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Fußball-Nationalmannschaft Zwanziger und die Quadratur des Kreises

03.02.2010 ·  DFB-Präsident Zwanziger möchte mit Bundestrainer Löw verlängern und Sportdirektor Sammer nicht verärgern. Die leitenden Angestellten streiten sich aber mit Leidenschaft um Konzepte für die U21 - oder geht es doch nur um Machtansprüche?

Von Michael Horeni, Berlin
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Eigentlich ist alles geklärt. Seit Monaten. DFB-Präsident Theo Zwanziger und Bundestrainer Joachim Löw haben immer wieder versichert, sich über eine Vertragsverlängerung einig zu sein, grundsätzlich. Alles andere sei nur Formsache. Doch unterschrieben ist der Vertrag bis 2012 trotz aller Ankündigungen immer noch nicht.

Erst hieß es, dass es mit der Zeit vor Weihnachten ein bisschen knapp sei, kein Problem. Dann aber ließ Löw, obwohl doch schon alles geklärt schien, erste Vorbehalte verlauten: „Die grundsätzliche Bereitschaft, die Zusammenarbeit bis nach der EM 2012 fortzusetzen, besteht - bis zur Unterzeichnung eines neuen Vertrages müssen aber noch einige Punkte besprochen und geklärt werden, die mir und meinem Team für die weitere Arbeit wichtig sind.“

Das passte nun nicht ganz zur Interpretation des DFB, der schon von einem Vertrag „per Handschlag“ sprach. Dann wies der Bundestrainer zu Beginn des Jahres nochmals darauf hin, „dass ich Verantwortung für das Trainerteam habe, das bestimmte Wünsche und Vorstellungen hat. Ich werde deshalb der Letzte sein, der seinen Vertrag unterschreibt.“ Schon da durfte man sich fragen: Ist vielleicht doch nicht alles so klar?

Das letzte Wort, nicht die alleinige Verantwortung

An diesem Donnerstag ist nun eine außerordentliche Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) angesetzt, bei der es um die Vertragsverlängerung des Trainerteams mitsamt Manager Oliver Bierhoff geht. Aber beim DFB geht man trotzdem nicht unbedingt davon aus, dass das Thema Vertragsverlängerung danach endgültig vom Tisch sein wird. Denn inhaltlich wird am Tag nach Löws 50. Geburtstag auch über die Zuständigkeiten bei der U-21-Auswahl diskutiert - dem ständigen Streitpunkt zwischen Bundestrainer und Manager auf Seiten der Nationalelf sowie Sportdirektor Matthias Sammer.

Am Montag gab es in der DFB-Zentrale deshalb schon ein Gespräch zwischen DFB-Präsident Theo Zwanziger, Generalsekretär Wolfgang Niersbach sowie Löw und Bierhoff. Demnach soll der Verband dem Bundestrainer vorgeschlagen haben, bei der Trainerbesetzung, Spielphilosophie und Spielerabstellung für die A-Nationalmannschaft das letzte Wort in der U21 zu haben - aber eben nicht die alleinige Verantwortung. Zudem solle die Position von U-21-Trainer Rainer Adrion gestärkt werden, den Löw auf ausdrücklichen Wunsch zum DFB geholt hatte. Sammer dagegen bevorzugte Heiko Herrlich, der nun beim VfL Bochum erfolgreich in der Bundesliga arbeitet.

Die U21, U19 und U17 sind die aktuellen Europameister

Zwanziger sendete zuletzt Signale, dass sich der Bundestrainer auch als Chef der U21 fühlen könne. Aber das war nie ganz eindeutig. „Jeder weiß, dass ich mit dem Bundestrainer verlängern und dies auch beschleunigen will. Weil es eigentlich nur auf die WM-Vorbereitung ankommt. Darauf müssen wir uns konzentrieren“, sagt Zwanziger nun. Aber der DFB-Präsident will es sich auch nicht mit dem von ihm geschätzten Sportdirektor verderben.

Aus Sicht von Sammer ist der Alleinvertretungsanspruch des Bundestrainers in Sachen U21 inhaltlich nicht zu rechtfertigen. Der Sportdirektor, der sich 2006 den Job gegen den Widerstand des damaligen Bundestrainers Klinsmann sowie Bierhoffs sicherte, kann dabei auf eine erstaunliche Aufbaubilanz verweisen. Die U21, U19 und die U17 sind die aktuellen Europameister. Das hat noch kein Verband geschafft. Der Sportdirektor möchte, dass auch an der Schnittstelle zur Nationalelf nach demselben Konzept wie in den anderen Nachwuchsteams gearbeitet wird. Die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre könne so am besten fortgeführt werden.

„Der Jogi kann alle Spieler haben“

Sammer kann nicht verstehen, wenn dieses Modell nun ausgerechnet bei der U21 wieder aufgegeben würde - und die Mannschaft mit Trainer Adrion losgelöst von den Strukturen arbeiten würde, die zu drei Titeln führten. Im Umfeld von Sammer wird daher gefragt, ob es bei der U21 tatsächlich um Inhalte gehe - oder um Machtansprüche von Löw und Bierhoff.

Umgekehrt gilt dasselbe. Der Bundestrainer sieht die U21 als natürliche Verbindung zur A-Nationalmannschaft. „Die Diskussion im Moment gefällt mir nicht. Sie gibt kein gutes Bild. Man muss die Inhalte in den Mittelpunkt rücken, nicht die Personen“, sagte Sammer am Sonntag als Experte des Senders Sky.

Der Sportdirektor, den mit Bierhoff ein EM-Titel und ein arg strapaziertes Verhältnis verbindet, kämpft um die U21 und seinen Einfluss. „Jeder, der sich ein bisschen auskennt, weiß, dass die U21 grundsätzlich parallel zur A-Mannschaft spielt. Wie soll das denn in der Praxis möglich sein, dass man diesen Weg auch ein Stück weit mit begleitet? Der Jogi kann alle Spieler haben, er kann sogar den Trainer bestimmen, aber die Tagesarbeit muss irgendwo gemacht werden“, sagt Sammer. Seine Position ist im DFB-Präsidium bestens bekannt - und wird geschätzt.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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