05.06.2009 · In den Stadien hinterlässt die Wirtschaftsflaute deutliche Spuren. In drei der fünf führenden europäischen Fußball-Ligen kamen in der abgelaufenen Saison weniger Besucher. Zugleich sind die Spieler-Gehälter nach oben geschnellt. Besonders fragil ist die Situation der englischen Premier League.
Von Marcus Theurer, LondonDen Spielern von Manchester United ist die Krise auf die Brust geschrieben. Weiß leuchtet auf den feuerroten Trikots des englischen Spitzenclubs der Schriftzug des amerikanischen Versicherungsriesen AIG, dessen Beinahepleite vergangenen Herbst das Weltfinanzsystem erbeben ließ. Bei "ManU" ist die Krise trotzdem noch nicht angekommen. Diese Woche präsentierte der Zweitplazierte der diesjährigen Saison in der Fußball-Champions-League einen mehr als adäquaten Ersatz für AIG: Ab dem nächsten Jahr wird der Versicherungsmakler Aon Trikotsponsor und bezahlt dafür die geschätzte Rekordsumme von 25 Millionen Pfund (rund 28 Millionen Euro) pro Saison - fünf Millionen mehr als bisher AIG.
Doch solche Jubelmeldungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die europäischen Fußballvereine in die wirtschaftlich schwierigste Spielzeit seit Jahren gehen. Den Clubs stehe wegen der Rezession ein „Härtetest“ bevor, warnt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in der neuen Ausgabe ihrer jährlichen Studie zum europäischen Fußballmarkt. Die Einnahmen der Fußballvereine stünden unter Druck, während Spielergehälter und andere Kosten in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen seien.
In den Stadien hinterlässt der Wirtschaftsabschwung bereits deutliche Spuren. Drei der fünf führenden europäischen Fußball-Ligen verzeichneten in der gerade zu Ende gegangenen Saison 2008/2009 rückläufige Besucherzahlen: In der deutschen Bundesliga kamen zwar dank vieler neuer Stadien trotz Rezession im Schnitt fast 8 Prozent mehr Besucher pro Spiel. Auch die italienische Serie A lockte laut Deloitte mehr Fans auf die Tribünen. Doch in England, Frankreich und Spanien waren die Spiele schlechter besucht.
Chelsea, Liverpool und Manchester United erwirtschaften hohe Verluste
Zugleich sind die Gehälter der Spieler in allen großen Fußball-Ländern nach oben geschnellt. Besonders fragil ist die wirtschaftliche Situation der englischen Premier League. In der umsatzstärksten Fußball-Liga der Welt haben sich die Einkommen der Spieler seit Mitte der neunziger Jahre auf rund 1,5 Milliarden Euro pro Saison mehr als verfünffacht. Sie sind damit gut doppelt so hoch wie in der Bundesliga. Doch die Premier League ist stark vom Wohlwollen reicher Clubeigner abhängig.
Im vergangenen Geschäftsjahr haben von den vier Spitzenvereinen des Landes - Arsenal, Chelsea, Liverpool und Manchester United - drei hohe Verluste erwirtschaftet. Nur Arsenal war profitabel. Die Finanzlöcher werden durch steigende Schulden und Geldspritzen der Eigentümer ausgeglichen. In Chelsea hat der russische Milliardär Roman Abramowitsch, der von der Finanzkrise in den vergangenen Monaten heftig gebeutelt wurde, allein in den fünf Jahren bis Sommer 2008 insgesamt 760 Millionen Pfund investiert. Die Premier League zieht noch immer potente Geldgeber aus dem Ausland an. Manchester City wird seit dem vergangenen Herbst von dem arabischen Scheich Mansour, einem Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi, kontrolliert.
Trotz der ungewissen wirtschaftlichen Aussichten - bisher haben sich die großen europäischen Fußball-Ligen in der Krise insgesamt behauptet. Nach der Untersuchung von Deloitte legten in Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich die Umsätze in der Saison 2008/2009 weiter zu (siehe Grafik). Auch die Premier League hat, zumindest bereingt um den Wertverlust der britischen Währung, steigende Einnahmen verbucht. Für Stabilität in der Rezession sorgen die Einnahmen aus Fernsehübertragungen, die in allen Ländern wichtigste Einnahmequelle sind. Auch hier sind die britischen Spitzenclubs den deutschen Vereinen in den vergangengen Jahren weit enteilt. Nach Berechnungen von Deloitte waren die Fernseheinnahmen der Premier League in der Saison 2007/2008 mit fast 1,2 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie die der Bundesliga.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1. FC Köln | 20 | -11 | 24 | ![]() |
| 12. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 13. | ![]() |
Hamburger SV | 20 | -9 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 20 | -12 | 21 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 20 | -14 | 17 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |