Home
http://www.faz.net/-gtm-75cjn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fußballerische Sowjetunion Russland plant die „Superliga“

Im osteuropäischen Fußball reift ein spektakulärer Plan heran: Mit einer länderübergreifenden Liga soll die Sowjetunion wieder auferstehen - zumindest auf dem Platz. Dahinter stehen oft Oligarchen mit eindeutigen Geschäftsinteressen.

© dpa Vergrößern Die Spieler von Anschi spielen in Machatschkala und trainieren in Moskau - bald könnten sie noch mehr reisen

ZSKA Moskau gegen Dynamo Kiew und Bate Borissow gegen Zenit St. Petersburg: Ein Hauch der früheren Sowjetunion soll schon bald den osteuropäischen Fußball durcheinanderwirbeln. Mit einer gemeinsamen „Superliga“ wollen Vertreter russischer und ukrainischer Spitzenklubs ihre Vereine fit für den Angriff auf Europas Fußballthron machen.

„Das wird einer der stärksten Wettbewerbe in Europa, deshalb wird jeder Spieler gerne in diesem prestigeträchtigen Turnier mitspielen wollen“, sagt Waleri Gassajew, Präsident und Trainer des russischen Erstligavereins Alania Wladikawkas.

Mehr zum Thema

Der frühere Coach der russischen Nationalelf soll an der Spitze einer Arbeitsgruppe die geplante neue Liga vorbereiten. Sein eigener Klub hat allerdings schlechte Chancen auf eine Teilnahme, Alania dümpelt derzeit am Tabellenende herum.

Vielmehr soll es ein Elitewettbewerb werden für die Klubs, die schon jetzt die Premier Liga dominieren: Meister Zenit St. Petersburg mit seinem staatlichen Großsponsor Gazprom, der einstige Armeeklub ZSKA Moskau und der neureiche Kaukasus-Verein Anschi Machatschkala um Trainer Guus Hiddink und Superstar Samuel Eto’o sind die größten Anhänger des Projekts.

Nutznießer sind auch die Oligarchen der Klubs

Hinzu kommen ehrgeizige ukrainische Topvereine wie Schachtjor Donezk und Rekordmeister Dynamo Kiew, die den Titel regelmäßig unter sich ausmachen. Aus Weißrussland hat bereits Seriensieger Bate Borissow Interesse bekundet. Alle eint, dass sie keine Lust mehr auf Spiele gegen Provinzklubs haben, vor wenigen Fans in maroden Stadien. Gerne verweisen Befürworter auf Beispiele etwa im Eishockey, wo es mit der Kontinentalen Hockey-Liga KHL einen länderübergreifenden Wettbewerb in Osteuropa gibt.

Nutznießer wären auch milliardenschwere Klub-Eigentümer wie die Oligarchen Rinat Achmetow (Schachtjor) und Sulejman Kerimow (Anschi). Von der „Sowjetliga“ erhoffen sie sich noch mehr Einnahmen - durch höhere Zuschauerzahlen und TV-Gelder.

Vereine wie Zenit sollen in der „Superliga“ noch mehr aufblühen - auch finanziell © REUTERS Vergrößern Vereine wie Zenit sollen in der „Superliga“ noch mehr aufblühen - auch finanziell

Fitmachen wollen sich Zenit, Anschi und Co. zudem für Duelle mit westeuropäischen Teams wie dem FC Barcelona, Manchester United oder Paris St. Germain. Derzeit haben die Osteuropäer meist das Nachsehen. Russlands Meister Zenit sowie Traditionsklub Spartak Moskau scheiterten in der Champions League schon in der Vorrunde.

Auch der russische Ligachef Sergej Prjadkin ist von dem Projekt überzeugt - und geht damit auf Konfrontationskurs zu Verbandspräsident Nikolai Tolstych, der gerne beim Status quo bleiben würde. Denn ohne Zugpferde wie Zenit oder ZSKA wäre die Liga im Ausrichterland der Weltmeisterschaft 2018 ihre Attraktionen los.

Und am Ende muss auch die Uefa zustimmen

Doch den Spitzenteams geht es eben um die Unabhängigkeit vom Verband. Gazprom-Chef Alexej Miller zeigte sich geradezu beleidigt, als „sein“ Klub Zenit nach einer Knallkörperattacke Petersburger Fans auf den Torwart von Dynamo Moskau bestraft wurde. Mit einer eigenen Liga kann Miller seinen Gegnern im Verband kräftig eins auswischen.

Nun geht es vor allem um den Aufbau der neuen Liga: Welches Land darf wie viele Teilnehmer stellen? Wie werden Auf- und Abstieg geregelt? Vor allem in Russland dürfte das Rennen um die Plätze eng werden - denjenigen, die draußenbleiben müssen, drohen hohe Einbußen. Doch ganz gleich, wie diese Fragen entschieden werden: Damit die „Superliga“ an den Start gehen kann, muss noch die Europäische Fußball-Union Uefa zustimmen.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nordkorea Kim Jong-un besucht Moskau

Es ist der erste Staatsbesuch des Diktators seit seiner Machtübernahme im Jahr 2011: Kim Jong-un fährt nach Moskau, um dort mit Putin das Ende des Zweiten Weltkrieges zu feiern. Mehr

28.01.2015, 05:03 Uhr | Politik
Kiew meldet russische Truppen in Ukraine

Nach Angaben der ukrainischen Regierung gibt es russische Truppenbewegungen auf ukrainischem Boden. Premierminister Arseni Jazenjuk sagte, Russland habe Panzern und Truppen geschickt, russische Soldaten seien bereits auf ukrainischem Grund. Mehr

28.08.2014, 15:05 Uhr | Politik
Aufrüstung Russland will Truppen verstärken

Verteidigungsminister Schoigu will die Modernisierung der russischen Armee bis 2020 weiter vorantreiben. Als Grund dafür gibt führt er die sicherpolitische Lage rund um Russland an. Im Donbass toben derweil heftige Gefechte. Mehr

30.01.2015, 11:58 Uhr | Politik
Champions League Leverkusen will gegen St. Petersburg gewinnen

Gruppenspiel Nummer drei für deutsche Werkself in der Champions League. Noch ist Bayer 04 in der Gruppe auf Platz drei. Der Gegner heißt Zenit St. Petersburg. Mehr

22.10.2014, 12:05 Uhr | Sport
Identität einer Nation Die Ukraine wird sowjetisch - von innen

Patriotischer Geschichtsunterricht und militärische Früherziehung für die Kleinen sind im Kommen, Ausbildung an der Waffe ist eingeschlossen. Wie die Ukraine ihre Identität sucht. Mehr Von Joseph Croitoru

24.01.2015, 14:00 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 27.12.2012, 10:18 Uhr

Umfrage

Wo landet der BVB am Saisonende?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Probleme mit der Potenza

Von Anno Hecker

Ferrari sieht in der Vergangenheit der Formel 1 ihre Zukunft: Wieder ordentlicher Krach, fette Reifen, ein großer starker, aber eher simpler Motor. Das hört sich gut an. Es klingt aber auch nach einer großen Sorge. Mehr