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Gewalt in Stadien Trauerspiel in Italien

06.02.2007 ·  Die Stadien werden geöffnet, das Milliardenspiel geht auch nach dem brutalen Tod des Polizisten in Italien weiter. Was auch sonst? Wichtig ist nun, unter welchen Bedingungen der geliebte Fußball gespielt wird. Ein Kommentar von Dirk Schümer.

Von Dirk Schümer, Venedig
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Das Spiel geht also weiter in Italien, auch nach dem brutalen Tod eines Polizisten. Die Stadien werden wieder geöffnet, die Partien der Serie A wiederaufgenommen und nachgeholt, und auch die Tifosi kehren zurück auf die Tribünen. Was auch sonst?

Hätte irgendjemand gedacht, die Milliardenbranche Calcio im Land des Weltmeisters - mitsamt der europäischen Beteiligung an Champions League und Uefa-Pokal - würde nach den Straßenschlachten von Catania über Monate, vielleicht gar eine ganze Saison den Betrieb einstellen? Fußball mag zwar nicht staatstragend sein, doch ist seine wirtschaftliche, mediale, gesellschaftliche Bedeutung übergroß. Selbst für eine Besinnungspause fehlen Zeit und Geld. Ein radikaler Stopp hätte zudem als Kapitulation vor den mörderischen Ultras gewirkt, die den Fußball nur als Vorwand für ihren Durst nach Adrenalin und Blut nutzen.

Berlusconi übersah untätig alle Übel

Wichtiger ist, unter welchen Bedingungen der geliebte Sport, der viel mehr ist als nur ein harmloses Spiel, von nun an in Italien ablaufen wird. Die harten Entschlüsse der Regierung waren allein schon zum Schutz der friedlichen Fans und der Polizisten notwendig: Publikumssperre aller Stadien, die den Sicherheitsnormen nicht entsprechen, individueller Kartenverkauf mit Identifikation, keine Gruppenanreise zu Auswärtsspielen, längere Untersuchungshaft, leichtere Zugangssperren, keine Geschäfte mehr mit den Ultras. Dadurch müssen fortan dauerhaft viele Spiele - in der Serie B oft mehr als die Hälfte - vor leeren Rängen oder mit limitierter Zuschauerzahl stattfinden. So wird der Calcio gerechterweise zum Trauerspiel.

In Italien will die Regierung nach den Fußball-Krawallen am Freitag verschärfte Sicherheitsbedingungen für Stadien auch gegen den Widerstand von Sportfunktionären durchsetzen.

Der Liga-Präsident Antonio Matarrese, ein Urgestein des Fußballmanagements, hat kundgetan, dass ihm die harte Linie der Regierung nicht schmeckt und damit den Abscheu von Ministerpräsident Prodi geweckt. Die Frage ist doch: Gehören zum Massenphänomen Fußball, wie Matarrese meint, notwendig auch Tote? Geht das Unterhaltungsgeschäft über Leichen? Natürlich nicht.

Schlendrian und die versäumten Reformen

Es ehrt den italienischen Staat, der unter Berlusconi so lange untätig alle Übel im Fußball übersah oder gar nährte, wenn er nun nicht vor der Gesetzlosigkeit und der Gewalt kapituliert. Schließlich zeigt das Beispiel England, dass man die Hooligans aus den Stadien verbannen kann. Und in Deutschlands nagelneuen Arenen ist der Profifußball zum friedlichen Familienspaß geworden.

Darum können die italienischen Maßnahmen auch nur ein Anfang sein. Ein Umbau des Systems, eine moderne Architektur für Stadien und Verband, eine wirksame Kontrolle der Ultras durch Klubs und Staat - das alles zieht sich über Jahre und wird teuer und schmerzhaft. Der Calcio, der einst die besten und teuersten Spieler der Welt anzog, bezahlt jetzt bereits die Zeche für den Schlendrian und die versäumten Reformen. Der Exodus von Weltstars und die Schwächung italienischer Klubs, die vorige Saison mit dem Schiedsrichterskandal Gestalt annahm, wird weitergehen. Mit gesperrten Stadien, angeekeltem Publikum und verschreckten Sponsoren werden sich die Verluste anhäufen. Den Weltmeister erwartet eine lange fußballerische Talsohle. Rom ist nicht an einem Tag konstruiert worden. Ein gesunder Calcio erst recht nicht.

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