http://www.faz.net/-gtl-7769q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 23.02.2013, 18:23 Uhr

Greuther Fürth Der Patriarch stößt an Grenzen

Aufsteiger Greuther Fürth hat die Bundesliga offenbar unterschätzt: Der Trainer musste gehen. Und auch der geradezu allmächtige Präsident Helmut Hack ist vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen (17.30 Uhr) nicht mehr unumstritten.

von , Fürth
© Archiv Auch das Kleeblatt schaut angesichts der Fürther Misere nicht mehr glücklich

Alles Unheil begann auch mit einer Art fehlgeschlagener Entführung. Es war im vergangenen Sommer. Helmut Hack, der Präsident, hatte gerade seinen erhofften Königstransfer unter Dach und Fach gebracht. Und so erzählte Hack voller Stolz, wie ihm das Kunststück gelungen war, den Angreifer Djiby Fall, der schon einmal für knapp fünf Millionen Euro nach Moskau transferiert worden war, nach Fürth zu lotsen: Er nahm ihn einfach mit. Eine Nachtfahrt aus Lokeren in Belgien nach Franken, sieben Stunden im Auto, „er und ich ganz allein“.

Christian  Kamp Folgen:

Natürlich war Fall freiwillig mitgekommen, er hatte Hack und der Spielvereinigung Greuther Fürth auch schon zugesagt, aber die Einigung mit den Beratern stand eben noch aus. Und der Präsident war unter Druck, nachdem Oliver Occean, der beste Zweitligaschütze, nach Frankfurt gewechselt war. Die Fans, die Medien, auch der Trainer - alle forderten einen Stürmer. „Ich habe mir gesagt: Ich muss den jetzt mitnehmen, sonst passiert wieder was“, sagte Hack. Er hatte seinen Stürmer. Nur: Es war der falsche.

„Wir alle haben die Bundesliga unterschätzt“

Auf ganze zwei Bundesliga-Einsätze kam Fall - und in die Fürther Chronik dieser Saison wird er als der „Slapstick-Stürmer“ aus Senegal eingehen. Auch andere Transfers wie der des Dänen Mikkelsen erwiesen sich nicht als Offenbarung. Und weil auch sonst fast nichts aufging, was man sich in Fürth erhofft hatte, wirkt Hack, der sich so sehr auf „34 Feiertage“ in der Bundesliga gefreut hatte, heute ziemlich ernüchtert. „Wir alle haben Fehler gemacht“, sagt er unter dem Eindruck der Schreckensbilanz von zwölf mickrigen Punkten, keinem einzigen Heimsieg, Tabellenplatz 18 und der Trennung von Trainer Mike Büskens vor dem Spiel gegen BAyer Leverkusen am Sonntag (17.30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker). „Wir alle haben die Bundesliga unterschätzt. Die Spieler haben den nächsten Schritt nicht gemacht. Und ich habe sehr schnell gelernt, dass wir mit 500.000 oder 800.000 Euro keine Qualität dazubekommen können.“

Insgesamt 2,5 Millionen Euro haben die Fürther in der Sommerpause ausgegeben. Peanuts für das Liga-Establishment. Aber einen Fehlgriff in der Fall-Dimension - die Rede ist von einer knappen Million Euro - kann man sich beim Verein mit dem kleinsten Etat schlecht leisten. Was aber in der Verlustrechnung schwerer wiegt, ist etwas anderes: dass beim Schritt ins Abenteuer der Fürther Weg ein Stück weit verlorenging. Der immer auch Hacks Weg gewesen war. „Wir mussten unter dem Druck der Bundesliga sicher die eine oder andere Entscheidung treffen“, sagt er, „die wir in unserer früheren Philosophie nicht hätten treffen müssen.“ Eigentlich gibt es so etwas im Fußball kaum noch - dass eine einzelne Figur einen Verein nicht nur über Jahre und Jahrzehnte prägt. Sondern auch mit einem altmodisch anmutenden Ansatz ganz nach oben bringt. Genau das tat Hack.

Mehr zum Thema

Mit dem Beitritt seines Heimatvereins TSV Vestenbergsgreuth zum welken Fürther „Kleeblatt“ 1996 begann die Geschichte eines kleinen Klubs, der es mit einer bestaunten und manchmal auch belächelten Mischung aus Bescheidenheit und Beharrlichkeit bis in die Bundesliga schaffte. Der 63 Jahre alte Hack, im Hauptberuf Geschäftsführer des in Vestenbergsgreuth beheimateten Tee-Imperiums Martin Bauer, präsentiert „seine“ Spielvereinigung gern als große Familie. In der er gern den sanften Patriarchen gibt. Kein Alphatier aus dem Fußballbetrieb, kein Selbstdarsteller oder Sonnenkönig. Eher ein Missionar, der die Leute „emotional mitnehmen“ will.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fußball-Bundesliga Volland ist Leverkusens Königstransfer

Bayer greift tief in die Tasche: Nationalstürmer Volland, der nicht für die EM nominiert ist, kommt aus Hoffenheim. Der Stürmer erhält einen langen Vertrag in Leverkusen. Mehr

20.05.2016, 11:00 Uhr | Sport
Bundesliga Spannung in Gladbach

Am vorletzten Spieltag der Fußball-Bundesliga-Saison stehen sich Gladbach und Leverkusen gegenüber - und Gladbach will sich für die Champions League qualifizieren. Mehr

06.05.2016, 16:22 Uhr | Sport
Eintracht Frankfurt Karriereende für Reinartz

Die Gesundheit spielt nicht mehr mit: Stefan Reinartz beendet seine Laufbahn im Alter von nur 27 Jahren. Mehr Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt

28.05.2016, 13:44 Uhr | Sport
Fußball-Bundesliga FC Bayern verpasst Chance auf vorzeitige Meisterschaft

Schon am letzten Samstag hätten sie die Meisterschaft holen können, aber es sie haben es verpasst. Diese Woche fieberten die Fans wieder mit ihrem FC Bayern mit - und wieder wurde es nichts mit der vorzeitigen Meisterschaft in der Fußball-Bundesliga. Mehr

01.05.2016, 18:53 Uhr | Sport
Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart ohne Dutt und mit Luhukay

Nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga stellt sich Stuttgart neu auf. Nach Trainer Kramny verliert auch Sportvorstand Dutt seinen Posten beim VfB. Dafür ist nun ein neuer Coach gefunden. Mehr

17.05.2016, 18:05 Uhr | Sport
Umfrage

Wie weit kommt das DFB-Team bei der EM 2016?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Kleiner Gernegroß und großes Fußball-Los

Von Christian Eichler

Wer verdient den Hut, wer das Florett? In Schottland gibt es besonderen Trainernachwuchs. Und in England zeigt sich mal wieder der ganze Fußball-Wahnsinn dieser Tage. Mehr 1