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Fußball-WM 2010 Plan B heißt Südafrika - und Plan C ebenfalls

17.09.2008 ·  Vier Tage inspizierte Fifa-Präsident Blatter die Gegenheiten in Südafrika, dem Gastgeber der Fußball-WM 2010. Das Ergebnis war eitel Sonnenschein - obwohl sich die Einheimischen derzeit kaum für das Turnier interessieren.

Von Thomas Scheen, Johannesburg
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Joseph Blatter war zufrieden: Mit dem Green Point Stadium in Kapstadt („sehr schön“), dem Soccer City Stadium in Soweto („beeindruckend“) und dem Ellis Park Stadium in der Johannesburger Innenstadt („sieht gut aus“). Vier Tage Zeit hatte sich der Präsident des Weltfußballverbandes Fifa genommen, um einige der zuletzt arg in die Kritik geratenen südafrikanischen WM-Baustellen zu inspizieren. Das Ergebnis war eitel Sonnenschein.

Schließlich liegen die Bauarbeiten in Südafrika allen Unkenrufen und etlichen Streiks und Streikandrohungen zum Trotz mehr oder weniger im Zeitplan. Von einem Plan B für ein alternatives Austragungsland, den er selbst ins Gespräch gebracht hatte, wollte Blatter jedenfalls nichts mehr wissen. Im Gegenteil: „Plan B heißt Südafrika, und Plan C heißt ebenfalls Südafrika.“ Das war Balsam für die ansonsten zur Eingeschnapptheit neigende südafrikanische Volksseele und hätte es unter normalen Umständen umgehend auf die Titelseiten des Boulevards geschafft.

Blatter rettet sich schnell auf unpolitische Feld

Doch die Umstände sind nicht normal in Südafrika, und im Moment erst recht nicht. Der Grund dafür ist das spektakuläre Ende des Korruptionsverfahrens gegen den mutmaßlich nächsten Präsidenten des Landes, Jacob Zuma, und der damit einhergehende Vorwurf des Gerichts, Thabo Mbeki habe als amtierender Präsident den Prozess gegen seinen Erzfeind maßgeblich beeinflusst.

Ob sein Besuch etwas mit dem politischen Erdbeben im Land zu tun habe, wurde Blatter denn auch prompt gefragt, und ob er wisse, ob und wann Mbeki abtreten werde. Der Fifa-Präsident rettete sich elegant auf das unpolitische Feld des Sports, musste aber gleichzeitig zur Kenntnis nehmen, dass die Fußball-Weltmeisterschaft die Südafrikaner zurzeit ungefähr so bewegt wie der sprichwörtliche Sack Reis die Chinesen.

„Das wäre die Kirsche auf dem Kuchen der WM“

Sogar die Meldung, wonach die preiswertesten Tickets für die kommende Weltmeisterschaft nicht mehr als 140 Rand (knapp 13 Euro) kosten sollen, um ärmeren Südafrikanern Zugang zum Turnier zu garantierten, ging erstaunlicherweise nahezu vollkommen unter.

Was das Sportliche der kommenden Weltmeisterschaft angeht, hofft Blatter auf ein kleines Wunder. Wenigstens einer der afrikanischen Mannschaften wünscht er den Einzug ins Halbfinale. „Das wäre die Kirsche auf dem Kuchen einer, wie ich glaube, höchst erfolgreichen ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika“, sagte der Fifa-Chef.

„Blatter haut Bafana“ titelte der Boulevard entrüstet

Diesen Wunsch erfüllen kann vielleicht die Mannschaft von Kamerun, aber ganz bestimmt nicht die Nationalmannschaft des Gastgebers Südafrika. Trotz des sündhaft teuren brasilianischen Trainers Joel Santana hatte sich „Bafana Bafana“ zuletzt vor vierzehn Tagen blamiert, als die Elf sich nicht einmal für den afrikanischen Nationencup 2010 in Angola qualifizieren konnte.

„Ich kann es einfach nicht glauben, dass der afrikanische Meister von 1996 sich nicht einmal für das Turnier 2010 qualifizieren kann“, sagte Blatter. Damit hatte er es schlussendlich dann doch noch in die Schlagzeilen in dem Land an der Südspitze des afrikanischen Kontinents geschafft. „Blatter haut Bafana“ titelte der Boulevard entrüstet.

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