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Fußball-Nationalmannschaft Sticheleien als Ausdruck der Stärke

02.07.2010 ·  Bastian Schweinsteiger ging bereits in die Wort-Offensive. Nun legt Kapitän Lahm nach: Er fordert im Viertelfinale gegen Argentinien endlich einen Sieg gegen einen großen Gegner. England zählt er schon nicht mehr dazu.

Von Michael Ashelm, Pretoria
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Dieses Turnier um die Fußball-Weltmeisterschaft ist für die jungen deutschen Spieler nicht nur ein hochwertiger Leistungswettbewerb, sondern zugleich ein lehrreicher Aufbaukurs für ein gestärktes Selbstwertgefühl. Galten die Talente des Bundestrainers Joachim Löw bislang in vielen Fällen als zu brav und lieb für die rauhe Fußballwelt, ergibt sich nach mehreren Wochen Erfahrung im fernen Südafrika ein ganz anderes Bild deutschen Benimm-Stils. Überall und immer wieder wird das gewachsene Selbstbewusstsein dieser Fußballer-Generation spürbar.

Mit seinen jüngsten Äußerungen gegen den Viertelfinalgegner Argentinien sorgte Bastian Schweinsteiger kurz vor dem Duell für einen überraschenden Knalleffekt. Im Rückblick auf die Handgreiflichkeiten nach dem WM-Viertelfinale vor vier Jahren im Berliner Olympiastadion bezeichnete er den Gegner vom Samstag als respektlos und sprach ihm einen guten Charakter ab. Nach dem verlorenen Elfmeterschießen vor vier Jahren hatten die Südamerikaner ihren Frust mit Faustschlägen und Tritten abreagiert. Als nun der deutsche Kapitän Philipp Lahm am Donnerstag gefragt wurde, ob er erschrocken sei über die Äußerungen seines Vertreters im Mannschaftsrat, sagte er nur kurz und bündig: „Überhaupt nicht.“

Von der Mannschaftsleitung geplant war Schweinsteigers Wort-Offensive wohl nicht. Aber sie passt zum neuen Stil der Nationalmannschaft, die ihren sportlichen Erfolg auf dem Platz und das attraktive Spiel verbindet mit einem selbstsicheren Auftreten außerhalb der Fußball-Arena. Kapitän Lahm hatte nach dem ersten WM-Spiel gegen Australien gesagt, diese Nationalelf sei qualitativ die beste, in der er bisher gespielt habe. Die Sticheleien vom Mittwoch an die Adresse der Argentinier werden Maradonas Spieler wohl kaum verunsichern, aber sie sollen Stärke demonstrieren und vielleicht den Schiedsrichter in eine ganz bestimmte Richtung sensibilisieren.

„Wir wissen, dass die Südamerikaner temperamentvoll sind“, sagte Lahm. Auch Teammanager Oliver Bierhoff hat da seine Meinung: „Die Argentinier sind sonst herzliche, gesellige Menschen. Aber wenn es auf den Platz geht, schieben sie das zur Seite. Dann gibt es Diskussionen und Provokationen.“ Zugleich empfahl er den eigenen Spielern, während der Partie kühlen Kopf zu bewahren. Schweinsteigers Bemerkungen sähe er außerdem als „nicht so brisant“.

Das Angriffsdreieck mit Messi, Higuain und Tevez sucht seinesgleichen

Im Krieg der Worte hatte sich nach Schweinsteigers Attacke gleich Diego Maradona gemeldet und per Fernsehinterview eine erste verbale Gegenoffensive gestartet. „Was ist mir dir los, Schweinsteiger? Bist du nervös?“, fragte der Trainer der Argentinier mit selbstgerechter Attitüde vor der Kamera. Weiter wollte er nicht darauf eingehen. Rein sportlich betrachtet sehen sich beide Mannschaften gerüstet für das Duell am Samstag in Kapstadt. Auf deutscher Seite fehlten im Training zwar drei Spieler. Doch zumindest bei Lukas Podolski (leichte Muskelverhärtung) und Mesut Özil (Erholung) soll es keine Bedenken wegen der Einsatzbereitschaft geben. Nur Cacau wird wohl wegen seiner Bauchmuskelzerrung wieder nicht zum Zug kommen.

In den vergangenen Tagen hatten die deutschen Spieler und Verantwortlichen der Mannschaft aber auch betont, wie schwer es werden würde gegen diese Argentinier, die ihre Stärken vor allem in der Offensive hätten. Ihr Angriffsdreieck mit Messi, Higuain und Tevez sucht seinesgleichen. Trotzdem seien Schwächen im System zu erkennen, hatte der Bundestrainer optimistisch angeführt. Für Philipp Lahm steht die Ausrichtung für das Duell in jedem Fall fest: „Es wird Zeit, mal wieder einen großen Gegner zu schlagen. Es ist schon lange her, dass uns das gelungen ist“, sagte er bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Die Zwischenbemerkung aus dem Saal, dass seiner Mannschaft dies doch erst am Sonntag gegen England gelungen sei, konterte der Kapitän: „Argentinien, Spanien und Brasilien zähle ich zu den großen Gegner - England nicht mehr.“

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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