20.10.2008 · Mehrere tausend Bauarbeiter sind täglich im Einsatz, damit in Südafrika rechtzeitig zwölf neue Stadien für die Fußball-WM 2010 entstehen. Die Einzelteile kommen aus der ganzen Welt - doch die Arbeitsweise vor Ort ist südafrikanisch.
Von Claudia Bröll, JohannesburgIn etwa 600 Tagen werden sich Hunderte Fernsehkameras auf ein Stück Grün in der Mitte des Soccer-City-Stadions in Johannesburg richten. Die Welt wird die Eröffnung der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent am Bildschirm mitverfolgen. An dieser bald viel gefilmten Stelle steht heute noch ein rosa angemalter Baucontainer aus Wellblech.
Der Boden ist so braun wie die Geröllhalden der Goldminen um das Stadion herum. Einige Transporter parken im Schatten des Containers, Stahlteile liegen verstreut. Ein Blick nach oben jedoch lässt bereits erahnen, dass hier bald ein Großereignis stattfinden soll. Mehr als 20 Meter hoch ragen die Betontribünen in den tiefblauen Himmel. Wie die Gräten eines riesigen Fischskeletts wölben sich die Stahlstützen des künftigen Dachs darüber.
„In zwei Monaten fangen wir an, den Rasen zu säen“
Als müssten die Südafrikaner all die Zweifler an ihren WM-Vorbereitungen eines Besseren belehren, haben sie teils sogar schon die orangefarbenen Plastiksitze montiert. Insgesamt 96.000 Menschen sollen dort Platz nehmen, wenn das Stadion voll ist. „Alles läuft nach Plan. Was den Stadienbau angeht, kann fast nichts mehr dazwischenkommen“, erklärt Steven Wilbrenninck. „In zwei Monaten fangen wir an, den Rasen zu säen.“
Der Holländer ist Geschäftsführer der HBM Stadien- und Sportstättenbau, die in Deutschland unter anderem die Arena Auf Schalke gebaut hat. In einem Gemeinschaftsunternehmen mit einer südafrikanischen Baufirma soll HBM das in die Jahre gekommene Fußballstadion nahe dem einstigen Township Soweto in ein WM-taugliches Prestigeobjekt verwandeln. Faktisch bedeutet das einen kompletten Neubau. „Ein Jahr vor der Weltmeisterschaft werden wir fertig sein. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel“, sagt Wilbrenninck.
Mittlerweile sind auch Blatters Zweifel beseitigt
Bei den Südafrikanern und den ausländischen Unternehmensvertretern wirkt der Schreck von vor einigen Monaten noch nach. Weil das Dach aus Kuweit nicht pünktlich geliefert werden konnte, verzögerten sich die Bauarbeiten am WM-Stadion in Port Elizabeth. Kurzerhand entzog die Fifa dem Stadion die Teilnahme am Confederation Cup 2009. Fifa-Präsident Sepp Blatter drohte damals mit einem Plan B, falls Südafrika die Vorbereitungen nicht stemmen könne.
Mittlerweile scheinen die Zweifel jedoch beseitigt. Beim jüngsten Besuch zeigte sich Blatter begeistert von allen Stadien. In Südafrika zumindest geht niemand mehr davon aus, dass irgendjemand dem Land das Sportereignis noch nehmen kann. Derzeit werden zwölf hochmoderne WM-Arenen gebaut - selten zuvor gab es gleichzeitig so viele Großbaustellen im Land.
Hamburger Büro entwirft Pläne für gleich drei Stadien
Das Land, das einige für entwicklungshilfebedürftig halten, investiert Milliardensummen. Allein das Soccer-City-Stadion schlägt mit umgerechnet 240 Millionen Euro zu Buche. Die WM bedeutet nicht nur für die heimische Bauwirtschaft einen Auftragsboom, auch ausländische Unternehmen profitieren davon. Für das Soccer-City-Stadion etwa kommt das Dach aus Italien, das Dachmembran aus Deutschland, die Fassadenverkleidung aus Österreich und die Sitze aus England.
Einen der prestigeträchtigsten Aufträge hat sich das deutsche Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner gesichert (gmp). Das Hamburger Unternehmen, das auch in mehreren Stadionbauten zur Weltmeisterschaft in Deutschland involviert war, lieferte die Entwürfe gleich für drei Stadien, darunter das malerisch zwischen Tafelberg und Meer gelegene Greenpoint-Stadion in Kapstadt. Die Leiterin des Standorts Südafrika bei gmp, Michele Rüegg, ist ähnlich wie ihr Kollege in Soccer-City kaum im Optimismus zu bremsen.
