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Fußball : Niersbach schlägt zurück: „Anmaßend!“

Kampfeslustig: DFB-Präsident Niersbach gibt in der Hitze des Wortgefechtes mit dem Ligaverband nicht klein bei Bild: dpa

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes reagiert ungewöhnlich schroff auf die Kritik aus Kreisen der Fußball-Liga. Geschäftsführer Rettig dürfte allerdings keinen Alleingang gewagt haben - der heftige Disput hat vielmehr strategische Qualität.

          Die Kritik von DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig an den Strukturen und der Führung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) haben in der Frankfurter Zentrale für mächtig Wirbel gesorgt. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach reagierte mit scharfen Worten auf die Äußerungen Rettigs in der F.A.Z.:„Wenn nun ein Mann, der noch kein halbes Jahr bei der DFL angestellt ist, so ziemlich alles und jedes in unserem Verband, dazu noch sachlich falsch, infrage stellt, ist dies anmaßend und völlig unangebracht“, sagte Niersbach gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Der DFB-Präsident möchte die Kritik Rettigs auf der nächsten Präsidiumssitzung an diesem Freitag zur Sprache bringen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der DFL-Geschäftsführer hatte unter anderem Defizite in der Sportkompetenz innerhalb der Verbandsstruktur ausgemacht. Er forderte recht unverblümt eine Neuorganisation des Deutschen Fußball-Bundes in dessen Spitze. „Dass die Führung eines so großen Verbandes von einer hauptamtlichen Person geleistet werden kann, da habe ich meine Zweifel. An dieser Stelle des DFB kommen sehr viele Aufgaben zusammen“, hatte Rettig gesagt.

          Keine Einzelmeinung

          Der 50 Jahre alte ehemalige Manager der Bundesligavereine 1. FC Köln, SC Freiburg und FC Augsburg, der am 1. Januar 2013 seinen Posten bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) angetreten hatte, vertritt mit seinem Wunsch einer Neustrukturierung nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung allerdings keine Einzelmeinung innerhalb der Liga. Die DFL kann sich neben DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock einen Fußballexperten auf dieser hierarchischen Ebene gut vorstellen. Zudem sollen Ligavertreter auch eine Reduzierung der DFB-Spitze - dem Präsidium gehören 17 Mitglieder an, dem Vorstand 38 - für angebracht halten.

          „Ich kann mich nur wundern. Denn bei meinen ständigen Kontakten mit Ligapräsident Reinhard Rauball haben wir uns immer einvernehmlich abgestimmt, etwa bei so wichtigen Themen wie der EM-Bewerbung 2020 oder den Sicherheitsfragen - in diesem Geist haben wir auch den Grundlagenvertrag bis 2017 verlängert“, sagte Niersbach zu den weiteren Kritikpunkten Rettigs. So hatte der DFL-Geschäftsführer auch den „vorauseilenden Gehorsam“ des DFB bei der Bewerbung um die Finalwoche bei der EM 2020 zugunsten des türkischen Verbandes moniert. Einige Bundesligaklubs hätten noch Millionenbeträge an unbeglichenen Forderungen gegenüber türkischen Vereinen offenstehen. Auch dieser Aspekt hätte der DFB, so Rettig, in seinen sportpolitischen Aktivitäten Rechnung tragen sollen.

          Der DFL-Geschäftsführer hatte zudem ein Mitspracherecht der DFL in der Besetzung des Postens des DFB-Sportdirektors nachdrücklich eingefordert. In dieser Sache seien auch Ligainteressen berührt. Die Kritik von Rettig wird in DFB-Kreisen als Frontalangriff gewertet. Angesichts der umfänglichen Vorwürfe und der medialen Praxis im Fußballgeschäft liegt die Annahme nahe, dass die Attacke nicht ohne Kenntnis von Christian Seifert, dem Vorsitzenden der DFL-Geschäftsführung, und Reinhard Rauball, dem Präsidenten des Ligaverbandes, erfolgt sein dürfte. Die spannende Frage dürfte nun allerdings sein, ob Rettig auch offiziell die Unterstützung von den Spitzenkräften der Liga erhält. Niersbach erweckt zwar den Eindruck, als handele es sich um einen Alleingang Rettigs, aber dagegen sprechen frühere Äußerungen des Ligaverbandspräsidenten Rauball. Auch der hatte schon ein neues Anforderungsprofil für den DFB-Sportdirektor gefordert, als der Posten noch mit Robin Dutt besetzt war.

          Häufigere Reibereien in der Vergangenheit

          Dass sich innerhalb der Liga Unzufriedenheit über die Führung des Deutschen Fußball-Bundes breitmacht, ist schon länger ein offenes Geheimnis. Der Vorwurf lautet, dass es Präsident Niersbach an sportpolitischer Führung vermissen lasse und er unbequeme Entscheidungen scheue. Zuletzt jedoch hatten der DFB und die DFL noch sehr einvernehmlich den Grundlagenvertrag um weitere vier Jahre verlängert. „Der Grundlagenvertrag bleibt der nachhaltige Beweis für die Einheit und die Solidarität im deutschen Fußball“, hatte Niersbach nach der Präsidiumssitzung des Verbandes Anfang Mai gesagt, auf der das neue Vertragswerk einstimmig verabschiedet worden war.

          Der Ligavorstand hatte dem neuen Kontrakt schon zuvor vorbehaltlos zugestimmt, auch wenn einige Punkte zunächst strittig waren. Der Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL regelt die wechselseitigen Rechte und Pflichten zwischen beiden Verbänden, nachdem sich die Liga 2001 für eigenständig erklärt hatte. In der Vergangenheit war es häufiger zu Reibereien zwischen den Vertretern von Profis und Amateuren gekommen, vor allem bei der Verteilung von Geldern. Der aktuellen Auseinandersetzung wird in Verbandskreisen eine neue, auch strategische Qualität zugesprochen.

          Quelle: F.A.Z.

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