Home
http://www.faz.net/-gtm-6kl56
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fußball-Nationalmannschaft Kroos kann Podolski links überholen

07.09.2010 ·  Beim Spiel gegen Aserbaidschan hilft Podolski der Heimvorteil, in Zukunft aber nur eine Leistungssteigerung, um vor Konkurrent Kroos zu bleiben. Ballack kommt zum Plaudern vorbei, aber viele Kollegen bemerken es nicht einmal.

Von Michael Horeni, Köln
Artikel Bilder (6) Lesermeinungen (3)

Leverkusen ist nur einen Katzensprung von Köln entfernt, und weil die Nationalelf auf ihrer zweiten Europameisterschaftsetappe in Richtung Polen und Ukraine ganz in der Nähe von Michael Ballacks neuem Fußball-Lebensmittelpunkt Station macht, schaute der Kapitän am Montag einfach mal kurz in seiner alten sportlichen Heimat vorbei.

Mit einer SMS kündigte der derzeit nicht benötigte und um seine Form kämpfende Mittelfeldspieler seinen Besuch beim Bundestrainer an, und so plauderten Ballack und Löw am Vortag der Qualifikationspartie gegen Aserbaidschan mal wieder ein bisschen. Aber über Ballacks Zukunft sprachen sie kein Wort, wie der Bundestrainer sagte, und auch ansonsten ging das Kaffee-Gespräch wohl nicht allzu sehr in die Tiefe.

Löw jedenfalls glaubt nicht, dass sich Ballack, der über seine neue Rolle in der Nationalelf weiter schweigt, derzeit mit Rücktrittsgedanken beschäftige. Aber gefragt hat er ihn danach auch nicht. „Ich persönlich hatte nie das Gefühl, dass Ballack zurücktreten möchte. Das hat er in keinem Gespräch mit mir angedeutet, deshalb gehe ich auch davon aus, dass er es nicht tun wird. Ich wüsste auch ehrlich gesagt nicht, warum er das tun sollte“, sagte Löw gut gelaunt am Tag vor der Partie gegen Aserbaidschan.

„Ich habe gar nicht gewusst, dass er da war“

Ein paar Gründe gäbe es da natürlich schon. Aber davon haben auch Ballacks Mitspieler am Montag nichts mitbekommen. Um genau zu sein, haben viele nicht einmal gemerkt, dass der Capitano überhaupt im Quartier vorbeischaute. Torwart Manuel Neuer war sichtlich überrascht, als er auf der Pressekonferenz gefragt wurde, wie denn der Kontakt mit dem Kapitän ausgesehen habe. „Ich habe gar nicht gewusst, dass er da war.“

Und auch Lukas Podolski, der neben dem Torwart auf dem Podium saß, verlor über die Stippvisite Ballacks kein Wort. Die Nationalspieler treiben scheinbar ganz andere Gedanken um, als sich um die Zukunft des bald 34 Jahre alten Kapitäns zu kümmern. Neuer möchte gegen die vom Ramadan angeblich geschwächte Mannschaft von Berti Vogts ohne Gegentor seine Stellung als Nummer eins festigen. Und Podolski hat derzeit ohnehin genug mit sich und seiner Rolle in der Nationalmannschaft zu kämpfen - sein Stammplatz wackelt.

Die Treue hatte mit dem Mangel an Alternativen zu tun

Schon vor der Weltmeisterschaft in Südafrika hatte Podolski das Vertrauen des Bundestrainers durch eine weitere enttäuschende Saison in der Bundesliga auf eine harte Probe gestellt. Aber in Südafrika setzte sich der Stürmer wieder durch, wenn auch mit wechselhaften Auftritten. Doch nach seiner Auswechslung nach siebzig Minuten am Freitag beim 1:0 in Belgien, bei dem Podolski bis auf einen Torschuss durch keine gelungene Aktion auffiel, ist aus dem ehemaligen „Prinz Poldi“ auf dem Boulevard schon wieder balkengroß der „Problem Poldi“ geworden.