Südafrikas Baubranche nicht gerüstet für Großprojekte
Auch wenn sich der Start der Bauarbeiten in Kapstadt anfangs um drei Monate verzögerte, weil die Anwohner gegen den Bau mitten in der Stadt protestiert hatten, sei mittlerweile alles im Zeitplan. Die Arena werde pünktlich fertig. „Wir kriegen das auf jeden Fall hin“, sagt die Schweizerin. Derzeit sieht die Stadionbaustelle noch aus wie ein riesiges Ufo, das versehentlich in der Stadt gelandet ist. In schwindelerregender Höhe montieren die Arbeiter derzeit das Dach. Dies ist ein so schwieriges Unterfangen, dass ein Jahr dafür einkalkuliert wird.
In Südafrika ein Stadion zu bauen sei eine besondere Herausforderung, erzählen die beiden Fachleute. Die heimische Branche hat kaum Erfahrung mit solchen Großprojekten und sei auch nicht dafür ausgerüstet. Daher muss der Großteil der Geräte wie Raupenkräne aus dem Ausland herbeigeschafft werden. Etliche Baumaterialien, die man in Deutschland fertig kaufen kann, müssen eigens auf der Baustelle gefertigt werden. Weil in Südafrika kaum Arbeiter zu finden sind, die auf Betonstützen in solchen Höhen arbeiten können, kam ein Spezialistentrupp aus der Schweiz ans Kap.
„Hier wird anders gearbeitet. Die Produktivität ist geringer“
Der auffälligste Unterschied aber sind die Massen von Arbeitern auf den Gerüsten und Betonstufen. 2500 Arbeiter werkeln am Soccer-City-Stadion mit, ebenso viele sind es in Kapstadt, darunter mehrere hundert Frauen. Der Großteil der Beschäftigten ist unqualifiziert. In Deutschland würde man vermutlich mit halb so vielen Leuten arbeiten, sagt Wilbrenninck. „Hier wird anders gearbeitet. Die Produktivität ist geringer. Außerdem soll die WM bewusst genutzt werden, um die Menschen auszubilden.“
Am Soccer-City-Stadion wurde daher extra eine Schule angemietet. Das von Fachkräftemangel geplagte Südafrika wird sich nach der WM sicher nicht über das Angebot an Baufachleuten beklagen können. „Es ist eine großartige Chance für mich“, erzählt Nelly Baladzi. Die 29 Jahre alte, eher zierliche schwarze Frau arbeitet als Maurerin an Soccer-City mit. „Ich lerne hier viel Neues. Das wird mir sicher später helfen, weitere Jobs zu bekommen.“
„Wir werden der Welt zeigen, dass wir es schaffen“
Die Löhne liegen bei diesen Beschäftigtenzahlen freilich weit unter europäischem Niveau. HBM setzt die Kosten für eine Mann-Stunde mit 2,90 Euro an, auf den Lohn entfällt davon nur ein Teil. Ungeachtet dessen sind die Jobs auf den WM-Baustellen heiß begehrt. Nicht nur schätzt man die Arbeitslosigkeit in Südafrika auf 30 bis 40 Prozent. Auch verdienen Arbeiter, vor allem Ungelernte, anderswo nicht besser. Entsprechend hart wird gearbeitet. Vom oft beklagten afrikanischen Schlendrian könne keine Rede sein, sagt Wilbrenninck. An drei von vier Samstagen im Monat herrsche Hochbetrieb auf der Baustelle.
Es ist vor allem der Stolz, an der ersten Fußball-WM auf afrikanischem Boden mitbauen zu dürfen, der anstachelt. Auf den Baustellen tragen die Arbeiter eigens für die Stadien entworfene Overalls. Die Anzüge haben sich zu einem Statussymbol entwickelt. Selbst nach Feierabend und am Wochenende sieht man sie auf den Straßen. Angesichts dieser Begeisterung reagiert Nelly Baladzi auf die Frage, ob sie fußballinteressiert sei, verständnislos: „Natürlich bin ich das. Wir alle sind das. Und wir sind stolz, dass wir die WM ausrichten können. Wir werden der Welt zeigen, dass wir es schaffen.“
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |