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Fußball-Nationalmannschaft Ernstfall in Aserbaidschan

10.08.2009 ·  Die Nationalmannschaft kämpft am Mittwoch 3400 Kilometer entfernt von der Heimat um WM-Qualifikationspunkte. Der Bundestrainer vertraut in Aserbaidschan bewährten Kräften - und lässt Torsten Frings zu Hause.

Von Christian Kamp, Baku
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Die Weltmeisterschaftssaison begann für Joachim Löw schmerzhaft – zumindest ein bisschen. Eine respektlose Wespe piekste den Bundestrainer, als der seine Profis gerade mit einer kleinen Ansprache auf die bevorstehenden Aufgaben auf dem Weg nach Südafrika eingestimmt hatte. Die Erstversorgung Löws war naturgemäß keine große Sache für die medizinische Abteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Deren Aufmerksamkeit galt beim lockeren Üben in Frankfurt am Sonntagnachmittag ohnehin einem anderen: Miroslav Klose. Der Angreifer des FC Bayern München hatte den Saisonauftakt in Hoffenheim wegen einer Knochenhautentzündung verpasst und drohte deshalb auch für das Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel an diesem Mittwoch (18 Uhr/ FAZ.NET-Länderspiel-Liveticker) in Aserbaidschan auszufallen.

Weil auch Patrick Helmes und Lukas Podolski verletzt fehlen, musste Löw schon ein veritables Sturmproblem fürchten, ehe am Abend die gute Nachricht kam: Klose kann – und war dann auch am Montagmorgen dabei, als die 19 Spieler der DFB-Auswahl um Kapitän Michael Ballack das Flugzeug nach Baku bestiegen. „Ich gehe davon aus, dass er einsatzfähig sein wird“, sagte Löw während des rund vierstündigen Fluges.

3400 Kilometer in die Ferne

Baku – viel weiter kann eine Dienstreise nicht führen, zumindest nicht in der WM-Qualifikation. Rund 3400 Flugkilometer legte das deutsche Team bis in die aserbaidschanische Hauptstadt zurück. Dort, an der Westküste des Kaspischen Meeres, kann man sich schon einmal die Augen reiben und fragen, ob das wirklich noch Europa ist (wohin die ehemalige Sowjetrepublik strebt), oder doch eher Orient. Von Teheran jedenfalls ist Baku kaum weiter entfernt als München von Berlin.

Dass der DFB-Tross in der Fremde auf alte Bekannte trifft – der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts zeichnet mit den Assistenten Uli Stein und Olaf Janßen für die aserbaidschanische Auswahl verantwortlich –, änderte nichts daran, dass die Planung Löw im Vorfeld ein wenig Unbehagen bereitet hatte. Als „außergewöhnlich“ bezeichnete er die Konstellation: nicht nur wegen der langen Anreise und der drei Stunden Zeitunterschied, sondern vor allem aufgrund des Zeitpunkts für dieses wichtige Spiel. Noch nie hat eine deutsche Nationalmannschaft den Ernstfall so früh in der Saison – nach nur einem Bundesliga-Spieltag – vor der Brust gehabt.

Immer wieder Frings

Weil Löw also noch nicht wirklich wissen kann, auf welchem Leistungsstand seine Kandidaten sich befinden, vertraute er weitgehend dem Bewährten. Der Stuttgarter Sami Khedira ist der Einzige im Kader, der noch kein A-Länderspiel absolviert hat. Dass Löw für den „U 21“-Europameister auf Torsten Frings verzichtete, ist zugleich ein deutliches Signal an den Bremer Kapitän. Man darf es wohl für einen längerfristigen Vertrauensentzug halten – zumal Löw seine Entscheidung gegenüber Frings etwas unschlüssig begründete, nämlich damit, dass ein erfahrener Mann wie er auch ein Kandidat für die erste Elf sein müsse (und derzeit Thomas Hitzlsperger die Nase vorn habe). Zuletzt hatte Löws Ansage in Richtung Frings noch gelautet, er müsse sich auch mal mit der Bank zufriedengeben.

Der Mittelfeldspieler reagierte recht knurrig (siehe: Nationalmannschaft: Frings sauer wegen Nichtnominierung) – Löw blieb gelassen. Aus seiner Sicht sorge das Thema nicht für Unruhe, sagte er am Montag. Zwanzig Minuten habe er mit Frings telefoniert, um ihm die Lage zu erläutern. „Er weiß, woran er ist.“ Während die Debatte um Frings schon etwas rückwärtsgewandt wirkte, stellt sich für die Zukunft vor allem die Frage, wer sich im WM-Jahr den Stammplatz im Tor erkämpfen wird. Nach Baku hat Löw Robert Enke und Tim Wiese mitgenommen, die jüngeren René Adler und Manuel Neuer blieben zu Hause. Eine Vorentscheidung bedeute das aber noch nicht, betonte Löw.

Wie ein Pokalspiel

In Baku, wo Ost und West sich treffen, geht es ohnehin erst einmal darum, eine sportliche Grenzerfahrung zu vermeiden: den Gang in die Play-off-Spiele, die Löw als „besondere Stresssituation“ bezeichnete. Bei noch vier ausstehenden Partien liegt die deutsche Mannschaft zwar einen Punkt vor Russland. Doch weil sich nur der Gruppenerste direkt qualifiziert, ist das alles andere als ein komfortabler Vorsprung – zumal die DFB-Auswahl am 10. Oktober noch zum Duell beim größten Rivalen antreten muss. Dort, auf dem Moskauer Kunstrasen, zu bestehen wird schwer genug. Da wäre es höchst hilfreich, die beiden Spiele gegen Aserbaidschan (das Rückspiel ist am 9. September in Hannover) unbeschadet zu überstehen, um dann – so die Hoffnung – am 14. Oktober in Hamburg gegen Finnland die Qualifikation für die Endrunde im kommenden Jahr in Südafrika feiern zu können.

„Am Mittwochabend stellt sich nicht die Frage, wie stark Aserbaidschan ist, sondern: Wie spielen wir?“, sagte Löw. Dass er die Aserbaidschaner, denen in bislang fünf Qualifikationsspielen kein einziges Tor gelang, nicht als Fußball-Zwerg durchgehen lassen wollte, gebot ihm schon der Respekt vor Vogts’ Aufbauarbeit. Löw verglich die Aufgabe mit der eines Bundesligaklubs, der sich im Pokal bei einem Zweitligavertreter eine Runde weiter durchkämpfen muss – nicht ohne Risiko also. Löw schätzt die Reise nach Aserbaidschan deshalb vor allem als eine Frage des Kopfes ein. Bei zwölf noch zu vergebenden Punkten sei klar: „Würde man in ein Spiel mit weniger Einstellung gehen, könnte das schon verhängnisvoll sein.“ Mit der Landung am Montagnachmittag war er schlagartig eine weitere Sorge los. Von der „extremen Hitze“, die er befürchtet hatte, war nichts zu spüren. 21 Grad und bewölkt – das wirkte fast schon heimelig.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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