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Veröffentlicht: 15.06.2015, 08:37 Uhr

Gastbeitrag von Peter Beuth Sportwetten neu regeln!

Laut Glücksspielstaatsvertrag darf derzeit überhaupt keiner und dürfen zukünftig in Deutschland nur 20 Unternehmen Sportwetten anbieten. Die Länder befinden sich in einer Sackgasse. Ein Gastbeitrag des hessischen Innenministers.

von Peter Beuth
© dpa Die Wettbüros rätseln: Wer wird 2016 Deutscher Meister?

Bayern München: 1,12. Eintracht Frankfurt: 250. Darmstadt 98: 1500. So lauten Wettquoten auf die nächste Bundesligasaison im Fußball. Für jeden eingesetzten Euro gibt es je nach Meistertipp zwischen einem Euro und zwölf Cent oder sogar 1500 Euro vom Anbieter zurück - im Fall der Fälle. Tatsache ist: Es geht um viel Geld auf dem deutschen Sportwettenmarkt. Wahr ist auch: Es besteht hierzulande eine große Nachfrage. Und Faktum Nummer drei besagt: Zurzeit darf eigentlich überhaupt keiner und zukünftig dürfen in Deutschland nur 20 Unternehmen Sportwetten anbieten.

Das ist die Zahl, auf die sich die Länderchefs im sogenannten Glücksspielstaatsvertrag geeinigt haben. Sieben Jahre sollte der Experimentierzeitraum dauern. Aber die unterlegenen Anbieter wehren sich mit einer Klagewelle gegen dieses Experiment. Kritiker der Deckelung der Konzessionsvergabe und nicht zuletzt die Gerichte geben ihnen immer wieder recht. Beide stellen dabei eine Frage: Warum 20?

Sucht- und Schwarzmarktbekämpfung

Rund 80 Anbieter bewarben sich um eine deutsche Konzession. Rund 100 betreiben derzeit (formell illegale) Internetseiten, 39 führen sogar Steuern an das Finanzamt ab - ohne es zu müssen und ohne an Maßnahmen zum Spielerschutz gebunden zu sein. Als Vertreter Hessens, das von allen Bundesländern mit der Vergabe der Konzessionen beauftragt ist, stelle ich fest: Wir, die Länder, befinden uns zurzeit in einer Sackgasse, aus der wir uns nur gegenseitig wieder raushelfen können.

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Die Maßstäbe des Glücksspielstaatsvertrages formulieren Ziele, denen nur schwer widersprochen werden kann. Es geht um Suchtbekämpfung, Jugendschutz oder Schwarzmarktbekämpfung. Aber mit der Zahl 20 lassen sich diese wichtigen Ziele nicht schlüssiger erreichen als mit einer anderen. Die Lösung dieses Dilemmas liegt nicht in einer quantitativen, sondern in einer qualitativen Konzessionierung. Will heißen: Wer sich an die Regeln hält, darf auch Sportwetten anbieten. Entscheidend ist dann nicht, wie viele Unternehmen Sportwetten in Deutschland anbieten, sondern wie gut die Anbieter die Schutzauflagen erfüllen.

Drei Jahre Testphase reichen aus, um festzustellen: Das jetzige Konzessionsverfahren, ja der Glücksspielstaatsvertrag selbst, muss geändert werden. Casino- und Pokerspiele im Internet oder eine bundesweite und spielformübergreifende Sperrdatei: Es herrscht an vielen Stellen dringender Handlungsbedarf. Hessen bereitet den Weg, dem die Ministerpräsidenten im Sinne der Ziele des Staatsvertrages und im Interesse der Steuerzahler spielend folgen können.

Peter Beuth ist Minister des Innern sowie für Sport in Hessen und im Auftrag aller Bundesländer federführend bei der Konzessionsvergabe an Sportwettenanbieter.

Saartoto und der Sport

Einzelne Landesverbände unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bundes, die eng mit staatlichen Lottogesellschaften kooperieren, wollen derzeit in der ungeklärten Rechtslage um die misslungene Vergabe der Sportwetten-Konzessionen (siehe Beitrag oben) ihren Klubs Werbepartnerschaften mit privaten Wettanbietern verbieten. Der Saarländische Fußballverband (SFV) bezeichnet es in einem Schreiben an seine Vereine, das dieser Zeitung vorliegt, als „unanständig“, für private Anbieter zu werben.

Zudem wird mit finanziellen Konsequenzen bei der Förderung gedroht. Wichtiger Sponsor des SFV ist Saartoto, zu dessen Gesellschaftern der Landessportbund für das Saarland gehört. Der Deutsche Sportwettenverband spricht vom Versuch der Lottofürsten von der Saar, den regionalen Fußball „in Geiselhaft“ zu nehmen. „Im Saarland, wo ein alter Filz zwischen Saartoto und Sportfunktionären besteht, soll legitimer Wettbewerb durch illegitime, subtile Einflussnahme unterbunden werden.“ Der SFV wollte auf Anfrage keine Stellung beziehen. (ash.)

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