Home
http://www.faz.net/-gtm-14nb9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fußball-WM 2010 Löws Großwildjagd

06.12.2009 ·  Joachim Löw sieht die Nationalelf bei der WM 2010 vor schweren Aufgaben. Dennoch ist der Bundestrainer optimistisch. Auf Kapitän Michael Ballack kommt bei seinem wohl letzten Turnier eine anspruchsvolle Führungsrolle zu.

Von Roland Zorn, Kapstadt
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Am Tag danach hatte Radomir Antic schon seine erste Partie gewonnen - im Schach gegen seinen serbischen Trainerkollegen und Fußball-Weltenbummler Velibor, genannt „Bora“, Milutinovic. „Er gewinnt immer“, scherzte der Verlierer, der schon fünf verschiedene Mannschaften bei einer Weltmeisterschaft betreut hat. Diesmal wird das Unikum wohl nur als Zuschauer beim Turnier 2010 in Südafrika dabei sein.

Antic dagegen gibt seine WM-Premiere nach erfolgreichen Jahren als Coach der drei größten spanischen Klubs Real Madrid, Atlético Madrid und FC Barcelona. Als er vor sechs Jahren bei Barca war, hat ihn Joachim Löw dort einmal besucht und bei der Arbeit beobachtet. Damals schien der in Österreich beim FC Tirol Innsbruck, danach bei Austria Wien gebrauchte Badener noch meilenweit davon entfernt zu sein, wenige Jahre später zum Trainer der deutschen Nationalmannschaft aufzusteigen.

In Kapstadt, bei der Endrundenauslosung zu den kommenden Titelkämpfen, haben sich Antic und Löw wiedergesehen, und in rund einem halben Jahr begegnen sie sich in Port Elizabeth schon wieder. Dann im Ernst als Widersacher und Gruppengegner, wenn Deutschland am 18. Juni in Port Elizabeth auf die seit 2008 von Antic trainierten und weit nach vorn gebrachten Serben trifft.

„Die Serben können unglaublich gut Fußball spielen“

Vorher hat es die Elf des dreimaligen Weltmeisters als sogenannter Kopf der Gruppe D am 13. Juni mit Australien in Durban und danach noch mit den ähnlich hoch wie Serbien eingeschätzten Ghanaern am 23. Juni im Johannesburger Soccer-City-Stadion zu tun. „Wer da von einer leichten Gruppe spricht“, sagt Löw, „ist nicht gut informiert.“

Drei Stunden hat er am Samstag mit seinem Assistenten Hans-Dieter Flick und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff darüber gesprochen, was nun zu tun oder besser zu lassen sei. „Jetzt“, hebt Löw hervor, „können wir endlich konkret werden.“ Beim Blick auf die Gegnerschaft verhehlt der Bundestrainer nicht, dass ihn vor allem Antics Team beeindruckt hat. „Von den Serben habe ich mir das eine oder andere Spiel angeschaut. Die können unglaublich gut Fußball spielen.“

Davon ist auch Antic überzeugt, nicht nur, weil Serbien die Franzosen, Weltmeister 1998 und WM-Zweiter 2006, in den Gruppenspielen locker auf Abstand hielt. Dem von Löw geschätzten, weltläufigen Kollegen ist mit seiner Arbeit in Belgrad vor allem eine erkennbare Verbesserung der serbischen Spielkultur gelungen. „Alle Spieler“, sagt Löw, „sind technisch sehr beschlagen und können ein hohes Tempo gehen.“

„Die haben keine Angst und ein großes Kämpferherz“

Auch für Ghana findet der Bundestrainer viele lobende Worte. „Physisch sind die Afrikaner allen vielleicht sogar etwas voraus.“ Ghana, angeführt von Michael Essien, beim FC Chelsea einer der stärksten Mittelfeldkollegen des deutschen Nationalmannschaftskapitäns Michael Ballack, ist in Löws Augen die „derzeit neben Algerien beste afrikanische Mannschaft“. Australien, der erste WM-Gegner, sei zwar „vielleicht der Außenseiter“ der Gruppe D, „aber die haben keine Angst und ein großes Kämpferherz. Außerdem kommen sie mit ihrer Außenseiterrolle gut zurecht.“

Was der Favorit Deutschland brauche, um gegen diese drei unbequemen Gegner, die sämtlich nur mit einem hohen Aufwand zu besiegen sein dürften, weiß Löw genau. „Da ist Konzentration in jeder Minute gefragt. Die Spieler müssen sich der Schwere ihrer Aufgabe immer bewusst sein. Es gibt keine Phase, wo sie abschalten können.“

„Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken“

Auf Ballack mit seiner Erfahrung, seinem Einsatzwillen, seiner taktisch-strategischen Spitzenklasse kommt jedenfalls bei seinem vielleicht letzten großen Turnier eine überaus anspruchsvolle Führungsaufgabe zu. Da man speziell den Serben, aber auch den Ghanaern allein mit Wucht und Durchschlagskraft nicht wird beikommen können, ist Löw froh, das spielerisch-taktische Element in seinem Aufgebot gestärkt zu haben. Und dazu auch auf bereits erprobte junge Kräfte wie den Bremer Spielgestalter Mesut Özil bauen zu können. „Taktisch sind wir als Mannschaft weiter als bei der WM 2006.

Das hat man (beim 1:0-Sieg im entscheidenden WM-Qualifikationsduell) in Russland gesehen.“ Die gewachsene Flexibilität in der Spielanlage, die gut ausbalancierte Mischung aus jungen und erfahrenen Profis und die Fähigkeit, ein Ergebnis nach Wunsch erreichen zu können, stärken Löws Optimismus. „Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken“, sagt er, „wir besitzen viel Qualität. Unsere Spieler sind motiviert. Deshalb sind wir überzeugt davon, dass wir ein gutes Turnier spielen.“

„Ich habe nicht das Gefühl, dass ich erdrückt werde“

Der Bundestrainer spricht, ohne dabei verkrampft anzumuten, davon, dass er mit seiner Mannschaft „das WM-Endspiel erreichen will“. Auf dem Weg dorthin, der im Achtelfinale über England oder das Team USA, im Viertelfinale eventuell Argentinien führen kann, stehen im Januar ein Fitnesstest, im März das Münchner Länderspiel gegen Argentinien und nach dem Bundesliga-Finale am 8. Mai noch drei Testländerspiele, ein Regenerationscamp sowie ein Trainingslager voraussichtlich in Kärnten bevor.

Am 6. Juni 2010 wird die Delegation des Deutschen Fußball-Bundes dann von Frankfurt nach Johannesburg fliegen und in ihr Fünf-Sterne-Quartier bei Pretoria weiterfahren. Löw sagte am Samstag: „Ich freue mich jetzt schon, dass es am 13. Juni im wunderschönen neuen Stadion von Durban gegen Australien losgeht.“ Der Bundestrainer hat aus dem sommerlichen Kapstadt viel positive Energie für ein Abenteuer mitgenommen, vor dem er keine Angst hat. „Ich habe“, sagt der Lebensgenießer, „nicht das Gefühl, dass ich erdrückt werde. Ich mache das einfach gern.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1945

Jüngste Beiträge

Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche

Ein Renner

Von Michael Wittershagen, Monte Carlo

Mit 43 Jahren beschleunigt Michael Schumacher noch einmal - sich und andere. Doch die Maschine zeigt ihm immer wieder Grenzen auf. Die Führung des Teams steht nun in der Verantwortung. Mehr

Ergebnisse, Tabellen und Statistik