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Fußball-Nationalmannschaft : Löw bleibt Löw

Bundestrainer Joachim Löw fühlt eine neue Kälte um sich herum Bild: dapd

„Ich halte nichts vom Kasernenhofton“: Der Bundestrainer gibt sich in seiner ersten Erklärung nach dem 4:4 gegen Schweden sehr kämpferisch - und ein bisschen einsichtig. Aber die Notwendigkeit für weitreichende Veränderungen sieht er nicht.

          Am Montagmorgen stimmte Joachim Löw mit der Medienabteilung des Deutschen Fußball-Bunds sein Krisenmanagement ab. Nach der zuletzt stetig anschwellenden Debatte um die Nationalelf und seine eigene Rolle nach dem 4:4 gegen Schweden wollte Löw nach halbwegs überstandener Erkrankung nun ganz schnell seinen Bericht zur Lage der Fußball-Nation abgeben, und nicht mehr auf das nächste ZDF-Sportstudio warten, wo er sich eigentlich schon am vergangenen Samstag erklären wollte. Löw griff also am Montagmittag zum Telefon und stellte sich in einer Telefonkonferenz den Fragen der drei Nachrichtenagenturen dpa, sid, dapd.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Bundestrainer gab sich, wie es hieß, in dem Gespräch einsichtig und kämpferisch. Aber die Notwendigkeit für weitreichende Veränderungen sieht er nicht. Auf die Frage, ob er Bedarf für größere Veränderungen erkenne, antwortete der Bundestrainer: „Die aktuelle Situation hilft uns, die Weichen jetzt nochmals richtig zu stellen. Insofern hat es vielleicht auch etwas Positives. Das ist mir lieber, als wenn wir im Herbst 2013 feststellen müssen, dass wir in so eine negative Situation rutschen. Grundsätzlich wird die Mannschaft an so einer Situation auch wachsen. Das wird uns jetzt nicht mehr so passieren, da bin ich mir sicher.“

          Von seiner taktischen Grundhaltung und seinem Führungsverhalten will der Bundestrainer aber auch nach der sportlich erschütternden halben Stunde gegen Schweden, die nur wenige Monate auf die EM-Enttäuschung gegen Italien folgte, nicht abrücken. „Ich stehe zu dieser Generation mit all den Stärken und Schwächen, die wir im Moment haben“, sagte Löw.

          „Unser Umgang mit den Spielern ist von Respekt geprägt. Ich halte nichts von einem Ton wie auf dem Kasernenhof. Wir setzen auf Kommunikation, natürlich geben wir die Richtung vor. Das haben wir die letzten Jahre auch kompromisslos gemacht, wenn es um die sportlichen Dinge ging. Daher bin ich von unserem Weg weiter überzeugt, den wir weiter gehen werden, ohne blind für Verbesserungen zu sein. Festzuhalten bleibt: Diese Mannschaft hat sich trotz allem hervorragend entwickelt.“

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          Die Kritik am Bundestrainer hatte sich sportfachlich vor allem auf sein schwaches Coaching konzentriert. Als seine Mannschaft nach den Gegentoren zum 4:2 immer weiter in Bedrängnis geraten war, hatte er die Offensivkräfte Mario Götze und später Lukas Podolski in die Partie geschickt - und keinen defensiven Spieler. Auf einen dritten taktischen Wechsel, um ein bisschen Zeit herauszuholen, verzichtete Löw sogar in der Nachspielzeit.

          „Ich konnte auch nicht glauben, dass das Spiel kippt. Ich hätte in der Schlussphase mit einer Auswechslung ein Signal an die Mannschaft senden und noch etwas stoppen können. So etwas habe ich in 20 Jahren auch noch nicht erlebt. Daraus lerne auch ich“, sagte Löw. Ob er den Vorwurf, nicht reagiert zu haben, nachvollziehen könne? „Natürlich, absolut.“

          „Es beschleicht einen das Gefühl, es gebe keinen Plan B“

          Die Kritik an seinen Spielern in der entscheidenden Phase - ihren Mangel an Widerstands- und Führungskraft - hat in diesen Tagen von den ehemaligen Nationalspieler Oliver Kahn besonders prägnant formuliert. „Es muss in einem Spiel wie gegen die Schweden irgendwann vorbei sein, sich nur spielerischer Mittel zu bedienen. Spätestens nach dem 4:2 gilt es, den Fokus auf Ergebnissicherung, auf defensive Stabilität zu legen“, sagte der frühere Kapitän der Nationalmannschaft. „Es beschleicht einen das Gefühl, dass die Mannschaft auf Extremsituationen nicht angemessen reagieren kann, es fehlt ein Plan B.“

          Löw nahm seine Spieler gegen diese Angriffe grundsätzlich in Schutz, auch wenn er mit ihrem Auftritt in der letzten halben Stunde gegen Schweden natürlich nicht zufrieden war. „Wir haben genügend Spieler, die eine Dominanz ausstrahlen. Es gilt nun, mit diesen Spielern auch daran zu arbeiten, dass wir genau dann, wenn die spielerische Ausrichtung nicht mehr so stimmt, auch ein positives, aggressives, dominantes Auftreten unter Druck zeigen. Wir hätten diesem Druck standhalten können. Wir alle.“

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          Es gelte nun, „daran zu arbeiten“. Aber es sei tatsächlich so, dass der Mannschaft ein Spieler fehle, der dazwischen haue, der auf Freund und Feind einschlage, um etwas zu bewegen. „Den haben wir nicht“, sagte Löw. „Darüber bin ich aber auch nicht böse, weil solche Spielertypen können auch mal viel kaputt machen. Da ist dann der Schaden größer.“

          In den vergangenen Tagen war auch die Frage aufgeworfen worden, ob der Bundestrainer überhaupt noch die Kraft besitze, um die DFB-Auswahl zur WM 2014 nach Brasilien zu führen. Hat Löw nun noch die nötige Energie und Motivation? „Was die Kraft betrifft, ist es so, dass sich ein Trainer nach einem Turnier mit der Enttäuschung aus einer Niederlage und einer emotionalen Vollbelastung von zwei Monaten natürlich immer fragt: Was gibt es an neuen Impulsen, an neuen Ideen? Das ist eine unglaublich spannende Aufgabe mit diesen hervorragenden Spielern mit charakterlicher Klasse“, sagte der Bundestrainer. „Deswegen freue ich mich wahnsinnig, dass ich mit solchen Spielern arbeiten kann.“

          Quelle: F.A.Z.

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