http://www.faz.net/-gtl-75cjn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 27.12.2012, 10:18 Uhr

Fußballerische Sowjetunion Russland plant die „Superliga“

Im osteuropäischen Fußball reift ein spektakulärer Plan heran: Mit einer länderübergreifenden Liga soll die Sowjetunion wieder auferstehen - zumindest auf dem Platz. Dahinter stehen oft Oligarchen mit eindeutigen Geschäftsinteressen.

© dpa Die Spieler von Anschi spielen in Machatschkala und trainieren in Moskau - bald könnten sie noch mehr reisen

ZSKA Moskau gegen Dynamo Kiew und Bate Borissow gegen Zenit St. Petersburg: Ein Hauch der früheren Sowjetunion soll schon bald den osteuropäischen Fußball durcheinanderwirbeln. Mit einer gemeinsamen „Superliga“ wollen Vertreter russischer und ukrainischer Spitzenklubs ihre Vereine fit für den Angriff auf Europas Fußballthron machen.

„Das wird einer der stärksten Wettbewerbe in Europa, deshalb wird jeder Spieler gerne in diesem prestigeträchtigen Turnier mitspielen wollen“, sagt Waleri Gassajew, Präsident und Trainer des russischen Erstligavereins Alania Wladikawkas.

Mehr zum Thema

Der frühere Coach der russischen Nationalelf soll an der Spitze einer Arbeitsgruppe die geplante neue Liga vorbereiten. Sein eigener Klub hat allerdings schlechte Chancen auf eine Teilnahme, Alania dümpelt derzeit am Tabellenende herum.

Vielmehr soll es ein Elitewettbewerb werden für die Klubs, die schon jetzt die Premier Liga dominieren: Meister Zenit St. Petersburg mit seinem staatlichen Großsponsor Gazprom, der einstige Armeeklub ZSKA Moskau und der neureiche Kaukasus-Verein Anschi Machatschkala um Trainer Guus Hiddink und Superstar Samuel Eto’o sind die größten Anhänger des Projekts.

Nutznießer sind auch die Oligarchen der Klubs

Hinzu kommen ehrgeizige ukrainische Topvereine wie Schachtjor Donezk und Rekordmeister Dynamo Kiew, die den Titel regelmäßig unter sich ausmachen. Aus Weißrussland hat bereits Seriensieger Bate Borissow Interesse bekundet. Alle eint, dass sie keine Lust mehr auf Spiele gegen Provinzklubs haben, vor wenigen Fans in maroden Stadien. Gerne verweisen Befürworter auf Beispiele etwa im Eishockey, wo es mit der Kontinentalen Hockey-Liga KHL einen länderübergreifenden Wettbewerb in Osteuropa gibt.

Nutznießer wären auch milliardenschwere Klub-Eigentümer wie die Oligarchen Rinat Achmetow (Schachtjor) und Sulejman Kerimow (Anschi). Von der „Sowjetliga“ erhoffen sie sich noch mehr Einnahmen - durch höhere Zuschauerzahlen und TV-Gelder.

Vereine wie Zenit sollen in der „Superliga“ noch mehr aufblühen - auch finanziell © REUTERS Vergrößern Vereine wie Zenit sollen in der „Superliga“ noch mehr aufblühen - auch finanziell

Fitmachen wollen sich Zenit, Anschi und Co. zudem für Duelle mit westeuropäischen Teams wie dem FC Barcelona, Manchester United oder Paris St. Germain. Derzeit haben die Osteuropäer meist das Nachsehen. Russlands Meister Zenit sowie Traditionsklub Spartak Moskau scheiterten in der Champions League schon in der Vorrunde.

Auch der russische Ligachef Sergej Prjadkin ist von dem Projekt überzeugt - und geht damit auf Konfrontationskurs zu Verbandspräsident Nikolai Tolstych, der gerne beim Status quo bleiben würde. Denn ohne Zugpferde wie Zenit oder ZSKA wäre die Liga im Ausrichterland der Weltmeisterschaft 2018 ihre Attraktionen los.

Und am Ende muss auch die Uefa zustimmen

Doch den Spitzenteams geht es eben um die Unabhängigkeit vom Verband. Gazprom-Chef Alexej Miller zeigte sich geradezu beleidigt, als „sein“ Klub Zenit nach einer Knallkörperattacke Petersburger Fans auf den Torwart von Dynamo Moskau bestraft wurde. Mit einer eigenen Liga kann Miller seinen Gegnern im Verband kräftig eins auswischen.

Nun geht es vor allem um den Aufbau der neuen Liga: Welches Land darf wie viele Teilnehmer stellen? Wie werden Auf- und Abstieg geregelt? Vor allem in Russland dürfte das Rennen um die Plätze eng werden - denjenigen, die draußenbleiben müssen, drohen hohe Einbußen. Doch ganz gleich, wie diese Fragen entschieden werden: Damit die „Superliga“ an den Start gehen kann, muss noch die Europäische Fußball-Union Uefa zustimmen.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Basketball-Euroleague Im Rausch der großen Würfe

Das Final Four in Berlin bot großen Sport. Nach dem Sieg von ZSKA Moskau in der Basketball-Euroleague wollen die Top-Klubs in Europa dem Vorbild der NBA nacheifern. Mehr Von Michael Reinsch, Berlin

17.05.2016, 11:30 Uhr | Sport
Sowjetische Arbeitslager Das Gulag-Museum in Moskau

In der russischen Hauptstadt Moskau hat ein Museum eröffnet, dass sich dem Grauen der sowjetischen Arbeitslager, der sogenannten Gulags, widmet. Die Verbrechen der Sowjet-Zeit werden im heutigen Russland nicht mehr geleugnet, doch unter Wladimir Putin werden Stalins Sieg über Nazi-Deutschland und seine Verdienste um die Industrialisierung stärker in den Vordergrund gerückt. Umso wichtiger ist das Museum, sagen Besucher. Mehr

06.05.2016, 07:50 Uhr | Feuilleton
Eishockey-WM Für solche Momente spielen wir

In Russland gegen Russland - größere Herausforderungen bietet das Eishockey kaum. Das deutsche Team wird vor dem WM-Viertelfinale aber von Sorgen geplagt. Mehr Von Marc Heinrich

19.05.2016, 16:17 Uhr | Sport
Riesige Militärparade Tag des Sieges in Moskau

Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau eröffnet. Truppen marschierten entlang der Ehrentribüne, und schwere Militärtechnik wurde demonstrativ zur Feier des Tages vorgeführt. Wie jedes Jahr am 9. Mai wird in Russland ganz offiziell der Tag des Sieges über Hitler und Nazi-Deutschland gefeiert. Vor 71 Jahren war es hier in Moskau bereits der 9. Mai, als in Berlin die Kapitulation des Nazi-Regimes unterschrieben wurde. Mehr

09.05.2016, 19:09 Uhr | Politik
Ukraine-Konflikt Merkel telefoniert mit Putin und Poroschenko

Noch immer wird in der Ostukraine gekämpft. Nun reden die Präsidenten Russlands und der Ukraine mal wieder miteinander, denn im Krisengebiet soll gewählt werden. Mehr

24.05.2016, 05:41 Uhr | Politik
Umfrage

Wie weit kommt das DFB-Team bei der EM 2016?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Ein Spiel auf Zeit

Von Anno Hecker

Doping-Kontrollen müssen vollkommen frei sein von Einflüssen des Sports und der Politik. Das ist nicht mal in Deutschland der Fall. Die Einsicht kommt zu spät. Zumindest für Rio. Mehr 6 9