Home
http://www.faz.net/-gtm-7ki90
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Guangzhou Evergrande Mit Schweinsteiger im Taxi

 ·  Der Verein Guangzhou Evergrande fordert die Bayern im Halbfinale der Klub-WM heraus (20.30 Uhr) – als eine Art Speerspitze des Klubfußballs in China. Dabei hat der Sport dort mit massiven Widerständen zu leben.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (1)
© AP Vergrößern Anweisungen vom Maestro: Star-Trainer Marcello Lippi soll Chinas Fußball-Meister auf Trab bringen

In der Nacht zum Sonntag, als China auf dem Mond landete und das Internet der Nation voller Jubel war, gab es einen nicht unbeträchtlichen Anteil von Stimmen, die die Proportionen wieder geraderückten: Gewiss sei dieser geglückte Mondflug ein erfreuliches Ereignis, aber wirklich großartig seien doch die beiden Tore gewesen, die in derselben Nacht Guangzhou Evergrande den Weg ins Halbfinale des Club-World-Cups in Marokko gegen Bayern München (20.30 Uhr/ live in der ARD) ebneten. „Leider“, fügte einer der Blogger hinzu, „haben die beiden Tore zwei Ausländer geschossen. Beim Torjubel konnte man gar keine chinesischen Gesichter erkennen.“

Mit dem 2:0 über den ägyptischen Meister und Afrika-Cup-Gewinner Al Ahly hat der chinesische Meister erreicht, was das reichlich an Kummer und Enttäuschungen gewöhnte Fußball-China am meisten ersehnt: endlich einem der international ganz Großen dieses Sports gegenüberzustehen, nicht in einem bezahlten Freundschaftsspiel, sondern aufgrund eigener Leistung. Es ist kein Zufall, dass dies gerade Guangzhou gelungen ist. Die 120 Kilometer nordwestlich von Hongkong gelegene 13-Millionen-Metropole ist als Teil des südlichen Perlflussdeltas ein Energiezentrum des chinesischen Wirtschaftsaufschwungs in den vergangenen Jahrzehnten gewesen: wilder, chaotischer und flexibler als der vergleichsweise bürokratische Norden. Das reicht vom Hafen, dessen sich schon die europäischen Kolonialmächte bedienten; den Portugiesen, die im sechzehnten Jahrhundert kamen, verdankte die Stadt ihren Kolonialnamen „Kanton“. Und geht über die zahllosen Billigfabriken in ihrer Umgebung bis hin zur Presse, die mit Titeln wie Nanfang Zhoumo oder Nanfang Dushibao das Liberalste und Kritischste ist, was die staatlich kontrollierte Medienlandschaft in China zu bieten hat.

Das Mastermind heißt Xu Jiayin

Und diese Stadt ist der Standort eines Immobilienunternehmens, das 2010 den örtlichen Fußballverein für hundert Millionen Yuan (etwa zwölf Millionen Euro) kaufte, als dieser noch Guangzhou Pharmaceutical hieß und wegen erwiesener Spielmanipulation in die zweite Liga verbannt war. Es war die Erste einer langen Reihe zielstrebiger Investitionen, durch die der Verein drei Mal in Serie die chinesische Superliga sowie schließlich die „Asian Champions League“ gewann und das Unternehmen zu einer der führenden Immobilienfirmen des Landes wurde. Das Mastermind dahinter heißt Xu Jiayin. Er hat die Evergrande Real Estate Group 1996 gegründet, und er ist als Mitglied der Kommunistischen Partei und der Politischen Konsultativkonferenz des Volkes gut vernetzt; im jüngsten Hurun-Reichtumsreport wird er auf ein Nettovermögen von 7,7 Milliarden Dollar geschätzt. Anders als in China zuvor üblich, hat er das Sponsoring nicht bloß genutzt, um seine Marke etwas anzureichern; das Ziel war von vornherein, den besten Fußball Chinas hervorzubringen und der Firma dadurch, wie der Unternehmensberater Wang Danqing der Parteizeitung „Global Times“ verriet, „bessere Kontakte zu Lokalregierungen im ganzen Land“ zu ermöglichen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
  Weitersagen Kommentieren (8) Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitere Empfehlungen
Erste Yuan-Anleihe in Frankfurt Ein Bond namens Goethe

In Frankfurt soll die erste europäische Yuan-Anleihe ausgegeben werden - voraussichtlich noch in diesem Jahr. Der berühmte Dichterfürst steht für die sogenannten „Goethe-Bonds“ Pate. Mehr

22.04.2014, 11:01 Uhr | Finanzen
Gabriel in Peking „Eine Überlebensfrage der chinesischen Volkswirtschaft“

Der Bundeswirtschaftsminister sieht große Chancen für deutsche Umwelttechnologie in China. Er klagt aber auch an: Gerade für den deutschen Mittelstand gebe es zu hohe Hürden im Reich der Mitte. Mehr

22.04.2014, 08:53 Uhr | Wirtschaft
Chinas Babyklappen Nach Ablegen des Kindes strömen die Tränen

Seit drei Jahren gibt es in China die „Baby-Inseln“. Dort werden vor allem schwer kranke und behinderte Kinder abgegeben. Das eigentliche Problem sehen viele im unzureichenden Wohlfahrtssystem der Volksrepublik. Mehr

21.04.2014, 08:50 Uhr | Gesellschaft

17.12.2013, 14:09 Uhr

Weitersagen
 
Umfrage

Wer wird Champions-League-Sieger 2014?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Arroganz und Wirklichkeit

Von Michael Ashelm

Der Tote bei einem Protestmarsch in Rio de Janeiro belegt: Die Fifa, die während der WM am Ort des Protestes an der Copacabana im besten Hotel residiert, hat noch immer keinen richtigen Umgang mit den Problemen im Gastgeberland. Mehr 1