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Fußball-WM in Qatar : Auf Knochen erbaut

  • -Aktualisiert am

Hitze, Staub, Wassermangel: Ausländische Arbeiter im Oktober auf einer Baustelle in Doha Bild: dpa

Hinter den Fassaden der Glitzerwelt sieht es dreckig aus. Die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen der Fußball-WM in Qatar sind mörderisch.

          Manchmal hält er die Trennung kaum aus. Vor vier Monaten hat Ali Kidwai seine Tochter das letzte Mal gesehen. Anderthalb Jahre ist Zahra jetzt alt - wenn sie ihren Vater wiedersieht, wird sie fast doppelt so alt sein. Denn erst im kommenden September kann sich der indische Gastarbeiter wieder einen Heimflug leisten. Bis dahin fährt er täglich zwölf Stunden durch die Straßen der qatarischen Hauptstadt Doha, nur um abends erschöpft ins Bett seiner Sammelunterkunft am Stadtrand zu fallen. Oft reicht die Zeit nicht einmal, um zu duschen. Und einen Fernseher gibt es in seinem Sechsbettzimmer auch nicht.

          Glück gehabt hat Ali Kidwai dennoch - für qatarische Verhältnisse. Anfang 2006 kam der 28 Jahre alte Muslim aus der südindischen Provinz Kerala nach Doha, angeheuert von einem lokalen Kontraktor, wie viele der - wahrscheinlich - 1,2 Millionen Arbeiter aus Fernost. Die Asien-Spiele standen an, noch heute prangt das fröhliche Logo von Fassaden der boomenden Stadt am Persischen Golf: „Welcome to the Games of Joy!“ Doch Freude brachte sie eher Athleten und Zuschauern als den Arbeitern, die die schmucken Sportstätten in der „Aspire Zone“ am Rande der Hauptstadt errichteten. „Ich war froh, als ich die Arbeit auf der Baustelle wieder los war“, sagt Kidwai, der durch Hilfe von Verwandten, die schon länger in Qatar lebten, einen neuen Job fand.

          Die Arbeit auf den unzähligen Baustellen des reichen Golf-Emirats ist eine Tortur. Für viele der Gastarbeiter aus Fernost endet sie tödlich. Vor allem in den heißen Sommermonaten, wenn die Temperaturen auf mehr als fünfzig Grad steigen. Schlechte Ernährung und mangelnde Versorgung mit Wasser tun ein Übriges. Allein zwischen 2010 und 2012 sollen 700 Landsleute von Kidwai an Herzinfarkten und bei Arbeitsunfällen gestorben sein. Von 400 toten Arbeitern im Jahr geht der internationale Gewerkschaftsdachverband (ITUC) aus - achtmal so viele, wie in den Nachbarländern Qatars infolge von Arbeitsunfällen sterben.

          „Men At Work“ für 200 Dollar im Monat

          Überall in der Glitzermetropole Doha sind die Männer aus Indien, Bangladesch, Sri Lanka, Nepal und den Philippinen präsent, mit ihren gelben Helmen und blauen Arbeitsanzügen kann man sie nicht übersehen. „Men At Work“ warnen Schilder entlang der hinter hohen Holzwänden versteckten Baustellen, die das Stadtzentrum mindestens ebenso prägen wie schicke Shopping Malls und die hohen Büro- und Hoteltürme. Doch für wirksamen Schutz des Arbeitsheeres hat das reiche Emirat bislang nicht gesorgt, trotz wachsender Kritik in den vergangenen Monaten.

          Denn seit sich der Weltfußballverband Fifa in die Debatte um die miserablen Arbeitsbedingungen eingeschaltet hat, wächst die Sorge, Qatar könne noch um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2022 gebracht werden.

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          Die Angst vor Imageschäden ist groß. So gab der Vorsitzende des Nationalkomitees für Menschenrechte im Oktober immerhin zu, dass es „einige Probleme“ gebe. „Wir arbeiten hart, um einen von Störfällen und Verletzungen freien Arbeitsplatz zu schaffen“, wirbt die Firma Qatar Gas auf einer Baustelle neben der Zentrale des staatlichen Gasunternehmens unweit der Uferstraße Corniche. Dreißig bis vierzig Milliarden Dollar spült der Verkauf des Rohstoffs jährlich in die Kassen des Emirats - es ist die wichtigste Quelle für den Reichtum Qatars, des größten Flüssiggasproduzenten der Welt.

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