Home
http://www.faz.net/-gtm-7ki90
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Guangzhou Evergrande Mit Schweinsteiger im Taxi

Der Verein Guangzhou Evergrande fordert die Bayern im Halbfinale der Klub-WM heraus (20.30 Uhr) – als eine Art Speerspitze des Klubfußballs in China. Dabei hat der Sport dort mit massiven Widerständen zu leben.

© AP Vergrößern Anweisungen vom Maestro: Star-Trainer Marcello Lippi soll Chinas Fußball-Meister auf Trab bringen

In der Nacht zum Sonntag, als China auf dem Mond landete und das Internet der Nation voller Jubel war, gab es einen nicht unbeträchtlichen Anteil von Stimmen, die die Proportionen wieder geraderückten: Gewiss sei dieser geglückte Mondflug ein erfreuliches Ereignis, aber wirklich großartig seien doch die beiden Tore gewesen, die in derselben Nacht Guangzhou Evergrande den Weg ins Halbfinale des Club-World-Cups in Marokko gegen Bayern München (20.30 Uhr/ live in der ARD) ebneten. „Leider“, fügte einer der Blogger hinzu, „haben die beiden Tore zwei Ausländer geschossen. Beim Torjubel konnte man gar keine chinesischen Gesichter erkennen.“

Mark Siemons Folgen:  

Mit dem 2:0 über den ägyptischen Meister und Afrika-Cup-Gewinner Al Ahly hat der chinesische Meister erreicht, was das reichlich an Kummer und Enttäuschungen gewöhnte Fußball-China am meisten ersehnt: endlich einem der international ganz Großen dieses Sports gegenüberzustehen, nicht in einem bezahlten Freundschaftsspiel, sondern aufgrund eigener Leistung. Es ist kein Zufall, dass dies gerade Guangzhou gelungen ist. Die 120 Kilometer nordwestlich von Hongkong gelegene 13-Millionen-Metropole ist als Teil des südlichen Perlflussdeltas ein Energiezentrum des chinesischen Wirtschaftsaufschwungs in den vergangenen Jahrzehnten gewesen: wilder, chaotischer und flexibler als der vergleichsweise bürokratische Norden. Das reicht vom Hafen, dessen sich schon die europäischen Kolonialmächte bedienten; den Portugiesen, die im sechzehnten Jahrhundert kamen, verdankte die Stadt ihren Kolonialnamen „Kanton“. Und geht über die zahllosen Billigfabriken in ihrer Umgebung bis hin zur Presse, die mit Titeln wie Nanfang Zhoumo oder Nanfang Dushibao das Liberalste und Kritischste ist, was die staatlich kontrollierte Medienlandschaft in China zu bieten hat.

Das Mastermind heißt Xu Jiayin

Und diese Stadt ist der Standort eines Immobilienunternehmens, das 2010 den örtlichen Fußballverein für hundert Millionen Yuan (etwa zwölf Millionen Euro) kaufte, als dieser noch Guangzhou Pharmaceutical hieß und wegen erwiesener Spielmanipulation in die zweite Liga verbannt war. Es war die Erste einer langen Reihe zielstrebiger Investitionen, durch die der Verein drei Mal in Serie die chinesische Superliga sowie schließlich die „Asian Champions League“ gewann und das Unternehmen zu einer der führenden Immobilienfirmen des Landes wurde. Das Mastermind dahinter heißt Xu Jiayin. Er hat die Evergrande Real Estate Group 1996 gegründet, und er ist als Mitglied der Kommunistischen Partei und der Politischen Konsultativkonferenz des Volkes gut vernetzt; im jüngsten Hurun-Reichtumsreport wird er auf ein Nettovermögen von 7,7 Milliarden Dollar geschätzt. Anders als in China zuvor üblich, hat er das Sponsoring nicht bloß genutzt, um seine Marke etwas anzureichern; das Ziel war von vornherein, den besten Fußball Chinas hervorzubringen und der Firma dadurch, wie der Unternehmensberater Wang Danqing der Parteizeitung „Global Times“ verriet, „bessere Kontakte zu Lokalregierungen im ganzen Land“ zu ermöglichen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bastian Schweinsteiger Noch drei bis vier Jahre auf Topniveau

Bastian Schweinsteiger kämpft in Qatar um seine Bayern-Zukunft. Ein Vertragsangebot für die Zeit nach 2016 liegt noch nicht vor. Aber der WM-Held gibt sich gelassen. Mehr Von Michael Ashelm, Doha

15.01.2015, 08:18 Uhr | Sport
Bayern bereiten sich auf ’Spitzenspiel’ gegen Paderborn vor

Training in München nach dem 0:0 gegen den Hamburger Sport Verein in der Fußball Bundesliga, Vorbereitung auf das Spiel am Dienstagabend gegen den Tabellenführer SC Paderborn. Mehr

22.09.2014, 10:52 Uhr | Sport
Atlético Madrid China erobert den spanischen Fußball

Der Multimillionär Wang Jianlin kauft sich bei Atlético Madrid ein. Es ist der Beginn einer vielfältigen Kooperation. Mit dem Eintritt Chinas in die Elite der spanischen Fußball-Liga wird nichts mehr sein wie zuvor. Mehr Von Paul Ingendaay, Madrid

21.01.2015, 10:38 Uhr | Sport
Vietnamesinnen nach China verschleppt Frau zu verkaufen

Mit 16 wurde Kiab von ihrem eigenen Bruder als Braut an eine chinesische Familie verkauft. Als Folge der Ein-Kind-Politik in China finden Millionen Männer keine Frau im eigenen Land. Eine Chance für skrupellose Mädchenhändler. Mehr

01.12.2014, 15:49 Uhr | Gesellschaft
Wirtschaftsmacht Fußball Reiche Klubs werden immer reicher

In der Money League der Saison 2013/2014 führt Real Madrid mit einem Umsatz von 549,5 Millionen Euro vor Manchester United und Bayern München. Mehr Von Michael Ashelm

25.01.2015, 11:35 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.12.2013, 14:09 Uhr

Papiertiger für die Fifa-Präsidentenwahl

Von Michael Ashelm

Ein weiterer Gegenkandidat meldet sich bereit für die Wahl des Fifa-Präsidenten. Doch Amtsinhaber Blatter verhöhnt die Gegner schon. Bei den Europäern bleibt der Eindruck von Schwäche und Konzeptlosigkeit. Mehr