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Aktualisiert: 27.02.2014, 13:09 Uhr

Gibraltars Torwart Perez „Ich möchte nicht in der Haut von Joachim Löw stecken“

Gibraltar ist der kurioseste Gegner der deutschen Nationalelf in der EM-Qualifikation: Im F.A.Z.-Interview hofft Torwart Jordan Perez wegen des prominenten Gegners auf eine späte Profikarriere und ein bislang politisch verhindertes Spiel gegen Spanien.

© Ian Martinez Gibraltars Torwart Jordan Perez: „Hoffentlich nutze ich die Chance, dass gegen Deutschland viele Scouts die Spiele verfolgen“

Jordan Perez stand im bislang einzigen offiziellen Länderspiel Gibraltars gegen die Slowakei im Tor. Das Land wurde nach anderthalb Jahrzehnten des Wartens in die Uefa aufgenommen und darf nun erstmals in einer EM-Qualifikation mitspielen. Das fußballverrückte englische Überseegebiet am Südzipfel der iberischen Halbinsel scheiterte zuvor am politischen Widerstand Spaniens, das Ansprüche auf die einst strategisch wichtige, heute wirtschaftlich als Hafen bedeutsame Halbinsel am Eingang zum Mittelmeer erhebt. Der 27 Jahre alte Schlussmann Perez, derzeit beim Serienmeister Lincoln FC in der heimischen obersten Spielklasse als Halbprofi im Tor, träumt von einem bislang politisch verhinderten Spiel gegen Spanien, freut sich aber erst einmal auf eine Begegnung mit Vorbild Neuer.

Die Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen hat Ihr Team aus Gibraltar mit Deutschland in einer Gruppe zusammengeführt. Sie werden als Torhüter im Mittelpunkt stehen. Freuen Sie sich darauf oder fürchten Sie eine Menge Gegentore?

Ich freue mich total darauf. Natürlich werde ich im Fokus stehen, weil wir gegen Top-Profis spielen werden, die sicher deutlich häufiger aufs Tor schießen werden als unsere Angreifer. Aber: Angst habe ich keine, auch wenn die deutsche Offensive im Moment eine richtige Tormaschine ist. Auch diese Maschinen sind letztlich nur menschliche Wesen, die auch mal am leeren Tor vorbeischießen können. Deutschland ist derzeit neben Spanien die stärkste Elf der Welt. Realistischerweise werden wir hoch verlieren. Aber wenn wir diszipliniert sind, sieht das vielleicht anders aus.

Portugal Gibraltar Slovakia Soccer © picture alliance / AP Photo Vergrößern Bekommt auch die deutsche Nationalmannschaft unerwartete Probleme in Faro? Gibraltars Nationalteam (in Rot) vor dem ersten offiziellen Länderspiel gegen die Slowakei

Wie wichtig ist es für Ihr Land, in der EM-Qualifikation dabei zu sein?

Das ist enorm wichtig. Bedenken Sie, dass wir 15 Jahre lang vergeblich versucht haben, in der Uefa aufgenommen zu werden. Das gelang lange nicht aus politischen Gründen, über die ich nicht reden möchte. Das ist für Gibraltar als eine Sportgemeinschaft einfach ein riesiges Ding, dass wir jetzt auf der Sportlandkarte auftauchen. Dass wir einmal bei Sky Sport News im Rahmen der Auslosung genannt werden, war unvorstellbar.

Auf welchem Niveau betreiben sie denn Ihren Sport?

Auch wenn wir alle Amateure sind, haben wir uns in den letzten drei bis vier Jahren mit der Perspektive auf die Aufnahme in die Uefa und die Teilnahme an der EM-Qualifikation professionell vorbereitet. Vielleicht schaffen wir es auch, dass wir künftig neben den Vereinsklubs einmal wöchentlich zu einem Training im Nationalteam zusammenkommen, um uns zu verbessern. Wir sollten diesen Vorteil, dass wir in einem kleinen Staat leben, etwas mehr nutzen. Zudem haben wir zwei Profis aus England, Danny Higginbothom und Scott Wiseman, eingebürgert und einer unserer Spieler hat es zu einem Profivertrag in Israel geschafft. Die Jungs heben unser Niveau enorm an und können mit ihrer Profierfahrung den anderen Tipps geben.

Dem Vernehmen nach suchen Sie noch mehr Spieler aus England, die bereit wären, für Gibraltar zu spielen.

Wenn uns das weiterhilft und der Spieler sich auch wirklich mit Gibraltar identifiziert, ist das in Ordnung. Auch Spanien hat sich ja beispielsweise mit dem Brasilianer Diego Costa „verstärkt“. Wir sollten aber auch darauf achten, dass wir das Gleichgewicht bewahren und unseren Geist als Mannschaft aus Gibraltar bewahren. So haben wir ja schon einige gute Resultate erreicht.

Für uns Spieler aus Gibraltar ist das nun aber vor allem auch eine gute Bühne, wo wir uns vielleicht für eine Profikarriere empfehlen können. Ich bin 27 Jahre alte und hätte als Torhüter noch einige Jahre, um professionell zu spielen. Das ist mein großer Traum, egal ob in Spanien, England oder gar Deutschland oder in einer kleinen Liga. Hoffentlich nutze ich die Chance, dass gegen Deutschland viele Scouts die Spiele verfolgen. Für die könnte sich ein Besuch sowieso lohnen: Wir haben reichlich Rohtalente in Gibraltar, das bislang keine Chance hatte, sich zu präsentieren.

Hoffen Sie darauf, dass die Gegner wie Deutschland nichts von diesem Talent ahnen und Ihr Team unterschätzen?

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