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Fußballklub verweigert Zahlung : „Nazischweine raus“ führt zu erbittertem Streit

  • -Aktualisiert am

Beim Spiel zwischen Babelsberg und Cottbus im April 2017 kam es zu unschönen Szenen. Im Bild die Cottbuser Anhänger. Bild: dpa

Nach Ausschreitungen im Regionalligaspiel gegen Cottbus weigert sich der SV Babelsberg, eine Strafe zu zahlen. Der Verband reagiert nun mit aller Härte.

          Wie viele Runden der Streit zwischen dem Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) und dem SV Babelsberg 03 nun schon dauert, lässt sich nicht mehr ganz leicht nachvollziehen. Sicher ist nur, dass eine weitere dazukommt. Der NOFV hat beim Verbandsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Verfahrens eingereicht. Sollte dem stattgegeben werden, könnte der Viertligaklub mit einer Spielsperre belegt werden. Hintergrund des seit Monaten andauernden Streits ist eine durch den Verband verhängte Strafzahlung in Höhe von 7000 Euro. Diese will der SV Babelsberg nicht bezahlen und ließ bereits zwei Fristen verstreichen, die letzte am vergangenen Freitag. Eine Spielsperre, so sie verhängt würde, würde erst im Falle einer Babelsberger Zahlung wieder aufgehoben werden.

          Der zu zahlende Betrag geht auf Vorkommnisse während des Spiels der Babelsberger gegen Energie Cottbus vom 28. April 2017 zurück. Damals war es zu Ausschreitungen zwischen den verfeindeten Fanlagern gekommen. Vermummte Cottbuser Anhänger hatten in Richtung des Babelsberger Blocks Naziparolen („Arbeit macht frei, Babelsberg 03“) gerufen und den Hitlergruß gezeigt. Es kam zu einem Platzsturm, beide Parteien beschossen sich mit Pyrotechnik. Im Anschluss waren beide Klubs durch den NOFV zu Geldstrafen verurteilt worden, gegen die sie Berufung einlegten.

          Unschöne Szenen: Anhänger von Energie Cottbus stürmten den Platz.

          Die Cottbuser Strafe wurde auf 6000 Euro reduziert. Der Babelsberger Antrag aber wurde abgelehnt, weil er laut NOFV entgegen den Statuten nicht handschriftlich durch befähigte Vereinsvertreter unterzeichnet war. Ein weiteres Urteil gegen Cottbus wegen „rechtsradikaler und antisemitischer Verfehlungen“ (5000 Euro) wurde aufgehoben. Dagegen legte der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes Revision ein – das DFB-Bundesgericht verhandelt darüber am 27. Februar.

          Der SV Babelsberg weigert sich, die 7000 Euro zu zahlen, weil der NOFV in seiner Urteilsbegründung unter anderem angeführt hatte, dass „eine Person mit einem roten Punkerhaarschnitt“ die Cottbuser Fans als „Nazischweine“ beschimpft hatte. Dies, so die Babelsberger, sei nur als Reaktion auf die Cottbuser Parolen geschehen. Der NOFV verteidigte seine Position: „Es konnte der Eindruck entstehen, der Verein sei wegen des Rufes ,Nazi-Schweine raus!‘ aus dem Babelsberger Fanblock zu einer Geldstrafe verurteilt worden, deren Zahlung er verweigere. Dem ist mitnichten so.“

          Unterstützend heißt es an anderer Stelle: „Bis zur Urteilsfindung wurde das Sportgericht von keiner Seite – auch nicht in den Stellungnahmen des SV Babelsberg 03 – auf rechte Parolen, Hitlergrüße etc. hingewiesen, somit waren ihm diese nicht bekannt und kein Bestandteil der erstinstanzlichen Urteile.“ Angesichts der eindeutigen Fernsehbilder ist diese Aussage jedoch kaum nachzuvollziehen. Was den Umgang mit den verbalen Entgleisungen der Cottbuser Zuschauer angeht, steht der Verband in der Kritik. Beide Seiten haben sich inzwischen so weit voneinander entfernt, dass eine baldige Klärung kaum mehr möglich erscheint. „Ich sehe bei den permanenten Lügen des NOFV wenig Chancen auf eine Einigung“, sagt 03-Präsident Archibald Horlitz. „Vielmehr fühlen wir uns durch die jüngsten Erklärungen des Verbandes, die wiederholt unwahr sind, bestärkt, dass wir uns im Recht befinden und vor einem ordentlichen Gericht erfolgreich sein werden.“ Für diesen Donnerstag hat der SV zudem eine aktuelle Stellungnahme angekündigt.

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