17.06.2004 · Der FC Bayern als Vorbild für die Briten: Der Kapitän verspricht den Schweizern einen ungemütlichen Donnerstag und verrät, was das Großartige daran ist, Engländer zu sein.
Von Christian EichlerEs ist die Zeit für Trotz, für jene Fußballogik, die sagt: Wir hatten Pech, aber wenn wir nur so weitermachen, werden wir Glück haben. Es sind die Engländer, die derzeit so reden, allen voran ihr Kapitän David Beckham: "Nichts wird mich kleinkriegen. Meine Mentalität ist weitermachen, bis ich gewinne."
Der Mann, der mit seinem verschossenen Elfmeter den Sieg gegen den Favoriten Frankreich vergab (FAZ.NET-Spezial Euro 2004), verspricht den neutralen Schweizern, daß ausgerechnet sie die englische Enttäuschung ausbaden müssen: "Am Donnerstag wird der Frust vorbei sein. Sobald die Pfeife geht, werden wir hinter ihnen her sein." Der Ärger über die Niederlage durch zwei geschenkte Tore in der Nachspielzeit - erst durch Heskeys dummes Foul, dann durch Gerrards Harakiri-Rückpaß: Beckham sieht ihn als positiv. "Es ist kein Ärger der Art, daß man rausgehen und Gegenspieler umtreten will. Es ist Ärger der Art, daß man rausgeht, Spiele gewinnt und Fans überzeugen will."
Der Trainer hat „die Dinge schnell wieder beruhigt"
Nach der unfaßbaren Niederlage bemühte sich Trainer Sven-Göran Eriksson schnell und offenbar erfolgreich, das Team nicht der Selbstzerfleischung zu überlassen. Er sprach noch im Stadion mit der Mannschaft, erinnerte sie an ihre hervorragende Einzel- und Mannschaftsleistung. Am Ende, als die anderen schon im Bus waren, redete er auch mit Kapitän Beckham, den er mahnte, nicht negativ aufzutreten, weil seine Haltung besondere Wirkung auf die Elf habe. "Er hat die Dinge sehr schnell wieder beruhigt", sagte Beckham.
Wenn es ihnen tatsächlich gelingt, die letzten fünf Minuten vom Sonntag abend zu vergessen, dann haben die Engländer allen Grund, weiter an sich zu glauben. Auch bei der letzten Europameisterschaft 2000 waren sie im ersten Spiel glänzend gestartet, 2:0 in Führung gegangen und dann den Portugiesen doch noch 2:3 unterlegen gewesen - was letztlich trotz eines 1:0-Sieges gegen Deutschland zum Ausscheiden in der Vorrunde führte. Doch während damals die Niederlage eine Starrheit im System verriet, ein Festhalten an einem schablonenhaften 4-4-2-System unter dem populären, aber taktisch überforderten Trainer Kevin Keegan, so zeigte die Niederlage gegen Frankreich paradoxerweise, welche Fortschritte die englische Elf unter der kühlen Regie von Trainer Sven-Göran Eriksson gemacht hat.
Tief stehen, clever verteidigen
Neunzig Minuten lang zeigte sie, wie man die Franzosen schlagen kann - im Wechsel aus frühem Angreifen mit blitzartigen Attacken des aufsehenerregenden Teenagers Wayne Rooney und dem "Nachhausegehen", wie es Eriksson nennt, dem weiten Zurückweichen und Verengen des Spiels in Strafraumnähe. So hielt man die beiden vielleicht weltbesten Spieler im Zaum: Stürmer Thierry Henry war der Raum für seine Schnelligkeit genommen, und Zidane "hatten wir im Griff bis auf die zwei Standardsituationen, den Freistoß und den Elfmeter". Alle bedeutenden Erfolge der Engländer unter Eriksson, der Sieg gegen Titelfavorit Argentinien bei der WM 2002, die EM-Qualifikation durch das 0:0 in der Türkei, selbst der 5:1-Sieg in München 2001, sind durch diese Grundtaktik entstanden, die Eriksson aus der italienischen Serie A mitgebracht hat: tief stehen, clever verteidigen und beim Gegenangriff kalt zuschlagen.
Unter Eriksson wurde England von einer nimmermüde und naiv attackierenden Truppe zu einer beherzt, aber vorsichtig vorgehenden Arbeitsgemeinschaft. Ihr Problem beginnt da, wo ein körperlich oder spielerisch unterlegener Gegner zu besiegen ist. Deshalb wird die Aufgabe gegen die Schweiz eine ganz andere als gegen Frankreich, vielleicht aber gerade deshalb genauso schwer: Dominanz ausüben, das Spiel bestimmen. Und nicht die Geduld verlieren.
Ein deutsches Vorbild für Englands Fußball
Die Besetzung ist vollständig. Verteidiger John Terry kann ins Team zurück, Paul Scholes ist zwar angeschlagen, aber wohl einsatzfähig. Ein Fragezeichen, kein medizinisches, aber ein mentales, steht nur hinter Steven Gerrard, auf dem die größten Erwartungen vor dem Turnier lagen, weil England nie mit ihm verloren und er eine großartige Saison in Liverpool gespielt hatte. Und dann dieser haarsträubende Rückpaß in der 94. Minute - bis dahin war alles noch in Ordnung, mit einem 1:1 wären alle glücklich gewesen.
Doch Kollege Beckham glaubt, daß alle, auch Gerrard, die richtige, nämlich positive Reaktion zeigen werden: "Das ist das Großartige daran, Engländer zu sein. Man geht zu Boden und steht wieder auf. Wenn es diesem Team gelingt, dann wird es von den Leuten zu Hause noch mehr geliebt werden."
Beckham gab 1999 im Champions-League-Finale gegen Bayern München die beiden Eckstoß-Flanken, die in der Nachspielzeit noch den Sieg für Manchester United brachten - ein Spiel, an das nach dem fast deckungsgleichen Verlauf der Partie Frankreich gegen England ständig erinnert wurde. Auch Eriksson wurde das, doch er zog eine überraschende Parallele zwischen Bayern und Briten: "Bayern kam zurück und gewann nur zwei Jahre später die Champions League. Wir können noch schneller zurückkommen, wir haben die nächsten zwei Wochen." Ein deutsches Vorbild für Englands Fußball, das ist doch was.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |