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Fußball und Gewalt : Die Machtfrage

Vermummter Hamburger Fan beim Spiel des FC St. Pauli gegen Hansa Rostock Bild: dapd

Angesichts des Rostocker Sittenverfalls geht es nicht mehr um Verhältnismäßigkeit. Wenn sich Gewalt in seinen extremsten Formen zeigt, heißt die Priorität: Schutz der Allgemeinheit.

          Fußball und Gewalt, das Thema ist so vielfältig, dass es keine Standardlösungen geben kann. Im Zweifelsfall sind Prävention und Kommunikation immer der Repression vorzuziehen, solange noch ein Funken Hoffnung auf den guten Willen der Fans besteht. Wenn sich das Phänomen aber in seinen extremsten Formen zeigt, wie derzeit in Rostock zu beobachten, dann kann es bei allen Gegenmaßnahmen nur diese Priorität geben: den Schutz der Allgemeinheit und den Selbstschutz der Ordnungsmacht.

          Um das Zweitligaspiel zwischen Hansa Rostock und St. Pauli ereigneten sich neben den genauso verdammenswerten, aber leider schon gewohnten Ausschreitungen gegen Polizisten zwei weitere ungeheuerliche Vorgänge: der Überfall von Hooligans auf ein Polizeirevier, als Racheakt für einen eingesperrten Kumpel, und das Beklatschen und Bejohlen durch Tausende Rostocker, als Hansa-Fans Leuchtspurmunition in den Hamburger Gästeblock schossen.

          Wer hat die Macht?

          Dieses menschenverachtende Gebaren eines beachtlichen Teils der Zuschauer zeigt, dass in Rostock Gewalt nicht nur von einer überschaubaren Gruppe ausgeübt wird, die Polizei spricht von etwa 500 Personen, sondern ein Massenphänomen darstellt. Wer sein Vergnügen daran hat, wenn Gäste einer ernsthaften Verletzungsgefahr ausgesetzt sind, ist nicht viel besser als die Täter.

          Angesichts dieses massiven Sittenverfalls geht es nicht mehr um Verhältnismäßigkeit und um die Belange der „guten Fans“ oder um die finanzielle Lage des FC Hansa. Es geht um die Frage: Wer hat die Macht? Der Mob, der sich traut, die Polizei zu überfallen, Verblendete, die Gewalttäter decken und Attacken auf Gäste beklatschen?

          Der Fußball hat solche Zuschauer wie in Rostock nicht verdient, sie sollten ausgeschlossen werden. Sogenannte Geisterspiele hat der Deutsche Fußball-Bund schon bei geringeren Anlässen angeordnet. Für längere Zeit sollten die Blocks der Ultras geschlossen bleiben und nach einer Denkpause der Einsatz von sogenannten Nacktscannern vor dem Einlass erfolgen, damit Waffen und die unsägliche Pyrotechnik auch entdeckt werden können. Auch ein Vermummungsverbot ist dringend notwendig. Unzumutbar? Ja! Überall in der Republik, aber im Moment nicht in Rostock.

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