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Fußball-WM 2010 Blatter vertraut Südafrika und nominiert Deutschland

15.05.2007 ·  Fifa-Präsident Blatter hat Deutschland als Ersatzkandidaten für die Ausrichtung der WM 2010 bezeichnet, zugleich aber sein Vertrauen in Südafrika betont. Nur eine „Naturkatastrophe“ könne die erste Fußball-WM in Afrika verhindern.

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Fifa-Präsident Joseph Blatter stiftet weiter Verwirrung um die Fußball-WM 2010 in Südafrika. Bei einem Gespräch mit internationalen Medienvertretern am Dienstag in Zürich erklärte der Schweizer Chef des Weltverbandes, dass Deutschland erste Wahl als möglicher Ersatzausrichter aufgrund der stimmungsvollen und gelungenen WM 2006 sei.

Gleichzeitig betonte allerdings Blatter, dass er fest davon ausgehen, dass in drei Jahren die erste WM-Endrunde auf dem afrikanischen Kontinent wie geplant in Südafrika durchgeführt werden könne. Nur eine „Naturkatastrophe“ könne die erste Fußball-WM auf afrikanischem Boden verhindern, versicherte er. „Die Idee ist bei mir schon 1998 entstanden. Jetzt sind wir so weit. Die Fifa hat Vertrauen“, sagte der 71-Jährige.

„Es gibt auch noch andere Länder“

Auf Fragen nach Problemen bei Infrastruktur, Stadionbau und Sicherheit in Südafrika ging Blatter nicht konkret ein. Aus Südafrika kamen zeitgleich optimistische Stimmen. Die noch im Bau befindlichen Stadien würden rechtzeitig fertig gestellt, in Fragen der Sicherheit würde mit Interpol kooperiert, erklärte der stellvertretende Finanzminister Jabu Moleketi.

Bereits Anfang des Monats hatte Blatter die Diskussion um einen möglichen Entzug der WM-Gastgeberrolle Südafrikas angeheizt. „Es gibt auch noch andere Länder, die morgen oder in zwei Tagen oder in zwei Monaten in der Lage wären, eine WM zu organisieren“, sagte Blatter auf die Frage, ob England oder Australien für Südafrika einspringen könnten. Außerdem erwähnte Blatter die Vereinigten Staaten, Mexiko, Japan und Spanien als mögliche neue WM-Austragungsstätten. Einen Tag später folgte sein Salto rückwärts. „Die WM wird in Südafrika stattfinden. Ich habe keine Zweifel. Der Plan B ist Südafrika, Plan C ist Südafrika“, sagte der Walliser.

Deutschland lehnt erneute Ausrichtung ab

Der Deutsche Fußball-Bund hegt keinerlei Ambitionen auf eine Rolle als Ersatzgastgeber: „Es ist klar, dass wir alles dafür tun, dass Südafrika die WM erfolgreich ausrichtet“, sagte der von der Fifa als Südafrika-Berater beauftragte DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt.

Auch sein designierter Nachfolger im DFB-Amt, Wolfgang Niersbach, bekräftige diese Haltung: „Es gibt nicht das kleinste Gedankenspiel, dass wir die WM ausrichten.“ WM-Cheforganisator Franz Beckenbauer hatte eine erneute Gastgeberrolle Deutschlands aus Respekt vor den südafrikanischen Organisatoren bereits abgelehnt.

Blatter will über 2011 hinaus im Amt bleiben

Neun Jahre nach seiner ersten Wahl zum Fifa-Chef zeigte sich Blatter bei einem internationalen Pressegespräch keineswegs amtsmüde und schloss sogar eine vierte Kandidatur im Jahr 2011 nicht mehr aus. Von seiner einstigen Aussage, die Fifa nur für zwei Perioden zu führen, ist der Spitzenfunktionär schon lange abgerückt. Der Eidgenosse steht beim Fifa-Kongress Ende des Monats in Zürich vor seiner Wiederwahl. „Dass ich zum ersten Mal der einzige Kandidat bin, ist ein Vertrauensbeweis. Es ist ein Zeichen der Einheit der Fußballfamilie“, sagte er. 1998 gegen Lennart Johansson (Schweden) und 2002 gegen Issa Hayatou (Kamerun) hatte er heftige Wahlkämpfe führen müssen, um seine Macht zu sichern.

Für seine bis 2011 währende dritte Amtszeit versprach Blatter eine weitere Professionalisierung des Fußballs und der nationalen wie internationalen Verbandsstrukturen. „Der Fußball muss sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden“, sagte er. Ausdrücklich begrüßte der selbst ernannte „Mittelstürmer“ der Funktionärsriege den Einzug von Franz Beckenbauer als weiteren Ex-Fußballstar in die Exekutive des Weltverbandes. „Wir können mehr über Fußball reden und weniger über Politik.“

Mit zwei Schieds- oder vier Linienrichtern?

Besonderes Augenmerk will Blatter auf die Leistungen der Schiedsrichter legen und schloss einschneidende Reformen nicht aus. Den Einsatz von vier Linienrichtern hält der Weltverbandschef genauso für möglich wie den noch radikaleren Vorschlag von Uefa-Präsident Michel Platini, sogar weitere Hauptreferees aufs Feld zu schicken.

40 Millionen Dollar stünden für die nächsten vier Jahre zur Verfügung, um Aus- und Weiterbildung von Schiedsrichtern zu finanzieren. Zudem kündigte Blatter einen verstärkten Kampf gegen Rassismus an, den er als „Übel der Gesellschaft“ bezeichnete.

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