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Fußball und Fernsehen Neue Spieler auf dem Feld

01.12.2005 ·  Das bisher teuerste Wettbieten um die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga beginnt. Beim Verkauf der Lizenzen für Fernsehen und Internet sind Kabel Deutschland und Deutsche Telekom neu im Wettbewerb.

Von Marcus Theurer
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So brisante Post wie diesen Donnerstag geht bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) selten ein. Es riecht nach Geld in der DFL-Zentrale im Frankfurter Süden.

Um zwölf Uhr mittags beginnt das bisher komplexeste und wohl auch teuerste Wettbieten um die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga. Zum Verkauf stehen die Lizenzen für Fernsehen und Internet von der nächsten Spielzeit an. Es sind die mit Abstand wertvollsten Sportrechte, die es in Deutschland zu kaufen gibt.

35 Interessenten

„Der Markt hat total gedreht“, gab Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef beim FC Bayern kürzlich die Richtung vor. Eine halbe Milliarde Euro pro Spielzeit könnte DFL dieses Mal herausholen, glaubt Rummenigge - rund 200 Millionen Euro mehr als bisher. Vor drei Jahren dagegen, bei der letzten Rechtevergabe, stand der Liga das Wasser bis zum Hals. Nach der Milliardenpleite des Medienkonzerns Kirch im Frühjahr 2002 war den Kickern ihr wichtigster Finanzier abhanden gekommen. Die öffentlich-rechtliche ARD nutzte damals die Gunst der Stunde und belebte ihre „Sportschau“ wieder.

Dieses Mal sind die Vereine dagegen in einer weitaus besseren Verhandlungsposition. 35 Interessenten haben sich für die Teilnahme an der Auktion registrieren lassen, Außer von den großen Fernsehsendern ARD, ZDF, RTL und Sat.1 dürfte die DFL heute auch Post von zwei neuen potenten Mitbietern bekommen: dem Kabelnetzmarktführer Kabel Deutschland (KDG) und der Deutschen Telekom. Die Beteiligten schweigen sich aus, doch in Branchenkreisen wurde am Mittwoch fest damit gerechnet, daß die KDG dem bisherigen Bezahlfernsehmonopolisten Premiere Konkurrenz macht und eine Offerte einreicht. Wenn die KDG allerdings im großen Stil ins Bundesligageschäft einsteigen wollte, ginge der Konzern dafür ein großes Wagnis ein. Bisher hat das Unternehmen nämlich nur rund 300.000 Abonnenten für seine digitale Bezahlfernsehplattform gewonnen. Premiere hat dagegen zehnmal so viele Kunden. Wegen der schmalen Abonnentenbasis wäre deshalb eine rasche Refinanzierung der teuren Rechte für die KDG schwierig.

Zwei Live-Pakete

Auch die Deutsche Telekom könnte den bisherigen Platzhirsch Premiere herausfordern. Der Bonner Konzern hat dem Vernehmen nach Interesse an der Übertragung kompletter Bundesliga-Spiele. Die Telekom setzt darauf, in Zukunft Bezahlfernsehen auch über das Internet anzubieten. Bisher funktioniert dies mangels Übertragungsbandbreite in den Telekom-Leitungen zwar noch nicht in der gewünschten Qualität. Doch das Unternehmen will in den kommenden drei Jahren ein neues Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz bauen. Technisch wäre dann die Übertragung der Spiele auch in hochauflösender Bildqualität (HDTV) kein Problem mehr.

Bei der jetzt anlaufenden Auktion könnten sich Premiere und Telekom bereits kräftig in die Quere kommen. Denn die DFL will die Live-Rechte an den Spielen, die bislang Premiere exklusiv hatte, dieses Mal quasi zweimal verkaufen: Laut Ausschreibung soll es ein Live-Paket für das Fernsehen und eins für die Übertragung via Internet geben. In Branchenkreisen wird freilich erwartet, daß die DFL damit auf Widerstand der Fernsehsender stößt: Durch eine Parallelübertragung im Internet sinkt nicht nur die Attraktivität des Premiere-Angebots, sondern auch die der Zusammenfassungen im frei empfangbaren Fernsehen.

ARD mit guten Chancen

Der Ausgang der Bieterschlacht ist so offen wie nie zuvor. Das liegt nicht nur an den neuen Interessenten um die Rechte, sondern auch an der komplizierten Ausschreibung der DFL. Die Bieter können ihre Offerten für drei verschiedene Spielplanvarianten einreichen. Darin sind auch unterschiedliche Anfangszeiten für die erste Zusammenfassung im freien Fernsehen vorgesehen. Bisher hat sich diese die „Sportschau“ der ARD gesichert, die samstags um 18.10 Uhr beginnt. Premiere will dagegen die Zusammenfassungen am liebsten auf 22 Uhr verlegen, um mehr Fußballfans für ein Abonnement zu ködern.

Mit der Gleichung „mehr Geld für mehr Exklusivität“ will Premiere-Chef Georg Kofler die DFL für seine Maximalforderungen gewinnen. Daß dies gelingt, gilt mittlerweile freilich als eher unwahrscheinlich. Die ARD will weiter am Ball bleiben und hat dafür offenbar das Wohlwollen der Bundesliga. Doch nach 20 Uhr darf die öffentlich-rechtliche Anstalt keine Werbung mehr zeigen, was auch die Erlös-Chancen der Clubs schmälern würde. Und so rechnen viele Beobachter damit, daß die Bundesliga in der ARD zwar etwas später als bisher laufen und eventuell inhaltlich abgespeckt wird. Doch, daß die Spiele im freien Fernsehen erst abends um zehn angepfiffen werden, glauben die wenigsten.

Quelle: F.A.Z., 1. Dezember 2005, Nr. 280 / Seite 24
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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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