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Guangzhou Evergrande Mit Schweinsteiger im Taxi

Der Verein Guangzhou Evergrande fordert die Bayern im Halbfinale der Klub-WM heraus (20.30 Uhr) – als eine Art Speerspitze des Klubfußballs in China. Dabei hat der Sport dort mit massiven Widerständen zu leben.

© AP Anweisungen vom Maestro: Star-Trainer Marcello Lippi soll Chinas Fußball-Meister auf Trab bringen

In der Nacht zum Sonntag, als China auf dem Mond landete und das Internet der Nation voller Jubel war, gab es einen nicht unbeträchtlichen Anteil von Stimmen, die die Proportionen wieder geraderückten: Gewiss sei dieser geglückte Mondflug ein erfreuliches Ereignis, aber wirklich großartig seien doch die beiden Tore gewesen, die in derselben Nacht Guangzhou Evergrande den Weg ins Halbfinale des Club-World-Cups in Marokko gegen Bayern München (20.30 Uhr/ live in der ARD) ebneten. „Leider“, fügte einer der Blogger hinzu, „haben die beiden Tore zwei Ausländer geschossen. Beim Torjubel konnte man gar keine chinesischen Gesichter erkennen.“

Mark Siemons Folgen:

Mit dem 2:0 über den ägyptischen Meister und Afrika-Cup-Gewinner Al Ahly hat der chinesische Meister erreicht, was das reichlich an Kummer und Enttäuschungen gewöhnte Fußball-China am meisten ersehnt: endlich einem der international ganz Großen dieses Sports gegenüberzustehen, nicht in einem bezahlten Freundschaftsspiel, sondern aufgrund eigener Leistung. Es ist kein Zufall, dass dies gerade Guangzhou gelungen ist. Die 120 Kilometer nordwestlich von Hongkong gelegene 13-Millionen-Metropole ist als Teil des südlichen Perlflussdeltas ein Energiezentrum des chinesischen Wirtschaftsaufschwungs in den vergangenen Jahrzehnten gewesen: wilder, chaotischer und flexibler als der vergleichsweise bürokratische Norden. Das reicht vom Hafen, dessen sich schon die europäischen Kolonialmächte bedienten; den Portugiesen, die im sechzehnten Jahrhundert kamen, verdankte die Stadt ihren Kolonialnamen „Kanton“. Und geht über die zahllosen Billigfabriken in ihrer Umgebung bis hin zur Presse, die mit Titeln wie Nanfang Zhoumo oder Nanfang Dushibao das Liberalste und Kritischste ist, was die staatlich kontrollierte Medienlandschaft in China zu bieten hat.

Das Mastermind heißt Xu Jiayin

Und diese Stadt ist der Standort eines Immobilienunternehmens, das 2010 den örtlichen Fußballverein für hundert Millionen Yuan (etwa zwölf Millionen Euro) kaufte, als dieser noch Guangzhou Pharmaceutical hieß und wegen erwiesener Spielmanipulation in die zweite Liga verbannt war. Es war die Erste einer langen Reihe zielstrebiger Investitionen, durch die der Verein drei Mal in Serie die chinesische Superliga sowie schließlich die „Asian Champions League“ gewann und das Unternehmen zu einer der führenden Immobilienfirmen des Landes wurde. Das Mastermind dahinter heißt Xu Jiayin. Er hat die Evergrande Real Estate Group 1996 gegründet, und er ist als Mitglied der Kommunistischen Partei und der Politischen Konsultativkonferenz des Volkes gut vernetzt; im jüngsten Hurun-Reichtumsreport wird er auf ein Nettovermögen von 7,7 Milliarden Dollar geschätzt. Anders als in China zuvor üblich, hat er das Sponsoring nicht bloß genutzt, um seine Marke etwas anzureichern; das Ziel war von vornherein, den besten Fußball Chinas hervorzubringen und der Firma dadurch, wie der Unternehmensberater Wang Danqing der Parteizeitung „Global Times“ verriet, „bessere Kontakte zu Lokalregierungen im ganzen Land“ zu ermöglichen.

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