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Glasgow Rangers Bußgang nach Stenhousemuire

 ·  Nach dem Beschluss der anderen schottischen Klubs müssen die Glasgow Rangers in der vierten Klasse von vorne anfangen. An diesem Montag könnte sich aber doch noch ein Türchen für den abgewirtschafteten Rekordmeister öffnen.

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© dpa Vergrößern Das Hauptkapital der Rangers: Ihre treuen Fans - auch in der schottischen Provinz

Es war eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera, die die dreißig Klubs der drei Profiligen unterhalb der „Scottish Premier League“ (SPL) am Freitag zu treffen hatten. In welcher Klasse sollten die aus der SPL verbannten bankrotten Glasgow Rangers aufgenommen werden? War es wichtiger, den moralischen Schaden zu begrenzen - oder den finanziellen?

25 der 30 Klubs beschlossen, Fairplay über das Finanzielle zu stellen. Sie votierten dafür, dem abgewirtschafteten Rekordmeister keine sanfte Landung in der First Division, also der zweiten Liga, zu erlauben. Sondern ihn zu degradieren in die vierte und unterste Profiklasse, die Third Division.

Diese Liga hat immerhin einen Vorteil: Man kann nicht mehr absteigen. Sehr zum Glück etwa des East Stirlinghire F.C., der im vergangenen Jahrzehnt fünfmal nacheinander den letzten Platz belegte und als „schlechtestes Profiteam der Welt“ sogar gewissen Ruhm und ausländische Fanklubs gewann. Er kann sich jetzt auf wenigstens einen großen Zahltag freuen, wenn Tausende treuer Rangers-Fans, deren Mehrzahl für den Neustart ganz unten waren, die bizarre Reise in den Ochilview Park (3776 Plätze) nach Stenhousemuire antreten werden.

Ebenso freuen darf sich der Traditionsvereins Queen’s Park, der seine Spiele im Nationalstadion, dem Hampden Park, austrägt, von dessen 52.025 Plätzen er zuletzt durchschnittlich aber nur 520 besetzen konnte. Allein das eine Rangers-Gastspiel dürfte den Saisonschnitt vervielfachen.

Das Schreckensbild eines „langsamen Todes“

Dafür befürchten die besseren Profiklubs in Schottland krasse Einbußen. Stewart Regan, Chef des nationalen Fußballverbandes, hatte den Schritt der Degradierung des Großklubs in die kleinste Liga abzuwenden versucht, indem er das Schreckensbild eines „langsamen Todes“ des schottischen Fußballs malte.

Befürchtet wird nun, dass ohne die Rangers die Einnahmen aus TV-Rechten und Zuschauererlösen in der Top-Liga wegbrechen werden. Eine Degradierung der Rangers in die zweite Liga, die vermutlich nur ein Jahr gedauert hätte wie 2006 beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin, hätte sich finanziell überbrücken lassen - eine, die mindestens drei Jahre bis zur Rückkehr dauert, wohl nicht.

Ende 2011 kam die unvermeidliche Insolvenz

Fußball in Schottland schien bisher undenkbar ohne die „Old Firm“, das Duo der Großklubs aus Glasgow, die finanziell und sportlich turmhoch über dem Rest standen. Der Letzte, der das Titel-Abo von Celtic und Rangers unterbrechen konnte, war der junge Alex Ferguson, der 1984 und 1985 mit dem FC Aberdeen die Meisterschaft gewann. Doch lange schon lebten die Rangers über ihre Verhältnisse, als spielten sie in ihrer eigenen Liga, in der es außer ihnen nur noch Celtic gab.

Man zahlte Gehälter, die mit denen in der englischen Premier League konkurrieren konnten - obwohl man das in der schottischen Premier League, in der zehn von zwölf Klubs allenfalls deutsches Drittliganiveau haben, nicht refinanzieren konnte. Die unvermeidliche Insolvenz kam Ende 2011 durch einen Steuerstreit mit der britischen Finanzbehörde. Sie führte zur Auflösung des ruhmreichen „Rangers F.C.“, dessen Schlussbilanz 54 Meistertitel und 134 Millionen Pfund Schulden auswies.

Charles Green, früher Chef von Sheffield United, kaufte im Mai mit der Investorengruppe „Sevco 5088“ für 5,5 Millionen Pfund Stadion, Trainingsgelände und Restbestände des nun als „Newco Rangers“ geführten Klubs. „Die Leute, die Schande über diesen großen Klub gebracht haben, gehören nicht mehr dazu“, sagte Green, „und jeder bei den Rangers ist bestrebt, den Klub auf solider finanzieller Grundlage neu aufzubauen.“

Das Hauptkapital, das dem früheren Europapokalsieger bleibt, ist die große Basis von Fans, die ihm in der Diaspora der tiefsten Fußballprovinz treu bleiben dürften. „Ich teile die Ansicht der Fans, dass der Neustart in der Third Division die sportliche Integrität wahrt“, sagte Trainer Ally McCoist. „Es wird dauern, bis wir uns erholen. Aber wir werden stärker zurückkommen.“

Tut sich doch noch ein Schlupfloch auf?

Während die Rangers fast erleichtert klangen, wirkte der Rest von Schottland erschüttert - so wie Stewart Gilmour, Chef des Erstligaklubs St. Mirren, der „grauenhafte Folgen“ erwartet. Auch der Vorstand von Inverness Caledonian Thistle traf sich umgehend zu einer Krisensitzung wegen der „sehr ernsten finanziellen Folgen“.

Sollten sich die Klubs aus ihrer Katerstimmung zu Konsequenzen aufraffen, könnte sich womöglich doch noch ein Schlupfloch für den Rekordmeister auftun - nämlich dann, wenn die SPL-Vereine, die vorletzte Woche mit großer Mehrheit gegen die Wiederaufnahme der „neuen“ Rangers gestimmt hatten, sich das wegen der nun drohenden Einnahmeverluste plötzlich noch einmal anders überlegen sollten.

Am Wochenende wurde noch fleißig dementiert

Oder, als Alternative zur straflosen Wiederaufnahme des Sünders, eine „SPL 2“ gründen, einen zweitklassigen Ableger der Top-Liga, in den man die Rangers gleich aufnehmen könnte. Am Wochenende wurde all das noch fleißig dementiert. Doch an diesem Montag kann die kleine, krisengeschüttelte Welt des schottischen Fußballs schon wieder ganz anders aussehen: Dann halten die SPL-Klubs ihr jährliches Treffen ab.

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