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Fußball und Fernsehen Das Milliardenspiel

01.08.2005 ·  Alle Fernsehsender wollen die Fußball-Bundesliga, doch am meisten riskiert Premiere. Nachdem der Abokanal sich die Champions-League-Rechte gesichert hat, wird ein teurer Rechtepoker mit der ARD erwartet.

Von Marcus Theurer
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So richtig spannend hat die neue Saison in der Fußball-Bundesliga nicht begonnen. Mit drei Siegen in drei Spielen hat der Serienmeister FC Bayern einen Traumstart hingelegt. Mancher Fußball-Fan nölt bereits, der Liga stehe ein fader Herbst bevor. Spannung ist dennoch garantiert - vielleicht nicht auf dem grünen Rasen, dafür aber am grünen Tisch der Fernsehrechte-Vermarkter.

Die deutschen Fernsehsender warten nur noch auf den Anpfiff zum Endspiel um die Übertragungsrechte ab der kommenden Spielzeit. Ende September könnte die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Auktion mit der Ausschreibung der Rechte eröffnen. Die werden voraussichtlich in neun Einzelpakete von der Live-Fernsehübertragung bis zu den Mobilfunkrechten filetiert angeboten. Allein die Aufteilung in mehr und kleinere Häppchen als bisher dürfte die Bieterkonkurrenz verschärfen. Analysten halten die Preisvorstellungen der Fußballvereine von mindestens einer halben Milliarde Euro pro Spielzeit für erreichbar. Noch ist die Bundesliga dagegen eher ein Schnäppchen.

Premiere braucht die Bundesliga

Kurz vor Auktionsbeginn kursieren in der Fernsehbranche unzählige Gerüchte, wer alles wofür mitbieten werde. Da ist zum Beispiel der größte deutsche Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG): Eigentlich haben die KDG-Offiziellen bereits abgewunken. Doch intern werden bei der KDG die eigenen Chancen, an den Ball zu kommen, sehr wohl weiter ausgelotet. Zumindest eines der preisgünstigeren Pakete könnte für den Kabelkonzern interessant sein, denn die KDG braucht dringend zugkräftiges Programm, um ihr lahmes Digitalfernseh-Angebot aufzupäppeln. Auch die werbefinanzierten Sendergruppen RTL und Pro Sieben Sat.1 stehen zumindest im Mannschaftsaufgebot für das Match um die Bundesligarechte.

Zwei Spieler treten dagegen auf jeden Fall gegeneinander an: Der Münchner Bezahlsender Premiere und die öffentlich-rechtliche ARD. Premiere-Chef Georg Kofler braucht die Bundesliga so sehr wie umgekehrt die Profikicker ihn. Für die Liverechte zahlt Premiere in dieser Saison rund 180 Millionen der knapp 300 Millionen Euro an Fernsehgeldern. Daß dem einzigen deutschen Abosender die Pole Position ein anderer Bieter abjagen kann, erwartet kaum jemand. Nur über das Bezahlfernsehen lassen sich die nötigen Summen aufbringen. Doch Kofler ist auch von der Bundesliga abhängig. Die exklusiven Liveberichte sind seine mit Abstand wichtigste Programmsäule. Und er muß wohl weiter an dieser Schraube drehen, um die noch immer zu niedrigen Abonnentenzahlen seines Senders zu steigern.

Kritik aus Bayern

Der Senderchef will für mehr Exklusivität mehr Geld zahlen und die „Sportschau“ der ARD ausbooten. Im frei empfangbaren Fernsehen sollen, geht es nach Kofler, die ersten Zusammenfassungen der Samstagsspiele von 2006 an nicht schon um 18.15 Uhr, sondern deutlich später laufen. Medienanalysten sind skeptisch: „Premiere muß bei der Bundesliga-Auktion mit einem sehr hohen Einsatz spielen“, warnt Stefan Weiß von der WestLB. Ob sich dies in den erhofften Kundenzuwächsen auszahle, sei dagegen ungewiß.

Ein klares Signal war der Kauf der Champions-League-Rechte, die sich Premiere am Dienstag allein gesichert hat. Kofler will sich nun einen frei empfangbaren Sender zulegen, um künftig Fußballrechte von der Live-Übertragung bis zur letzten Spielzusammenfassung allein ausschlachten zu können. Die Topspiele werden dann nur noch gegen Bezahlung zu sehen sein.

In der Bundesliga stößt der Champions-League-Coup auf Kritik. Die Fans würden „in erpresserischer Weise zu Abos gezwungen“, wetterte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern und ansonsten einer der Wortführer der Fußball-Kommerzialisierung. Doch eine Alternative zu seiner Verdrängungsstrategie hat Kofler wohl auch bei der Bundesliga nicht, will er seinen Sender zum Erfolg führen. Schon seit Monaten lotet er Chancen aus, Premiere ein Standbein im freien Fernsehen zu verschaffen. Gespräche mit dem Münchner Medienunternehmen EM.TV über einen Kauf von dessen Sportsender DSF verlaufen allerdings zäh.

„Ohne Sinn und Verstand“

Kofler steckt in einer Zwickmühle: EM.TV-Chef Werner Klatten würde ihm das DSF allein wohl nur für einen Mondpreis verkaufen, weil EM.TV ansonsten nur noch aus einem siechen Kinderprogramm-Handel bestünde, der kaum wirtschaftliche Perspektiven bietet. „Eine Übernahme von EM.TV insgesamt ist aber viel zu teuer“, heißt es in verhandlungsnahen Kreisen. Zu hoch ist der Marktwert von Klattens Mini-Konglomerat, das an der Börse derzeit mit stolzen 330 Millionen Euro bewertet wird. Parallel gibt es deshalb weiterhin Gespräche mit dem Medienunternehmer Herbert Kloiber über einen Premiere-Einstieg bei dessen Nischenkanal Tele 5. Doch der gewiefte Kloiber ist ein Meister im gewinnbringenden Kauf und Verkauf von Fernsehsendern.

Der Premiere-Chef kämpft noch an einer anderen Front. Im Rechtepoker könnte die über Rundfunkgebühren finanzierte öffentlich-rechtliche ARD den Traum von der Bundesliga-Alleinherrschaft durch Premiere durchkreuzen. Wirtschaftlichen Zwängen unterliegt die zahlungskräftige ARD trotz einer etwas geringer als erwartet ausgefallenen Gebührenerhöhung nur bedingt. Die ARD wird deshalb voraussichtlich alles daransetzen, die „Sportschau“ auf ihrem bisherigen Sendeplatz am frühen Samstag abend halten zu können. Bislang geben in der Rundfunkanstalt Fußball-Fans wie der Kölner WDR-Intendant Fritz Pleitgen den Ton an. „Ohne Sinn und Verstand“ würden sich Pleitgen und Gleichgesinnte in die Rechteschlacht stürzen, stöhnt ein hochrangiger ARD-Manager, der dem Ballsport weniger zugetan ist.

Quelle: F.A.Z., 01.09.2005, Nr. 203 / Seite 20
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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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