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Im Gespräch: Nationalspielerin Lena Goeßling : „Jede Spielerin hat Selbstverantwortung“

  • Aktualisiert am

Nationalspielerin Lena Goeßling: „Wenn man ein Turnier spielt, dann will man es auch gewinnen“ Bild: AFP

Beim Algarve-Cup bestreiten Deutschlands Fußballfrauen am Mittwoch das Endspiel gegen Japan (15.10 Uhr). Im Interview spricht Mittelfeldspielerin Lena Goeßling aber schon Richtung WM 2015 und die damit verbundenen Pflichten der Spielerinnen.

          Nachträglich Glückwunsch zum Geburtstag am Sonntag. Sie müssen Jahr für Jahr ihren Geburtstag beim Algarve-Cup verbringen. Vermissen Sie den Festtag im Kreis ihrer Lieben?

          Ich habe mich in den letzten fünf, sechs Jahren dran gewöhnt. Ich weiß kaum noch, wie ich Geburtstag ohne mein Nationalteam begehen würde.

          Nun haben Sie sich zum Geburtstag auch noch die Chance auf den Sieg beim Algarve-Cup geschenkt. Machen Sie, nachdem Sie im Vorjahr das Triple mit dem VfL Wolfsburg und den EM-Titel mit dem Nationalteam gewonnen hatten, ihre Sammlung im Endspiel gegen Weltmeister Japan (15.10 Uhr/ zeitversetzt in Eurosport um 17.30 Uhr) innerhalb eines Jahres komplett?

          Wenn man ein Turnier spielt, dann will man es auch gewinnen – da ist es egal, ob der Algarve-Cup ein Testturnier ist oder ein Wettbewerb wie die anderen Erfolge, die Sie genannt haben. Es wäre deshalb schon fein, wenn das gelingen würde.

          Wie hoch ist denn der Algarve-Cup in einem Jahr ohne WM oder EM zu bewerten?

          Hier sind viele andere gute Nationen und deshalb ist das Turnier immer eine Standortbestimmung. Auch wenn alle Teams viel experimentieren, ist es trotzdem ein Turnier mit Niveau. Vor allem aber ist es eine wichtige Vorbereitung auf ein wichtiges Jahr.

          2014 ist wichtig, weil Ihr Team die Qualifikation für die WM endgültig klarmachen muss nach bislang fünf klaren Siegen in fünf Spielen. Bundestrainerin Silvia Neid betonte aber auch, dass parallel dazu auch schon die Vorbereitung auf die WM 2015 begonnen hat wegen eines engen Terminkalenders in der kommenden Saison. Wie wirkt sich das aktuell auf Sie aus?

          Wir haben hier in Portugal viel darüber gesprochen. Die Bundestrainerin hat uns dafür sensibilisert, dass wir mit einer anderen Situation als sonst vor Turnieren zurechtkommen müssen. Wir sollen uns beispielsweise darauf einstellen, selbstständig Ausdauereinheiten einschieben zu müssen.

          Geburtstagskind und Torschützing: „Ich weiß kaum noch, wie ich Geburtstag ohne mein Nationalteam begehen würde“
          Geburtstagskind und Torschützing: „Ich weiß kaum noch, wie ich Geburtstag ohne mein Nationalteam begehen würde“ : Bild: AFP

          Silvia Neid betont auch gerne, dass zusätzlich zu Torhüterin und Weltfußballerin Nadine Angerer bis zur WM zwei bis drei Feldspielerinnen den Sprung in die absolute Weltklasse schaffen müssen. Sie waren bei der Weltfußballerinnenwahl Dritte, in Europa sogar Zweite. Fühlen Sie sich da noch angesprochen, wenn es um Weiterentwicklungsbedarf geht?

          Auch ich habe natürlich noch Potenzial, um mich weiterzuentwickeln. Erst einmal möchte ich wieder auf das Niveau vom Vorjahr kommen und dann habe ich sicher Potenzial, im athletischen Bereich noch einiges draufzupacken. Das ist noch meine Schwäche, an der ich arbeiten muss.

          Wird Ihnen dann von der Bundestrainerin genau vorgegeben, wie Sie diese Schwächen zu beheben haben?

          Jede Spielerin hat auch eine gewisse Selbstverantwortung. Das ist dann schon meine Aufgabe, das mit meinem Vereinstrainer Ralf Kellermann zu koordinieren.

          Ein großes Thema im Frauenfußball ist auch der Kunstrasen, auf dem bei der WM in Kanada gespielt werden soll. Haben Sie sich schon damit beschäftigt?

          Das ist natürlich im Hinterkopf. Da müssen wir uns nach bestandener WM-Qualifikation wahrscheinlich mit entsprechendem Vorlauf drauf vorbereiten. Das ist schon ein anderer Fußball, den wir dann erleben werden.

          Kann Ihnen der Belag, der anders als die Spielfelder jetzt an der Algarve keine Unebenheiten kennt, nicht auch entgegenkommen als einer Spielerin, die von ihrem Passspiel lebt?

          Ich mag Rasen schon eher. Ich kenne es aber auch gar nicht anders. Ich trainiere schon immer auf Naturrasen und spiele fast nur darauf. Aber vielleicht wird mir die Umstellung nicht so schwer fallen. Das mag hoffentlich sein.

          Sie mussten zuletzt in der Bundesliga mit Auswechslungen und Einwechslungen zurecht kommen. Wie gehen Sie damit um?

          Wir haben einen starken Kader. Wenn der Trainer dann der Ansicht ist, dass ich mal auf die Bank muss, dann ist das so.

          Tat Ihnen die Reise zur Nationalmannschaft gut nach diesen ungewohnten Erlebnissen und nach der jüngsten Bundesliga-Niederlage in München?

          Sicher kam das für uns Wolfsburgerinnen zu rechten Zeit. Die Niederlage in München war frustrierend, weil wir das nicht eingeplant hatten. Nun haben wir fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer FFC Frankfurt. Da dürfen wir uns keine Fehler mehr erlauben, wenn wir noch eine Chance auf die Titelverteidigung haben wollen.

          Daneben haben Sie auch noch den Titel in der Champions League zu verteidigen. Da geht es im Viertelfinale gegen den FC Barcelona. Spüren Sie Vorfreude wegen des großen Namens oder betrachten Sie das ganz realistisch als ein Duell mit einem im Frauenfußball weit weniger etablierten Gegner?

          Barcelona klingt natürlich immer gut. Und wir kennen Sie auch aus dem Vorjahr. Sie spielen schon einen schönen Kurzpass-Fußball, auf den wir uns vorbereiten müssen.

          Kurzpässe werden Sie auch im Algarve-Cup-Endspiel gegen Japan erleben. Was erwarten Sie?

          Den Weltmeister will man natürlich immer besonders gerne schlagen. Das ist klar. Aber wichtiger ist, dass wir uns noch einmal gegen einen guten Gegner Sicherheit in unseren Abläufen holen können.

          Das Gespräch führte Daniel Meuren.

          Quelle: FAZ.NET

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