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Schalkes Domenico Tedesco : „Ehrlichkeit tut manchmal weh“

  • -Aktualisiert am

Domenico Tedesco ist Schalkes neuer Trainer Bild: dpa

Domenico Tedesco hat Benedikt Höwedes von Schalke vertrieben und hat einen neuen Stil nach Gelsenkirchen gebracht. Im Interview spricht der Trainer über die Wohnungssuche im Revier – und seine Erfahrungen in der Automobilbranche.

          Für Markus Weinzierl, Ihren Vorgänger als Cheftrainer des FC Schalke 04, war es nicht einfach, in der Nähe eine Wohnung zu finden, weil die meisten Eigentümer ein langfristiges Mietverhältnis eingehen wollten. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, etwas Passendes zu finden?

          Ich habe mir viele Wohnungen angeschaut und ganz in der Nähe, in Herten, eine gefunden. Bei den Vermietern habe ich mich nicht als angehender Schalke-Trainer vorgestellt, sondern als Domenico Tedesco. Irgendwann wurde ich natürlich erkannt, da haben wir automatisch ein bisschen über Fußball gesprochen. Aber Bedenken, ich könnte bald wieder meine Koffer packen, gab es nicht. Mir war wichtig, dass genug Grün vorhanden ist, wir möchten uns langfristig wohl fühlen.

          Was hat Sie an Schalke am meisten beeindruckt, das Stadion und die Anhänger einmal ausgenommen?

          Die Historie hat mich beeindruckt, Schalke hatte viele gute Spieler, fast jedes Jahr. Es war für mich sehr anregend, Menschen wie Huub Stevens oder Olaf Thon kennenlernen zu dürfen.

          Tedesco wollte Benedikt Höwedes eigentlich halten.
          Tedesco wollte Benedikt Höwedes eigentlich halten. : Bild: AP

          Benedikt Höwedes, auch ein berühmter Spieler des Klubs, wurde als Kapitän abgesetzt und hat seinen Stammplatz verloren. Daraufhin hat er Schalke nach sechzehn Jahren verlassen. Können Sie ihn verstehen?

          Ich hätte mir gewünscht, dass er bleibt und den Konkurrenzkampf bei uns annimmt. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

          Haben Sie versucht, Höwedes umzustimmen?

          Ich habe ihm mehrmals gesagt, dass ich mit ihm plane und er ein sehr wichtiger Baustein ist, wenn er zu hundert Prozent fit ist.

          Aber Sie haben auch gesagt, Reisende solle man nicht aufhalten. Besteht die Gefahr, dass dieses Thema Ihren Kredit bei den Fans schmälert?

          Das weiß ich nicht. Aber es ist doch völlig normal, dass so eine Entscheidung kontrovers diskutiert wird. Für mich war es wichtig, mit der Frage offen und ehrlich umzugehen. Ich habe meine Entscheidung in der Kapitänsfrage mehrmals erläutert und die Aussage, die Sie erwähnen, eingeordnet und relativiert.

          Haben Sie sich vor dem Entschluss, den Kapitän zu wechseln, mit dem Vorstand abgestimmt, oder war es ein Alleingang des Trainerteams?

          Immer wenn wir neue Ideen oder Vorstellungen von einer gewissen Tragweite entwickeln, informieren wir die Sportliche Leitung und nehmen sie mit ins Boot. So war es natürlich auch in diesem Fall. Ansonsten finde ich, dass zu dem Thema jetzt auch alles gesagt ist. Sowohl Bene in Turin als auch wir hier konzentrieren uns voll auf die nächsten Aufgaben.

          Julian Nagelsmann, Alexander Nouri und Sie stehen für eine neue Generation junger Fußball-Lehrer, die in der Bundesliga arbeiten, ohne vorher als Spieler aufgefallen zu sein. Auch Thomas Tuchel wurde einst als Nobody zum Cheftrainer befördert. Was qualifiziert die junge Generation für diesen Job, der früher vorzugsweise an Männer vergeben wurde, die sich hocharbeiten mussten und oft von dem Namen profitierten, den sie sich als Spieler gemacht hatten?

          Es sind jetzt einige junge Trainer in der Bundesliga angekommen, aber es gibt achtzehn Vereine. Die Quote der Trainer mit mehr Erfahrung ist also auch nicht so schlecht. Was qualifiziert einen Trainer? Wahrscheinlich geht es um das Gleiche, was vor dreißig Jahren wichtig war: Man muss einen guten Zugang zu den Spielern haben, das ist das A und O. Das rein Fachliche ist natürlich wichtig, aber nicht weniger elementar ist das Persönliche, das Emotionale: die Spieler mitzureißen, eine gute Kommunikation mit ihnen zu haben, und zwar so, dass sie für das Team durchs Feuer gehen.

          Jubel in Blau-Weiß
          Jubel in Blau-Weiß : Bild: AP

          Worauf kommt es bei der Kommunikation mit den Spielern besonders an? Wo lernt man so etwas als Trainer?

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