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Fußball-Wettskandal Private Anbieter fordern: Lizenzentzug für Oddset

28.01.2005 ·  Der Wettskandal im deutschen Fußball bringt aber auch das WM-OK um Franz Beckenbauer in Bedrängnis. Denn der staatliche Sportwettenanbieter Oddset, der die WM 2006 sponsort, soll durch anonyme Wettscheine den Betrug erleichtert haben.

Von Michael Ashelm
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Der Wettskandal um den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer könnte nach den Enthüllungen und dem Geständnis des Verdächtigten noch einen weiteren Dreh erhalten, was nun den Deutschen Fußball-Bund (DFB) selbst und vor allem das deutsche WM-Organisationskomitee (OK) um seinen Präsidenten Franz Beckenbauer in erhebliche Schwierigkeiten bringen könnte.

Im Mittelpunkt der Kritik steht der staatliche Sportwettenanbieter Oddset, der nicht nur Marktführer in Deutschland auf diesem Gebiet ist, sondern auch als Großsponsor für die WM 2006 am großen Geschäft beteiligt ist.

„Das zieht kriminelle Gruppen an“

„Der Staat sollte überlegen, dieser Firma die Wettlizenz zu entziehen oder ihr neue ordnungspolitische Standards aufzuerlegen“, lautet die Forderung von Detlef Train, Geschäftsführer des privaten Sportwettenanbieters Intertops, gegenüber dieser Zeitung.

Über Oddset, ein Unternehmen der staatlichen Lotto-Toto-Gesellschaften, sollen angeblich die Manipulationen von Hoyzer und womöglich weiterer Verdächtiger abgewickelt worden sein - erleichtert durch die anonymen Wettscheine der Fußballwette. „Das zieht kriminelle Gruppen an wie die Motten das Licht“, sagt Train. Unterstützung erhält er vom Mitbewerber Betandwin, ebenfalls in Österreich ansässig und Marktführer in Europa: „Dieser Fall zeigt wieder, wie konsequent in Deutschland der Zug der Zeit verpaßt wird“, sagt Manfred Bodner, einer der Geschäftsführer des Unternehmens.

Staatliches Monopol

Etwa 700 bis 800 Millionen Euro werden jährlich in Deutschland mit Sportwetten umgesetzt, allein Oddset spielt pro Bundesligaspieltag etwa zehn Millionen Euro ein. Der Anbieter profitiert von einem staatlichen Monopol, das derzeit von den privaten Unternehmen nur über eine Betriebstätigkeit im Ausland und die Wettbeteiligung über das Internet umgangen werden kann.

Juristische Auseinandersetzungen haben bislang aus der Sicht der privaten Sportwettenanbieter nicht zum Erfolg geführt. Regelmäßig werden Vorstöße vor den Gerichten zugunsten des staatlichen Monopolisten abgewehrt. „Wir sehen immer wieder, wie brutal die Gerichtsbarkeit in dieser Sache von der Politik beeinflußt wird“, behauptet Bodner.

Beckenbauer als Werbefigur

Unter dem Motto „Kalte Jahreszeit? Mein Tip: warm spielen für die WM!“ wirbt derzeit OK-Präsident und DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer für Oddset, das als WM-Sponsor mindestens zehn Millionen Euro zum Weltturnier beiträgt.

In abgewandelter Form spielt Bodner den Ball zurück an den werbetüchtigen „Kaiser“, der durch dieses Engagement nun plötzlich in die Kritik geraten ist: „Ich empfehle: warm anziehen für die WM.“

Ob am Ende der Diskussion Konsequenzen für die Partnerschaft zwischen Oddset und der WM 2006 in Deutschland stehen, muß abgewartet werden. Die privaten Wettanbieter haben sich aber zumindest schon auf den staatlichen Konkurrenten eingeschossen. Auch die Digibet wetten.de AG wehrte sich am Donnerstag massiv dagegen, daß von Oddset versucht werde, private Anbieter zum Sündenbock zu stempeln.

Internet-Wettanbietern ohne Lizenz

Und wie reagiert das betroffene Unternehmen? Auf Anfrage wird wiederum den privaten Anbietern der Schwarze Peter zugeschoben. „Unsere Wette ist für Normalspieler konzipiert mit Einsätzen von zehn Euro. Daß es zu Großspielern kommt, ist eben so und gehört auch ein bißchen zum Graubereich, der von Internet-Wettanbietern ohne Lizenz in Deutschland gefördert wird“, sagt der Marketingleiter von Oddset, Wolfgang Feldner. „Diese Firmen bringen weder dem deutschen Staat noch dem deutschen Fußball etwas, keiner von denen zahlt hier Steuergeld.“

Doch der Fall Hoyzer könnte das Monopol juristisch wieder neu bedrohen. Die großen, auf dem internationalen Markt etablierten privaten Wettbüros wollen sich in diesem Zusammenhang nicht „kriminalisieren“ (Bodner) lassen und sehen sich von der Geschäftsgrundlage her klar im Vorteil gegenüber dem staatlichen Konkurrenten. „Wir haben ein effektives Krisenmanagement und können Einsätze auch zurückverfolgen“, sagt Train, „bei uns kann man von Transparenz reden, nicht bei Oddset.“

Kontrolle fehlt

Dreh- und Angelpunkt bleiben die anonymen Wettannahmen, wie sie bei Oddset zum Geschäft gehören. „Dieser inflationäre Betrieb braucht endlich Kontrolle. Eine Bande von 30 Leuten könnte einige der 40.000 Annahmestellen von Oddset in Deutschland auswählen und trotz Wettobergrenze zusammen eine riesige Summe auf ein manipuliertes Spiel setzen. Das würde noch nicht mal bemerkt werden“, sagt Bodner.

Wie bekannt wurde, planen der DFB und die Deutsche Fußball Liga die Zusammenarbeit mit der Firma Betradar, einem Informationslieferanten für Buchmacher, der Auffälligkeiten - also vor allem hohe Wetteinsätze - unter die Lupe nimmt. Die Auseinandersetzungen zwischen privaten und staatlichen Wettanbietern wird das allerdings nicht eindämmen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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