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Sonntag, 19. Februar 2012
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Fußball Terror gegen Togo überschattet den Afrika-Cup

11.01.2010 ·  Drei Menschen starben beim Angriff auf den Bus von Togos Fußball-Nationalteam. Sind Warnungen ignoriert worden? Angolanische Rebellen aus der Exklave Cabinda kündigen weitere Aktionen an. Togos Spieler nehmen nicht am Afrika-Cup teil.

Von Roland Zorn
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Gespielt wird trotzdem, obwohl die Vorfreude auf den Afrika-Cup in Angola längst dem Entsetzen gewichen ist. Dennoch rollte der Fußball am Sonntagabend, als zwei Tage nach dem für drei Personen tödlichen Anschlag einer angolanischen Terrorgruppe auf den Mannschaftsbus Togos die Teams des Gastgeberlandes und Malis das dreiwöchige Turnier um die Afrikameisterschaft eröffneten. Das Spiel zwischen Angola und Mali endete 4:4. Togos Mannschaft allerdings wurde von Gilbert Fossoun Houngbo, dem Premierminister des westafrikanischen Landes, am Sonntag befohlen, ihre Teilnahme am Afrika-Cup abzusagen.

„Die Auswahl muss abreisen und nach Togo zurückkehren“, lautete die Abreiseorder aus der Landeshauptstadt Lomé, nachdem sich die nach dem Überfall in der angolanischen Exklave Cabinda hin- und hergerissene Mannschaft zunächst nicht, später dann aber doch imstande gesehen hatte, am Afrika- Cup teilzunehmen. Premier Houngbo hatte am Sonntag seinen sechs Millionen Landsleuten in einer Videobotschaft aus dem Herzen gesprochen und eine dreitägige Staatstrauer für den bei dem Angriff einer separatistischen Organisation getöteten Assistenztrainer, den Pressesprecher und den Busfahrer der togoischen Mannschaft verkündet hatte.

„Diese Aktion war erst der Anfang einer Serie“

Das Team hatte in der Nacht von Samstag auf Sonntag seine ursprüngliche Absicht revidiert, unter den albtraumhaften Umständen nicht an der Afrikameisterschaft teilnehmen zu wollen. Es war am Freitag in der angolanischen Exklave Cabinda einem Feuerüberfall der Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda zum Opfer gefallen. Diese Organisation kündigte am Sonntag weitere bewaffnete Untaten an. In einem Bekennerschreiben hieß es: „Diese Aktion war erst der Anfang einer Serie von zielgerichteten Aktionen in der gesamten Region Cabinda. Wir haben den (afrikanischen Fußball-)Verband seit langem gewarnt. Sie besaßen die Dokumente, aber sie haben die Warnungen ignoriert. Nun müssen sie dafür bezahlen.“

Die Exklave Cabinda wird durch einen Landstrich der Demokratischen Republik Kongo vom angolanischen Staatsgebiet getrennt. Die ölreiche Region sollte 1975 von der Kolonialmacht Portugal in die Unabhängigkeit entlassen werden. Angola, selbst eben erst von Portugal unabhängig geworden, besetzte das Gebiet. Seitdem kämpfen Rebellen der Separatistenbewegung Flec, die 2006 einen Friedensvertrag mit der angolanischen Regierung unterzeichnete, für einen eigenständigen Kleinstaat Cabinda. Und in Cabinda, der Frontstadt dieser als besonders gefährlich eingeschätzten Kapitale einer ölreichen Region, sollte Togo zunächst an diesem Montag gegen Ghana und danach gegen Burkina Faso und die Elfenbeinküste seine Gruppenspiele um den Afrika-Cup austragen.

Kritik an der Busanreise des togolesischen Teams

Warum der Afrikanische Fußball-Verband (Caf) Cabinda als einen der vier Austragungsorte in dem jahrelang von einem blutigen Bürgerkrieg zerrissenen Angola bestimmte, fragen sich viele Kenner der Verhältnisse. Doch der Caf reagierte auf das tödliche Vorspiel zur Afrikameisterschaft zunächst nur mit der Versicherung, dass das dreiwöchige Turnier auf jeden Fall wie geplant stattfinden werde.

Kritik übten die obersten Fußballfunktionäre des Kontinents auch an den Togoern, die entgegen allen Absprachen nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Bus angereist seien. Tatsächlich aber wurden die zwei Busse der togoischen Delegation ganz offiziell von einer Militäreskorte angeführt, die im Schusswechsel mit den Terroristen noch Schlimmeres für ihre Schutzbefohlenen verhindert hatte. Insofern deutete einiges darauf hin, dass die Veranstalter des Afrika-Cups zumindest in Kauf nahmen, dass Togo als einziger Afrika-Cup-Teilnehmer per Bus an seinen Zielort Cabinda kommen wollte.

„Niemand ist bereit, hier sein Leben zu riskieren“

Togos Kapitän Emmanuel Adebayor, Stürmerstar des englischen Premier-League-Vereins Manchester City, wirkte nach dem Überfall, bei dem das Gros der Mannschaft unter die Sitze ihres Busses geflüchtet war, traumatisiert wie fast alle Spieler. Er sei froh, dass er noch lebe, sagte er später. Und zunächst wollten auch alle Spieler, darunter der unverletzt gebliebene Leverkusener Profi Assimiou Touré, nichts wie raus aus Angola. „Niemand“, sagte Adebayor, „ist bereit, hier sein Leben zu riskieren.“ In der Nacht von Samstag auf Sonntag folgte die Kehrtwende.

Thomas Dossevi, Stürmer des französischen Zweitligaklubs FC Nantes, sagte, warum: „Im Gedenken an die Toten hat sich das Nationalteam dazu entschieden, beim Afrika-Cup anzutreten. Wir sind alle am Boden zerstört. Es ist keine Party mehr, aber wir wollen unsere Nationalfarben und unsere Werte präsentieren und zeigen, dass wir Männer sind.“ Doch nach der Aufforderung ihres Premierministers lenkten die Spieler ein. „Wir werden definitiv nicht beim Afrika Cup spielen“, sagte der Leverkusener Touré, „die Maschine des Staatspräsidenten holt uns ab. In Togo werden wir alle bei der Beisetzung der Toten dabei sein.“

„Ich bin tief berührt von dem Zwischenfall“

So oder so wird der Afrika-Cup von seinem ersten Tag an von einem Terrorangriff überschattet, der auch auf die Fußball-WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) ausstrahlt. Dort hob Danny Jordaan, der Generalsekretär des lokalen WM-Organisationskomitees, hervor, dass der tödliche Zwischenfall in Angola nichts mit der Lage im 2500 Kilometer weit entfernten Südafrika zu tun habe. „Jedes souveräne Land“, sagte er, „trägt die Verantwortung für seine Sicherheit und das, was innerhalb seiner Grenzen passiert.“ Südafrika sei jedenfalls gerüstet, eine sichere WM auszurichten.

Unterdessen erklärte sich Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes, solidarisch mit der togolesischen Mannschaft und dem afrikanischen Fußball. „Ich bin tief berührt von dem Zwischenfall. Wir hoffen, dass der Fußball stärker ist als jeder Anschlag. Deshalb wird der Afrika-Cup stattfinden.“

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