Tatsächlich muss der 25 Jahre alte Stürmer mit Blick auf die EM 2012 nach achtzig Länderspielen und vierzig Toren stärker um seine Stammposition kämpfen als in den vergangenen schwachen Bundesligajahren. Denn die Treue des Bundestrainers zu Podolski hatte immer auch mit dem Mangel an Alternativen zu tun. Aber nun hat Löw endlich jemanden gefunden, der der mitunter allzu schnell zufriedenen Frohnatur Beine machen kann: Bayern-Rückkehrer Toni Kroos.

Kroos hat seine Rolle als Herausforderer angenommen

Mit dem schon gegen Belgien für Podolski eingewechselten offensiven Mittelfeldspieler erwächst dem Kölner tatsächlich ein Konkurrent mit Potential und Perspektive wie es Podolski in den vergangenen Jahren nicht kannte. Aber seine regelmäßigen Schwächeanfälle - ob nun über Jahre beim FC Bayern, in Köln oder auch bei manchem Länderspiel - ändern offenbar nichts an Podolskis unerschütterlichem Selbstbewusstsein.

„Ich habe es nie überbewertet, wenn es bei mir gut gelaufen ist. Und ich nehme es jetzt auch nicht so tragisch, wenn es mal nicht läuft. Ich betone aber: Wenn ich wieder meine normale Form habe, wird es schwer, an mir vorbeizukommen“, sagte Podolski vor dem Duell gegen Aserbaidschan, bei dem er mit der Weltmeister-Legende Wolfgang Overath, seinem Klub-Präsidenten, zumindest nach Einsätzen im DFB-Team gleichzieht.

Löw freut sich, dass Kroos Podolski Beine macht

Kroos indes hat seine Rolle als Herausforderer ausdrücklich angenommen. „Konkurrent ist jeder Spieler, der da spielt, wo ich spielen kann. Es ist kein Geheimnis, dass ich links spielen kann. Wenn man das Gefühl hat, seinen Aufgaben gewachsen zu sein, dann will man auch spielen“, sagte der zwanzig Jahre alte Bayern-Profi vor dem Heimspiel Podolskis, bei dem der Kölner natürlich von Beginn an zum Einsatz kommt. „Lukas hat sich das erarbeitet. Er hat 80 Länderspiele, eine tolle Torquote und mehrere gute Turniere gespielt. Da muss ich hinkommen. Das ist meine Aufgabe für die nächsten fünf oder sechs Jahre“, sagt Kroos in der gebotenen Mischung aus Demut und Angriffslust.

Joachim Löw, dem bekennenden Freund und Förderer des internen Konkurrenzkampfs, gefällt das alles selbstverständlich sehr. „Er wird im läuferischen Bereich ein ganz anderes Engagement an den Tag legen. Ich bin überzeugt, dass er ein hervorragendes Spiel macht“, sagt der Bundestrainer über Podolskis Motivation dank des zusätzlichen Gegenspielers. Und wenn nicht, hat Joachim Löw eine so vielversprechende Möglichkeit wie lange nicht, darauf ganz schnell zu reagieren.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   21  32   46 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   21  35   44 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   21  22   43 Verbesserung zur Vorwoche
4.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   21  18   41 Verschlechterung zur Vorwoche
5.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   21  -1   33 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   21  0   31 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   21  -2   31 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   21  -11   27 Verbesserung zur Vorwoche
9.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   21  3   26 Verbesserung zur Vorwoche
10.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   21  -2   25 Verschlechterung zur Vorwoche
11.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   20  -11   24 Verschlechterung zur Vorwoche
12.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   21  -6   23 Verbesserung zur Vorwoche
13.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   20  -9   23 Verschlechterung zur Vorwoche
14.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   20  -12   21 Gleichheit zur Vorwoche
15.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   21  -11   20 Gleichheit zur Vorwoche
16.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   21  -11   18 Gleichheit zur Vorwoche
17.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   20  -14   17 Gleichheit zur Vorwoche
18.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   21  -20   17 Gleichheit zur Vorwoche

1899 Hoppenheim

Von Michael Horeni

Wer eine Viertelmilliarde in sein Hobby steckt, will mehr als den besten Platz im Stadion. Doch Dietmar Hopp wird derzeit zum Problem für seinen Klub TSG Hoffenheim. Mehr 3 9

Ergebnisse, Tabellen und Statistik