Home
http://www.faz.net/-gtl-73st6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fußball-Nationalmannschaft Löw bleibt Löw

„Ich halte nichts vom Kasernenhofton“: Der Bundestrainer gibt sich in seiner ersten Erklärung nach dem 4:4 gegen Schweden sehr kämpferisch - und ein bisschen einsichtig. Aber die Notwendigkeit für weitreichende Veränderungen sieht er nicht.

© dapd Vergrößern Bundestrainer Joachim Löw fühlt eine neue Kälte um sich herum

Am Montagmorgen stimmte Joachim Löw mit der Medienabteilung des Deutschen Fußball-Bunds sein Krisenmanagement ab. Nach der zuletzt stetig anschwellenden Debatte um die Nationalelf und seine eigene Rolle nach dem 4:4 gegen Schweden wollte Löw nach halbwegs überstandener Erkrankung nun ganz schnell seinen Bericht zur Lage der Fußball-Nation abgeben, und nicht mehr auf das nächste ZDF-Sportstudio warten, wo er sich eigentlich schon am vergangenen Samstag erklären wollte. Löw griff also am Montagmittag zum Telefon und stellte sich in einer Telefonkonferenz den Fragen der drei Nachrichtenagenturen dpa, sid, dapd.

Michael Horeni Folgen:  

Der Bundestrainer gab sich, wie es hieß, in dem Gespräch einsichtig und kämpferisch. Aber die Notwendigkeit für weitreichende Veränderungen sieht er nicht. Auf die Frage, ob er Bedarf für größere Veränderungen erkenne, antwortete der Bundestrainer: „Die aktuelle Situation hilft uns, die Weichen jetzt nochmals richtig zu stellen. Insofern hat es vielleicht auch etwas Positives. Das ist mir lieber, als wenn wir im Herbst 2013 feststellen müssen, dass wir in so eine negative Situation rutschen. Grundsätzlich wird die Mannschaft an so einer Situation auch wachsen. Das wird uns jetzt nicht mehr so passieren, da bin ich mir sicher.“

Mehr zum Thema

Von seiner taktischen Grundhaltung und seinem Führungsverhalten will der Bundestrainer aber auch nach der sportlich erschütternden halben Stunde gegen Schweden, die nur wenige Monate auf die EM-Enttäuschung gegen Italien folgte, nicht abrücken. „Ich stehe zu dieser Generation mit all den Stärken und Schwächen, die wir im Moment haben“, sagte Löw.

„Unser Umgang mit den Spielern ist von Respekt geprägt. Ich halte nichts von einem Ton wie auf dem Kasernenhof. Wir setzen auf Kommunikation, natürlich geben wir die Richtung vor. Das haben wir die letzten Jahre auch kompromisslos gemacht, wenn es um die sportlichen Dinge ging. Daher bin ich von unserem Weg weiter überzeugt, den wir weiter gehen werden, ohne blind für Verbesserungen zu sein. Festzuhalten bleibt: Diese Mannschaft hat sich trotz allem hervorragend entwickelt.“

„Das Comeback aller Comebacks“ © AFP Bilderstrecke 

Die Kritik am Bundestrainer hatte sich sportfachlich vor allem auf sein schwaches Coaching konzentriert. Als seine Mannschaft nach den Gegentoren zum 4:2 immer weiter in Bedrängnis geraten war, hatte er die Offensivkräfte Mario Götze und später Lukas Podolski in die Partie geschickt - und keinen defensiven Spieler. Auf einen dritten taktischen Wechsel, um ein bisschen Zeit herauszuholen, verzichtete Löw sogar in der Nachspielzeit.

„Ich konnte auch nicht glauben, dass das Spiel kippt. Ich hätte in der Schlussphase mit einer Auswechslung ein Signal an die Mannschaft senden und noch etwas stoppen können. So etwas habe ich in 20 Jahren auch noch nicht erlebt. Daraus lerne auch ich“, sagte Löw. Ob er den Vorwurf, nicht reagiert zu haben, nachvollziehen könne? „Natürlich, absolut.“

„Es beschleicht einen das Gefühl, es gebe keinen Plan B“

Die Kritik an seinen Spielern in der entscheidenden Phase - ihren Mangel an Widerstands- und Führungskraft - hat in diesen Tagen von den ehemaligen Nationalspieler Oliver Kahn besonders prägnant formuliert. „Es muss in einem Spiel wie gegen die Schweden irgendwann vorbei sein, sich nur spielerischer Mittel zu bedienen. Spätestens nach dem 4:2 gilt es, den Fokus auf Ergebnissicherung, auf defensive Stabilität zu legen“, sagte der frühere Kapitän der Nationalmannschaft. „Es beschleicht einen das Gefühl, dass die Mannschaft auf Extremsituationen nicht angemessen reagieren kann, es fehlt ein Plan B.“

