09.07.2010 · Die deutsche Elf war die stürmische WM-Entdeckung, aber gegen Spanien bekam sie Grenzen aufgezeigt. Nun sind Fragen zu klären: Was wird aus Michael Ballack? Bleibt Bundestrainer Joachim Löw? Antworten werden bald benötigt.
Von Michael Horeni, PretoriaFalls Joachim Löw unter der Niederlage gelitten haben sollte, die an diesem Abend in Durban einen großen deutschen Fußballtraum beendete, sah man ihm das zumindest nicht an. Der Bundestrainer saß eine halbe Stunde nach dem 0:1 gegen die übermächtigen Spanier ohne jede größere emotionale Regung auf dem Podium der Pressekonferenz. Er sprach ruhig, sachlich, klar. Äußerlich hatte er nur sein Lachen der letzten Wochen verloren. Und wenn man nicht gewusst hätte, dass es sich um das wichtigste Fußballspiel des Bundestrainers in seiner vierjährigen Karriere gehandelt hatte, das gerade chancenlos verloren gegangen war, dann hätte man angesichts der routinierten Betrachtungen auch glauben können, es habe sich um eine unangenehme Niederlage in irgendeinem Qualifikationsspiel gehandelt, die sich aber im nächsten Spiel wieder ausbügeln ließe.
Vom emotionalen Drama, das sein argentinischer Kollege Diego Maradona eine Woche zuvor geliefert hatte, nachdem seine Schwächen als Trainer offenbar wurden, trennte den Bundestrainer eine ganze Gefühls- und Ideenwelt. Nur in seinem ersten Satz, als Löw davon sprach, dass die Enttäuschung nach einem verlorenen Halbfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft natürlich groß sei, verließ er ganz kurz das Feld, auf dem er sich auch in der Niederlage am wohlsten fühlt - in der Analyse eines Fußballspiels.
Löw konnte offenbar ganz gut mit der Niederlage leben, und das lag an der paradoxen Mischung - weil sie vom Ergebnis zwar knapp, aber sportlich eindeutig ausfiel und sie seiner Mannschaft ausgerechnet von seinem eigenen Vorbild zugefügt wurde. Am spanischen Original hat Löw sein deutsches Werk ausgerichtet, mit dem er die Fußball-Welt in Südafrika bis zum Halbfinale mit 13 Toren, herrlichen Kombinationen und jungen, frischen Gesichtern begeistert hatte. Und wenn schon diese wunderbaren Wochen zu Ende gehen mussten, dann doch für Löw am liebsten gegen jene spanischen Meister, die er als das Maß aller Fußballdinge schon seit mehreren Jahren ansieht.
„Die waren eine Klasse besser als wir“
Der Bundestrainer scheute sich daher auch nicht, die iberischen Kontrollexperten, die den Ball und Gegner wie an einem unsichtbaren Faden laufen ließen, schon vor dem Finale an diesem Sonntag gegen die Niederlande zum neuen Weltmeister auszurufen. „Sie haben uns die Grenzen aufgezeigt“, sagte Löw über einen Auftritt der Spanier voller Ball- und Spielbeherrschung, mit dem die stürmische und spielerische Entdeckung dieser Weltmeisterschaft an diesem Halbfinaltag wieder in eine junge Lerngruppe verwandelt wurde. Wenn schon jemand die Deutschen und ihren Trainer mit taktischer Reife und spielerischer Klasse Schachmatt setzt, dann doch bitte die spanischen Könige dieses Spiels.
Was hat da nur gefehlt? „Manche von uns konnten die Hemmungen nie richtig ablegen. Wir hatten nicht den Mut und die vollständige Überzeugung, unsere Aktionen zu Ende zu spielen“, sagte der Bundestrainer über seine fußballerische Prinzengarde, die nun in den kommenden Jahren noch lernen soll, was die Spanier gegen Deutschland fast schon zur Perfektion betrieben. Aber erklären konnte sich Löw die Ehrfurcht nicht, die seine jungen Eroberer von der ersten Minute an den Altmeistern des gepflegten Fußballs entgegenbrachten. „Die waren eine Klasse besser als wir“, stellte Lukas Podolski ohne Wehklagen fest. „Wir wollten in die Zweikämpfe, aber wir kamen nicht in die Zweikämpfe“, staunte Miroslav Klose über die Unverwundbarkeit, die sich die Spanier mit ständig zirkulierenden Bällen verschafften. „Eigentlich hätten die doch vor uns Respekt haben müssen nach dem Turnierverlauf“, grübelte Torwart Manuel Neuer. „Aber es war umgekehrt.“ Hat da am Ende doch etwa Michael Ballack gefehlt?
