukunft könnte der dritte Startplatz wegfallen. Noch bis zur Serie 2000/01 hatte die Bundesliga vier Plätze. Hoffmann sagt: „Das zeigt, wie wenig der deutsche Vereinsfußball in den vergangenen Jahren in Europa auf die Beine gestellt hat.“ Der HSV hat bislang nichts dazu beigetragen, diese Bilanz aufzuhellen.

Quelle: F.A.Z., 01.11.2006, Nr. 254 / Seite 34
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