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Fußball Schweinsteiger wie ein kleiner Scholl

10.06.2005 ·  Die beiden Tore des Mittelfeldtalents im Länderspiel gegen Rußland versetzen den Zwanzigjährigen nun vor Beginn des Confederation Cup, dem angekündigten großen WM-Test, in eine hervorragende Ausgangslage.

Von Michael Ashelm, Mönchengladbach
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Bloß nicht übertreiben mit großen Worten, könnte dem Empfänger ja zu Kopf steigen. "Ich will ihn nicht zuviel loben", antwortete Michael Ballack auf die Frage nach der Leistung seines jungen Münchner Fußballkollegen Bastian Schweinsteiger. Dabei grinste der Kapitän der Nationalelf, weil er doch nicht umhin kam, den auffälligen Auftritt des jungen Mittelfeldmannes entsprechend zu würdigen. "Basti ist schon ein kleiner Mehmet Scholl", so Ballack - und noch wichtiger aus diesem Munde: "Das wird ihm einen Riesenschub geben in der Nationalmannschaft."

Daß sich Schweinsteiger derzeit auf dem Platz besonders wohl fühlt, war in den vergangenen Wochen entweder beim FC Bayern oder im Spiel für Deutschland schon zu spüren. Daß er sich gleich für beide Tore (30., 69. Minute) des Abends im Länderspiel gegen Rußland verantwortlich zeigte, versetzt das zwanzig Jahre alte Mittelfeldtalent nun vor Beginn des Confederation Cup, dem angekündigten großen WM-Test, in eine hervorragende Ausgangslage. "Er hat sich zielstrebig nach oben gearbeitet und sich positioniert. Wir sind mit seiner Entwicklung sehr zufrieden", kommentierte Bundestrainer Jürgen Klinsmann das Gesehene.

Gelassenheit und Zurückhaltung

Nachdem Schweinsteiger gegen Nordirland anfänglich noch auf der Ersatzbank hatte Platz nehmen müssen, weil der Coach im Mittelfeld komplett auf Erfahrung setzte, durfte der wendige wie spielfreudige Oberbayer am Mittwoch von Beginn an aufs Feld. Sein Dank ging nach Spielschluß deshalb erst einmal an den Bundestrainer, der aus seiner Sicht auch in schwierigen Momenten, als Schweinsteiger zu Saisonbeginn beim FC Bayern sporadisch nicht mal mehr dem Bundesligakader angehört hatte, immer zu ihm stand. "Das Vertrauen habe ich gemerkt, und es hat mir gutgetan. Für sein Land zu spielen ist das Größte", sagte Schweinsteiger.

Wie der Jungprofi, der als Jugendlicher zum FC Bayern kam und dort von der Pike auf im Jugendinternat auf einen Job beim anspruchsvollenRekordmeister vorbereitet wurde, mit dem jüngsten Erfolg umgehen wird, darüber herrscht unter den Mitstreitern Einigkeit - keine Gefahr. "Basti ist ein vernünftiger Kerl", so Ballack. Und die neueste Entdeckung der Nationalelf wiegelt selbst ab, er betont zu wissen, daß er nicht mehr als auf einem hoffnungsvollen Weg ist. Das bedeutet für ihn vor allem - Gelassenheit und Zurückhaltung üben. "Stolz bin ich nicht. Das kann Zidane sein, nicht ich", sagt Schweinsteiger.

Den Mannschaftsgeist pflegen

Statt sich alleine ins Blickfeld zu stellen, bemüht er sich lieber, ganz im Sinne von Klinsmann und Co. den Mannschaftsgeist der jungen Fußballgemeinschaft zu pflegen. Und da gibt sich Schweinsteiger gerne auch mal als amüsanter Spaßvogel mit krachendem bayerischen Lederhosen-Charme a la Sepp Maier. Als die Sprache auf seinen gleichaltrigen Mannschaftskollegen Lukas Podolski kommt, mit dem ihn eine Freundschaft verbindet, sagte Schweinsteiger am Mittwoch nach dem Spiel: "Wir können ihn beim FC Bayern gut gebrauchen." Und fügte an, Uli Hoeneß, der Münchner Manager, habe ihn deswegen schon beauftragt, "daß ich Poldi bearbeiten soll. Das mache ich jetzt auch." Ein Witz, ein Lacher, ein Grinsen. Der junge Schweinsteiger ist mit sich und der Welt zufrieden - und hat im Wettlauf um Reputation und Stammplätze Boden gutgemacht. "Er hat sich eine gewisse Position erarbeitet", urteilt Kapitän Ballack.

Quelle: F.A.Z., 10.06.2005, Nr. 132 / Seite 29
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