Keine Unterwerfungsgesten für Ballack
So weit wollte der Bundestrainer natürlich nicht gehen. Und die meisten Spieler um Kapitän Philipp Lahm, der die Binde als Trophäe und Beweis der neuen jungen Stärke der Nationalelf in Südafrika einfach nicht mehr ausziehen will, selbstverständlich erst recht nicht. Aber des Bundestrainers Analyse wies schon in die Richtung, dass Erfahrung ein zu rares Gut zumindest an diesem Tag war, an dem die Mannschaft diesmal nicht so schön stürmisch Tritt fasste wie zuletzt, und auch keinen Zusatzplan entwickeln konnte, wie den Spaniern mit mehr Respektlosigkeit und Giftigkeit beizukommen gewesen wäre (wie das zum Beispiel Paraguay zeigte).
„Wenn wir im Mittelfeld mal den Ball erkämpft haben, haben wir ihn zu schnell wieder verloren“, stellte Löw ganz treffend fest. Und auch Bastian Schweinsteigers Antriebskräfte, mit denen er sich und seine Mannschaft bei diesem Turnier in die Weltklasse geführt hatte, erlahmten am Ende. Und somit war nach dem Abpfiff der WM-Hoffnungen auch die Frage wieder aktuell, was der Kapitän a.D. in Zukunft für eine Rolle spielen kann und soll. Lahm sprach nur noch von einem guten Spieler und Schweinsteiger immerhin davon, dass Ballack der Mannschaft helfen könne. Mit offenen Armen und Unterwerfungsgesten wird der alte Käpt'n jedenfalls nicht begrüßt werden.
Die Entwicklung hat gerade erst begonnen
Aber, ganz nebenbei, wer wird eigentlich der Trainer sein, wenn das Spiel um Platz drei am Samstag in Port Elizabeth vorbei sein wird und das erste Testspiel schon einen Monat später wieder in Dänemark ansteht? Die Mannschaft jedenfalls sprach sich eindeutig nach sechs Jahren für eine Fortsetzungsgeschichte mit Löw aus. „Seitdem Joachim Löw bei der Nationalmannschaft ist, sind wir viel stärker geworden. Wir sind eine der besten Mannschaften der Welt, waren in allen Turnieren vorne dabei“, sagte Schweinsteiger. „Der Trainer hat in entscheidenden Situationen gezeigt, was er imstande ist zu leisten mit so einer jungen Mannschaft“, lobte Klose. Und Podolski forderte, dass „das ganze Team weitermachen kann“ - mit Löw, dem im Verband stark umstrittenen Manager Bierhoff und allen anderen Helfern der vergangenen sechs Jahre.
Der Bundestrainer äußerte sich über eine weitere Anstellung, die ihm DFB-Präsident Zwanziger nach den zu Jahresbeginn geplatzten Verhandlungen mehrfach angeboten hatte, nach der Niederlage distanzierter als zuletzt. „Die Mannschaft wird - egal wer der Trainer sein wird - in dieser Besetzung zusammenbleiben. Das ist der Kern. Die Entwicklung ist nicht zu Ende. Sie hat gerade erst begonnen.“
Dass der Fußball-Liebhaber diese Mannschaft lieber niemand anderem übergeben möchte, versteht sich von selbst. Ob er seine Macht einsetzt, um für seinen gesamten Stab nach diesem WM-Turnier zu kämpfen, ist offen. Einflussreiche Unterstützung haben Löw und Co. am Donnerstag jedenfalls schon erhalten. Die Kanzlerin rief im Quartier an und gratulierte, „dass die Mannschaft ein hervorragendes Bild von Deutschland abgegeben hat“. Angela Merkel rief übrigens gleich zweimal an und dankte doppelt: bei Löw und bei Bierhoff. Ein Zeichen, das auch in der DFB-Zentrale angekommen sein dürfte.
War doch klar, oder?
kurt richard (kurtrichard)
- 09.07.2010, 14:39 Uhr
@ Rolf-Peter Lacher
Detlef Stark (wool-web)
- 09.07.2010, 15:03 Uhr
Fr. Merkel ???
Guenter Meilinger (gomeilinger)
- 09.07.2010, 15:19 Uhr
Löw nicht mehr tragbar
Jim Greek (Jos_Vik)
- 09.07.2010, 15:23 Uhr
Der Lehrling und sein Meister!
Uwe Wagner (view)
- 09.07.2010, 15:39 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |