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Gruppe D : Geheimfavorit Tschechien siegt mit viel Mühe

  • Aktualisiert am

Nedved (l.) und Baros feiern den tschechischen Torschützen Heinz (m.) Bild: dpa/dpaweb

Tschechien hat einen Fehlstart in die Fußball-Europameisterschaft mit Mühe abgewendet. Der EM-Zweite von 1996 gewann das Duell der deutschen Gegner in der Gruppe D gegen EM-Neuling Lettland glücklich mit 2:1.

          Marek Heinz hat Geheimfavorit Tschechien beim Start in die Fußball-Europameisterschaft vor einer Blamage bewahrt. Der eingewechselte Stürmer von Banik Ostrava erzielte am Dienstagabend vor 21.744 Zuschauern im Estádio Municipal in Aveiro fünf Minuten vor dem Spielende das 2:1 gegen EM-Debütant Lettland, der durch Maris Verpakovskis in Führung gegangen war (45.+1) und mit einer forschen Premiere auf großer Fußballbühne ein deutliches Warnsignal an den nächsten Gruppengegner Deutschland geschickt hat. Milan Baros vom FC Liverpool erzielte den Ausgleich (73.) für die Tschechen, die ungeschlagen durch die Qualifikation zur EURO marschiert waren.

          „Es war nicht leicht, dieses Spiel noch umzudrehen“, gestand Torschütze Heinz, der in der 56. Minute als dritter Stürmer eingewechselt worden war. Für den Dortmunder Tomas Rosicky ist die Schwerstarbeit mit dem Sieg gegen die Letten schon erledigt: „Ich denke, das war das schwerste Spiel in unserer Gruppe, denn die Letten haben wie eine Mauer am Strafraum gestanden. Gegen die Niederlande und Deutschland wird es leichter.“

          Taktische Disziplin und gefährliche Konter

          Auch Tomas Ujfalusi vom Hamburger SV fiel ein Stein vom Herzen: „Die Letten sind stark bei Kontern, das haben sie bewiesen. Gott sei Dank haben wir noch zwei Tore gemacht
          und sind als Sieger vom Platz gegangen.“ Zu seinem Stellungsfehler vor dem 0:1 sagte Ujfalusi: „Ich dachte, er geht auf den kurzen Pfosten. So etwas darf natürlich nicht passieren.“

          Maris Verpakovskis ließ Lettland mit seinem Treffer zum 1:0 lange an eine Sensation glauben

          Lettland ist am Samstag in Porto der nächste Gegner der Deutschen in der Gruppe D. Und die DFB-Späher Ulli Stielike und Jörg Daniel im Stadion von Aveiro staunten nicht schlecht über die EM-Neulinge, die sich nicht nur aufs Tore verhindern verlegten. Wie schon in der
          Relegation gegen den WM-Dritten Türkei zeichnete sich die Mannschaft von Trainer Aleksandrs Starkovs durch ihre taktische Disziplin aus und lauerte erfolgreich auf Konter.

          Das Abwehrbollwerk des Außenseiters

          Tschechiens Kapitän Pavel Nedved, 2003 Fußballer des Jahres in Europa, kurbelte zwar unermüdlich das Angriffsspiel des Teams von Trainer Karel Brückner an, doch auf präzise Flanken wartete der lange Dortmunder Jan Koller im Sturmzentrum vergeblich. Im Abschluss fehlte es den Tschechen an Genauigkeit. Einen 20-m-Schuß von Rosicky wehrte Lettlands Torhüter Aleksandrs Kolinko ab (21.). Als Karel Poborsky aus halbrechter Position abzog, streifte der Ball knapp über die Querlatte (24.).

          Mit zunehmender Spielzeit rannten sich die Tschechen am Abwehrbollwerk Außenseiters fest. Aus einer solchen Situation entstand auch das 1:0 für Lettland. Baros vertändelte den Ball am gegnerischen Strafraum, der schnelle Andrejs Prohorenkovs ließ auf der linken Seite Rene Bolf stehen, und Verpakovskis hatte keine Mühe, die Eingabe seines Mitspielers zu verwerten. Der gefährliche Stürmer von Dynamo Kiew hatte schon in der Qualifikation zur EURO sechs Tore erzielt.

          In der zweiten Halbzeit warf die tschechische „Europa-Auswahl“ alles nach vorn, und bei den Letten schwanden die Kräfte. Zunächst vergaben Baros (64.), Koller (65.) und Nedved (70.), doch nach einer Traumflanke von Rekordnationalspieler Poborsky, der auf der rechten Seite zwei Gegenspieler ausgetanzt hatte, machte Baros seinen Fehler vom Gegentor wieder wett und erzielte den Ausgleich (73.). Heinz, der früher in der Bundesliga für den HSV spielte, erzielte aus der drückenden Überlegenheit der Tschechen heraus schließlich per
          Linksschuß aus 16 Metern das Siegtor (85.).

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