Löw nahm seine Spieler gegen diese Angriffe grundsätzlich in Schutz, auch wenn er mit ihrem Auftritt in der letzten halben Stunde gegen Schweden natürlich nicht zufrieden war. „Wir haben genügend Spieler, die eine Dominanz ausstrahlen. Es gilt nun, mit diesen Spielern auch daran zu arbeiten, dass wir genau dann, wenn die spielerische Ausrichtung nicht mehr so stimmt, auch ein positives, aggressives, dominantes Auftreten unter Druck zeigen. Wir hätten diesem Druck standhalten können. Wir alle.“

© AFP, afp Vergrößern 4:4 - Drama gegen Schweden

Es gelte nun, „daran zu arbeiten“. Aber es sei tatsächlich so, dass der Mannschaft ein Spieler fehle, der dazwischen haue, der auf Freund und Feind einschlage, um etwas zu bewegen. „Den haben wir nicht“, sagte Löw. „Darüber bin ich aber auch nicht böse, weil solche Spielertypen können auch mal viel kaputt machen. Da ist dann der Schaden größer.“

In den vergangenen Tagen war auch die Frage aufgeworfen worden, ob der Bundestrainer überhaupt noch die Kraft besitze, um die DFB-Auswahl zur WM 2014 nach Brasilien zu führen. Hat Löw nun noch die nötige Energie und Motivation? „Was die Kraft betrifft, ist es so, dass sich ein Trainer nach einem Turnier mit der Enttäuschung aus einer Niederlage und einer emotionalen Vollbelastung von zwei Monaten natürlich immer fragt: Was gibt es an neuen Impulsen, an neuen Ideen? Das ist eine unglaublich spannende Aufgabe mit diesen hervorragenden Spielern mit charakterlicher Klasse“, sagte der Bundestrainer. „Deswegen freue ich mich wahnsinnig, dass ich mit solchen Spielern arbeiten kann.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mannschaft des Jahres Deutsches Fußball-Nationalteam gewinnt Laureus

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft setzt sich gegen das Formel-1-Team von Mercedes, die europäische Ryder-Cup-Mannschaft, Real Madrid, die San Antonio Spurs und das Davis-Cup-Team der Schweiz durch. Mehr

15.04.2015, 15:44 Uhr | Sport
Länderspiel gegen Gibraltar Löw unzufrieden nach 4:0-Sieg

Gegen den Fußball-Zwerg Gibraltar gelang dem Weltmeister am Freitagabend nur ein 4:0-Erfolg. Bundestrainer Löw hatte sich mehr von seiner Mannschaft erhofft. Mehr

15.11.2014, 10:30 Uhr | Sport
Bayern München Badstuber fällt lange aus

Schock für Bayern und Badstuber: Der Innenverteidiger und Nationalspieler muss wegen eines Muskelrisses schon wieder eine lange Pause einlegen. Mehr

23.04.2015, 17:34 Uhr | Sport
EM-Qualifikation Selbstkritik von Löw vor Gibraltar-Spiel

Der Start in die EM-Qualifikation verlief nicht wie gewünscht beim Weltmeister. Daher übt Bundestrainer Joachim Löw vor dem Spiel gegen Gibraltar am Freitag (20.45 Uhr) auch Selbstkritik. Mehr

14.11.2014, 10:38 Uhr | Sport
Bayern München Ein schlechtes Omen für Guardiola?

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist vom Posten des Mannschaftsarztes von Bayern München zurückgetreten. Das hatte er in den vergangenen 38 Jahren schon einmal kurzzeitig getan: in der Amtszeit von Jürgen Klinsmann. Kurze Zeit später war er zurück - und der Trainer weg. Mehr Von Daniel Meuren

17.04.2015, 09:46 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.10.2012, 17:13 Uhr

Mia san Pep

Von Michael Horeni

Pep Guardiola trifft mit dem FC Bayern München auf seine alte Liebe: Die Duelle mit dem FC Barcelona werden die härtestmögliche Prüfung für den katalanischen Trainer wie den bayrischen Klub. Mehr 1 7