20.01.2010 · Das bescheidene Reise-Interesse zur WM in Südafrika könnte zu einer Reihe von Spielen in halbleeren Stadien führen. Auch in Deutschland sind die Tickets kaum gefragt. Die Gründe für die Zurückhaltung der Fans liegen auf der Hand.
Von Roland ZornZur Fußball-Weltmeisterschaft nach Südafrika zu reisen, ist teuer. Ob das große Sommerfest zur Winterzeit am Kap wenigstens ein teures Vergnügen wird, ist dazu noch nicht ausgemacht. Andererseits: So viele Deutsche drängt es nicht an den WM-Schauplatz dieses Jahres. Das erhellte am Dienstag eine bemerkenswerte Zahlenkorrektur, zu der sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) veranlasst sah, nachdem der Internationale Fußball-Verband (Fifa), daran gewöhnt, in größeren Dimensionen zu denken, eindrucksvoller anmutende Ziffern bekanntgegeben hatte.
Die Fifa teilte den Deutschen nach der zum 13. Januar ausgelaufenen Verkaufsphase für Anhänger der 32 beteiligten Mannschaften gleich 6750 Karten zu; der DFB kam beim Addieren der Bestellungen für die drei Vorrundenspiele mit deutscher Beteiligung nur auf 1916 Tickets - von 21.000 möglichen Billetts. Der DFB selbst orderte weitere 1400 Karten für seine sogenannte Fußballfamilie - Angehörige der Spieler zum Beispiel oder Vereinstrainer.
Spiele in halbleeren Stadien?
Die Kennzahl 21.000 errechnet sich aus dem jeweils zwölfprozentigen Kartenkontingent, das den an der WM beteiligten Verbänden für ihre Gruppenspiele zusteht. Deutschland spielt in Durban gegen Australien (13. Juni), in Port Elizabeth gegen Serbien (18. Juni) und im Soccer-City-Stadion von Johannesburg gegen Ghana (23. Juni). Macht, übertragen auf die jeweilige Stadionkapazität, 21.000 Tickets, die deutschen Fans zustünden. Nach dem bis jetzt bescheidenen Interesse an Reisen zur ersten Weltmeisterschaft in Afrika drohen der Fifa als Veranstalterin und Südafrika als Ausrichterland eine Reihe von Spielen in halbleeren Stadien. Von den 3.044.573 Eintrittskarten, die insgesamt für das Turnier vom 11. Juni bis zum 11. Juli mit 64 Begegnungen in neun Städten und zehn Stadien gedruckt werden, sind bisher erst knapp eine Million Tickets abgesetzt worden.
Nicht nur in Deutschland, auch in fast allen anderen europäischen Ländern läuft der Kartenhandel schleppend - mit Ausnahme von England, dem fußballbegeisterten Mutterland dieses weltweit populärsten Sports. „Das macht mich nachdenklich“, kommentierte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Dienstag die schwache Zwischenbilanz beim WM-Kartenverkauf und bot sogleich eine Art Vertrauensvorschuss an. „Wir müssen“, sagte Zwanziger, „die Monate bis zur WM für Vertrauenswerbung nutzen. Wir tun das nicht für unsere Mannschaft, sondern in erster Linie für die Südafrikaner.“
Sicherheit, teure Inlandsflüge, üppige Hotelpreise
Selbst wenn die Neugier, an der WM im Lande selbst Anteil zu nehmen, noch sprunghaft stiege, wäre der Weg nach Johannesburg oder Kapstadt noch immer nicht problemlos geebnet. Die Lufthansa und South African Airlines, die vom Frankfurter Rhein-Main-Flughafen aus täglich nach Südafrika fliegen, sind für die Zeit der WM weitgehend ausgebucht. Dazu ist der Preis für eine Reise zur WM bei rund 1450 Euro für die Economy-Klasse recht ansehnlich.
