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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Fußball-Sicherheitsgipfel Verhaltenskodex statt Strafenkatalog

 ·  53 Profivereine der drei Fußball-Spielklassen haben einen Kodex unterzeichnet, der verschärfte Sanktionen gegen Randalierer vorsieht. Ein Stehplatzverbot in Stadien soll es nicht geben.

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© dpa Politik und Sport im Doppelpass: Bundesinnenminister Friedrich (links) und DFB-Präsident Niersbach

„Wenn wir überfordert wären, dürften wir diese Veranstaltungen ja nicht machen“, erwiderte Reinhard Rauball auf die Frage eines Reporters, ob die Deutsche Fußball Liga (DFL) überhaupt noch für Sicherheit sorgen könne in ihren Stadien. Damit brachte der Präsident der Vereinigung von 54 Profiklubs in drei Spielklassen das Ergebnis des sogenannten Sicherheitsgipfels an diesem Dienstag in Berlin auf einen Nenner: alles unter Kontrolle.

Wenn das manchmal auch nicht für die Gegenwart gilt, so wird es doch angestrebt. Null Toleranz gegenüber Krawallmachern war denn auch eines der gar nicht so neuen Ergebnisse des Treffens, die Entlastung der öffentlichen Hand bei der Sozialarbeit in Fanprojekten um 1,5 Millionen Euro (bei einer Summe von neun Millionen) war das Zugeständnis an die Länder.

Schließlich müssen deren Polizeibeamte mehr und mehr Überstunden leisten, um das Milliardenspiel Fußball in sicheren Bahnen zu gewährleisten - wobei die Politik den Vereinen zusicherte, dass diese auch weiterhin nicht für Gewalt und Vandalismus bei der An- und Abreise der Fans zu Spielen in Bussen und Bahnen verantwortlich gemacht werden sollen.

Mehr als eine Dreiviertel Milliarde Euro Steuern

Rauball wollte auch die Frage, ob die Polizeieinsätze weiter dem Steuerzahler zugemutet werden können, nicht unbeantwortet lassen, schließlich steht sie bei all diesen Diskussionen im Raum, auch wenn sie niemand stellt. „Ungefragt“, wie er den Journalisten zum Schluss des Gipfels vorhielt, wies er deshalb darauf hin, dass die Vereine der DFL mehr als eine Dreiviertel Milliarde Euro Steuern und Abgaben pro Jahr zahlten. Da darf auch dieser Steuerzahler für Ordnung und Sicherheit beim Fußball von der Polizei erwarten.

“Wichtig ist: alle Vereine ziehen an einem Strang“, lobte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. „Fankultur ist Leidenschaft“, behauptete er, und: „Fankultur und Gewalt schließen einander aus.“ Mit der Drohung, dass es bei Gewalt und dem Einsatz von Pyrotechnik keine Kompromisse und nichts zu verhandeln gebe, machte er allerdings deutlich, dass er sich der Sache nicht ganz sicher ist. Dabei hatte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ins gleiche Horn gestoßen mit seinem Diktum: „Wer für Fußball ist, ist gegen Gewalt.“

Randalierer schneller identifizieren

Dennoch planen die Vereine, Gewalttäter und Randalierer genauer und schneller zu identifizieren und, über verlängerte Hausverbote hinaus, direkt in Regress zu nehmen. Strafen, die Vereinen aufgebürdet werden, sollten direkt auf die Straftäter im Publikum umgelegt und bei ihnen eingetrieben werden, kündigte Rauball an - er musste allerdings die kleine Einschränkung machen: „Wenn wir diese Leute kriegen.“ Damit dies besser gelingt, sollen die Vereine sich verpflichteten, weitere Sicherheitssysteme wie Videoüberwachung einzuführen und das Sicherheitspersonal und ihre Ausbildung zu zertifizieren. Dies wird Gegenstand weiterer Beratungen sein. Borussia Dortmund, das bestätigte dessen ehemaliger Präsident Rauball, will 400.000 Euro in ein neues Überwachungssystem seiner Zuschauer und Fans investieren.

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© DPA

Die Rettung der Stehplätze wird von Politik und Liga zum „Schutz der einzigartigen Fankultur in Deutschland“ verklärt. Schon vor Tagen hatte sich Friedrich von der Forderung nach Abschaffung dieser Unruheherde in den Fußballstadien distanziert. Doch dieser Schutzraum für die besonders heißblütigen Fans bleibt gefährdet. „Das Thema Stehplätze ist nicht endgültig vom Tisch“, sagte Rauball. „Wenn sich die Dinge dramatisieren, stehen sie wieder auf der Tagesordnung.“ Man suche den Dialog mit Fans, nicht aber mit Hooligans.

Ein Kodex, keine Entscheidungen

Der entsprechende Kodex, den alle 53 teilnehmenden Vereine in Berlin unterschrieben und der nicht mit Entscheidungen verwechselt werden darf, ist eine Entschließung gegen Gewalt und Feuerwerk und die Ankündigung von härteren Sanktionen. Der Zweitligaverein Union Berlin, der als einziger nicht am Gipfel teilnahm, kritisierte, dass es statt eines Konsens diese Deklaration gegeben habe und nannte den Gipfel eine Akklamationsveranstaltung.

Dass die Vertreter der Fans sich übergangen fühlen, machte nach der Konferenz Jakob Falk von der Fanvertretung „Pro Fans“ deutlich. „Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass wir zu dem sogenannten Gewaltgipfel nicht eingeladen worden sind“, sagte er der Deutschen Presseagentur. „Im Grunde ist es ohne Fan-Vertreter zwecklos, über Maßnahmen gegen Gewalt im Fußball zu Diskutieren.“ Rauball dagegen findet, dass die Fans mehr als je zuvor im Dialog und in den Gremien vertreten seien. „Es muss möglich sein, dass dann diejenigen, die die Verantwortung tragen, entscheiden was richtig und was falsch ist“, sagte er in Berlin.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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