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Geldanlage Riskantes Spiel mit Fußballaktien

16.02.2007 ·  Fußballaktien sind eine hochspekulative Anlageform, nur selten lässt sich Geld damit verdienen. Auch Borussia Dortmund ist ein abschreckendes Beispiel: Die Aktie hat in sechs Jahren an der Börse mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren.

Von Daniel Mohr
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Mit Fußballaktien lässt sich nur in Ausnahmefällen Geld verdienen. Der Eurokick-Index für europäische Fußballaktien liegt seit seiner Auflegung Ende des Jahres 2000 im Minus, derzeit mit rund 25 Prozent. Fußballaktien sind eine hochspekulative Anlageform. Neben den üblichen wirtschaftlichen Risiken eines Unternehmens kommen Unwägbarkeiten über Spielergebnisse, Zuschauerausschreitungen oder Spielerverletzungen hinzu. Viele Anleger machen deshalb um Fußballaktien einen großen Bogen. Dennoch: Es gibt sie, und es werden mehr.

Vergangene Woche wagte mit Olympique Lyonnais der erste französische Fußballverein den Gang auf das Börsenparkett. Die Premiere auf ungewohntem Terrain haben Verein und Aktie einigermaßen unbeschadet überstanden, der Kurs verharrt nahe seines Ausgabepreises. Dem Verein fließen durch den Börsengang rund 100 Millionen Euro zu, die für den Bau eines neuen Fußballstadions verwendet werden sollen.

In England sind börsennotierte Fußballvereine Alltag

Was in Frankreich eine Premiere ist, gehört in England längst zum Alltag. Hier sind börsennotierte Fußballvereine eher die Regel als die Ausnahme. Von der britischen Insel kommt aber auch eine der wenigen wirklich erfolgreichen Anlagen in diesem Bereich: die Aktie von Manchester United. Über Jahre hinweg wurde der Verein wirtschaftlich solide geführt, und die sportlichen Erfolge taten ihr Übriges.

Schade nur, dass fußballvernarrten Investoren dieses Anlageobjekt nicht mehr zur Verfügung steht. Der amerikanische Milliardär Malcolm Glazer fand Gefallen an dem Verein und sicherte sich nach und nach alle Aktien und nahm Manchester United im Mai 2005 von der Börse.

Borussia Dortmund, die einzige deutsche Fußballaktie

Auf Ähnliches spekulieren seither einige Anleger auch bei anderen Vereinen. Englische Fußballaktien weisen daher immer mal wieder deutlich Kursanstiege auf. So gewannen die Papiere von Tottenham Hotspurs in den vergangenen zwölf Monaten 80 Prozent, die von Birmingham City 60 Prozent. Neue Nahrung erhielten solche Spekulationen, als vergangene Woche die Amerikaner George Gillett und Tom Hicks den FC Liverpool für 634 Millionen Euro übernommen haben und ein Angebot von Dubai International Capital überboten.

Solche Begehrlichkeiten gibt es bei Borussia Dortmund nicht. Die einzige deutsche Fußballaktie hat mit ihrem Werdegang dafür gesorgt, dass sie noch einige Zeit alleine den deutschen Fußball am Kapitalmarkt vertreten wird. Am 31. Oktober 2000 wurden die Aktien zu 11 Euro ausgegeben. Heute stehen sie bei 2 Euro. Dies ergibt nach mehr als sechs Jahren am Aktienmarkt einen Kursverlust von mehr als 80 Prozent.

Dass trotz der im Vergleich zu englischen Vereinen niedrigen Bewertung mit derzeit 127 Millionen Euro kein Käufer Interesse hat, mag an der Rechtsform der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) liegen. Selbst wer alle Aktien besitzt, kann nicht über die Geschäftspolitik bestimmen. Dies ist der Borussia Dortmund Geschäftsführungs GmbH vorbehalten, die dem Fußballverein BVB gehört.

Siegesserie kann zu Meisterehren führen

Immerhin haben mehrere Kapitalerhöhungen und ein Kreditvertrag mit der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley für eine gesündere Kapitalstruktur gesorgt. „Es gibt in Deutschland kaum solider finanzierte Fußballvereine“, sagt Pierre Drach, Aktienanalyst von Independent Research. „Die teilweise obskuren Geschäftsgebaren der Vergangenheit wird es bei Borussia Dortmund in Zukunft wohl nicht mehr geben.“ Drach sieht die Aktie derzeit fair bewertet, traut ihr sogar ein Aufwärtspotential von bis zu 15 Prozent zu. „Das Papier bleibt aber wegen diverser Unsicherheiten nur etwas für spekulative Anleger.“

So kann ein Fußballverein nie ausschließen, sportlich Misserfolg zu haben, im Ernstfall sogar abzusteigen. Derzeit trennen Dortmund von den Abstiegsplätzen lediglich 5 Punkte. Auch können sich wichtige Spieler verletzen oder sich teuer eingekaufte Spieler als weniger wertvoll erweisen. Gleichwohl ist das Szenario auch umgekehrt vorstellbar. Eine phantastische Siegesserie kann zu Meisterehren führen, und aus der Jugendabteilung können neue Nationalspieler hervorgehen.

Die Aktie von Lazio Rom ist fast wertlos

„Aus Börsensicht ist von Fußballaktien nichts zu halten“, sagt Klaus Kränzle, Analyst bei GSC Research. „Sie sind etwas für Fans, um sie sich über das Bett zu hängen.“ Der Anblick wird bei italienischen Anhängern derzeit wohl zu Albträumen führen. Der Schiedsrichter-Bestechungsskandal sorgte für den Zwangsabstieg von Juventus Turin mitsamt ihrer Aktie.

Lazio Rom kam zwar nach mehrfacher Revision vor Gericht mit einem deftigen Punktabzug für die neue Saison davon, leidet aber seit Jahren unter gewalttätigen Fans. Der Verband verhängte bereits mehrfach Platzsperren gegen Lazio und ließ Spiele unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Aktie ist fast wertlos.

Quelle: F.A.Z., 16.02.2007, Nr. 40 / Seite 19
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