Auch die Reisearrangements, die vier von der Fifa lizenzierte Reiseunternehmen (Dertour, Vietentours, Passion Southafrica und Thomas Cook Reisen) aufrufen, sind kein Fall für Schnäppchenjäger. Um die 3000 Euro kostet etwa bei Vietentours ein knapp einwöchiges Arrangement inklusive des ersten deutschen Spiels gegen Australien.
Sicherheitsbedenken, der südafrikanische Winter mit Abendtemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt in Städten wie Johannesburg, Pretoria oder Bloemfontein, zusätzliche Kosten für südafrikanische Inlandsflüge, teils üppige Hotelpreise - all das summiert sich in Zeiten der Weltwirtschaftskrise zu einer Zurückhaltung beim Konsumenten, mit der die Fifa und das örtliche Organisationskomitee (LOC) wohl nicht gerechnet haben. Die Fifa, die mit üppigen Festeinnahmen aus Fernseh- und Marketinggeldern kalkuliert, subventioniert schon bisher das LOC (die Rede ist von Ausgleichszahlungen bis zu 200 Millionen Dollar), dessen inzwischen erschütterte Hoffnungen auf einem WM-Überschuss aus den ihm zustehenden Beträgen des Kartenverkaufs ruhten.
Niersbach: Gemeldete Zahlen sind „normal“
Beim DFB wird der vorläufige WM-Kartensaldo als nicht so dramatisch eingeschätzt. Einerseits hätten in den ersten zwei offenen Verkaufsphasen nach Fifa-Angaben 25.050 Tickets an Fans deutscher Nationalität abgesetzt werden können; zudem sei in der dritten, bis zum 22. Januar reichenden Verkaufsperiode, noch einmal mit dem Absatz von rund 10.000 Karten an Deutsche - die großteils in Südafrika leben und arbeiten dürften - zu rechnen. Bei der direkten Buchung für die deutschen WM-Gruppenspiele aber hakt es gewaltig.
DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach vergleicht den ausgebliebenen Run auf die Südafrika-Tickets mit dem Kartenvorverkauf für die ähnlich teure WM-Endrunde 2002 in Japan und Südkorea. Gegenüber dem Internetportal des Fußballbundes sagte Niersbach, dass die gemeldeten Zahlen „normal“ seien und dem Ergebnis der WM in Fernost entsprächen, „als wir beim ersten Spiel gegen Saudi-Arabien in Sapporo nur 540 Tickets an deutsche Fans verkauft haben“. Damals wurden schließlich 2946 Karten für die drei Gruppenspiele mit deutscher Beteiligung erworben.
Nationalelf gilt als notorischer Verlierer
Vom 9. Februar bis zum 7. April öffnet die Fifa aufs Neue ihren virtuellen Shop für den Kartenverkauf an nationalen Kontingenten. In Südafrika, wo der Erwerb von Tickets über das Internet noch nicht gebräuchlich ist, denken sie längst über die Wiederbelebung des traditionellen, kundenfreundlichen Kartenhandels „über die Ladentheke“ nach. Dort betrachten viele die Ticketpreise selbst für die Billigkategorie zwischen umgerechnet 13 Euro für ein Vorrundenspiel und 100 Euro für das WM-Finale als zu teuer. Da die Nationalmannschaft des Landes auch noch als notorischer Verlierer gilt, ist es selbst am Schauplatz des Turniers schwer, verlockende Kaufargumente zu finden.
Wer allerdings glauben mag, Fußball-Weltmeisterschaften seien seit Jahren ein Fall für notorisch ausverkaufte Stadien, der irrt. Dieses Etikett konnte sich bisher nur Deutschland anheften, das vor vier Jahren eine traumhafte WM organisierte. Der Nachfolger Südafrika dagegen muss zusehen, wie er auf seine Kosten kommt. Im Zahlendelta zwischen Soll und Haben blieb bisher wenig Platz für Festtagsvorfreude.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |