07.06.2010 · Die Fußball-Nationalelf ist am Morgen um 7.15 Uhr in Südafrika gelandet. Mit dem jüngsten Kader seit 1934 tritt sie bei der WM an. Das eröffnet Chancen, aber es bleibt auch Skepsis. Denn das Projekt wurde aus der Not geboren.
Von Michael AshelmHorst Hrubesch ist ein interessanter Mann. Nicht nur, weil er auf eine lange, erfolgreiche Karriere im Fußball verweisen kann und nebenbei seine Vielseitigkeit als Angelbuchautor sowie bei der Zucht von Edelbluthaflingern beweist. Seine fachliche Expertise erhält in diesen Tagen heiße Aktualität, verbindet den 59 Jahre alten ehemaligen Klassestürmer doch eine Besonderheit mit dieser deutschen WM-Mission.
Hrubesch, ausgezeichnet mit dem Trainerpreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), kann von sich behaupten, dass mehr als die Hälfte der Spieler des aktuellen deutschen Kaders in den Nachwuchsmannschaften des Verbandes durch seine Hände gelaufen sind. Im vergangenen Jahr in Schweden gewann er mit der U-21-Auswahl den Europameisterschaftstitel, aus der nun mit Torwart Neuer, Boateng, Aogo, Khedira, Özil und Marin sechs junge Profis mit nach Südafrika fahren.
Dass mindestens drei von ihnen einen Stammplatz in Deutschlands erster Elf sicher haben, sieht Hrubesch als Bestätigung seiner positiven Grundeinstellung zur Fußballjugend des Landes. „Das sind alles gute Typen, ehrlich gegen sich selbst und mit einer professionellen Einstellung. Ich gehe davon aus, dass sie da runterfahren, um Weltmeister zu werden. Nur das kann das Ziel sein“, sagt er.
Was der Altinternationale und Talentförderer als so selbstverständlich darstellt, ist zugleich ein gewagtes Fußball-Experiment. Die Deutschen werden mit der jüngsten Mannschaft seit 1934 an einem Weltturnier teilnehmen, nachdem Verletzungsausfälle - allen voran die Absage des 33 Jahre alten Kapitäns Ballack - und Nichtberücksichtigungen erfahrener Kräfte wie Frings oder Kuranyi die Personalstruktur des Teams völlig verändert haben.
Wie reagieren die Spieler in Extremsituationen?
Seine Strategie konnte der Bundestrainer innerhalb weniger Wochen komplett überarbeiten. Aus der Zusammenstellung der Elf für Südafrika ist Deutschlands schwierigstes Puzzlespiel geworden - chancenreich, aber auch äußerst herausfordernd beim Ergänzen der richtigen Einzelteile. Die Vorbereitungsphase und die bevorstehenden Aufgaben bieten reichlich Raum für Interpretationen. Beteiligte, Fachleute und Stammtische diskutieren. Was Deutschland betrifft, so hat diese WM 2010 schon wieder ihren ganz eigenen Reiz.
Für den Bundestrainer gilt mehr als zuletzt das Prinzip Hoffnung. „Wir haben in der Mannschaft Spieler, die zwar über hohes Potential, aber nicht allzu viel Erfahrung verfügen. Wir wissen natürlich nicht, wie diese jungen Spieler in Extremsituationen reagieren werden und ob sie ihre wahre Leistung abrufen können. Das ist schwer kalkulierbar“, sagt Joachim Löw. „Aber eines weiß ich, sie sind belastbar. Und es ist ja nicht so, als wäre es erfahrenen Spielern noch nie passiert, dass sie dem Druck eines Turniers nicht standhielten.“
Im Kader klafft eine eklatante Erfahrungslücke
Die letzte Trainingswoche in ihrem Quartier bei Pretoria, das am Vormittag nach der Ankunft um 7.15 Uhr in Südafrika bezogen wurde, kann das Team mit einem guten Gefühl angehen. Zwei Siege in zwei ernstzunehmenden Testspielen gegen Ungarn und Bosnien-Hercegovina, sechs Tore, nur ein Gegentreffer, viel Spielwitz und geschlossenes Engagement - das kann Mut machen. Auch der Bundestrainer, der nach den Querelen des Winters um seine Vertragsverlängerung wohl zum letzten Mal in dieser Funktion für den DFB tätig sein wird und dessen Personalauswahl vor der Kader-Nominierung Anfang Mai kritisch begleitet wurde, ist vorerst gestärkt.
Es gefällt ihm, mit welcher Agilität und Leidenschaft sein verjüngtes Ensemble die Chancen zu nutzen scheint. Doch bleibt die Skepsis bei dem Projekt, das in kürzester Zeit großteils aus der Not geboren wurde. Im Kader klafft eine eklatante Erfahrungslücke, zwischen Leuten wie Klose, Schweinsteiger, Lahm, Podolski, Friedrich und Mertesacker mit 60 Länderspielen aufwärts und denen wie Neuer, Badstuber, Boateng, Khedira, Kroos, Marin, Özil und Müller, welche im besten Fall nicht über zehn Einsätze hinauskommen.
Liegt der Knackpunkt in Ballacks Verletzung?
„Motivation und jugendlicher Ehrgeiz sind wichtig. Aber es ist nicht alles. Auch hohe Kompetenz ist für den Erfolg nötig“, sagt der erfahrene Sportpsychologe Ulrich Kuhl aus Essen. „Gerade in kritischen Situationen, wie sie im Verlauf eines WM-Turniers oft vorkommen, braucht eine Mannschaft Leute, die antreiben, Initiative ergreifen und nicht zurückstecken.“ Dafür stand in der Vergangenheit Ballack.
Hier könnte der Knackpunkt liegen. Ballacks Aufgaben sollen der neue Kapitän Lahm und im Mittelfeld dann vor allem Schweinsteiger übernehmen, der von allen Nationalspielern in dieser Saison den größten Schritt nach vorne getan hat. „Er muss nun beweisen, ob er nicht nur seine Leistung, sondern auch die des Mannschaftsgefüges steuern kann“, sagt Kuhl.
„Das, was wir reinstecken, holen wir wieder heraus“
Der Essener Sportpsychologe will sich überraschen lassen, ob die jungen Spieler, die bislang ihre Fähigkeiten noch nicht auf breiter Ebene und bei unterschiedlichen Bedingungen entfaltet hätten, wirklich dem WM-Niveau standhalten. Kuhl gebraucht den Begriff der „Selbstwirksamkeits-Überzeugung“. „Es ist das Gefühl einer Mannschaft: Das, was wir reinstecken, holen wir auch wieder heraus. Dieses Gefühl führt dazu, dass Spieler in Drucksituationen freier sind und dann eben auch mal den riskanteren Pass spielen“, sagt er. Aber wird sich diese kraftstrotzende Sicherheit wirklich aufbauen?
Die Mitglieder des Nationalteams reagieren auf solche Fragen nicht nur gelassen, sondern mit größtem Selbstverständnis. „Diese Mannschaft ist spielsicherer und passsicherer als die von 2006. Das ist ein ganz anderer Fußball als vor Jahren“, behauptete Schweinsteiger nach dem 3:1-Sieg am vergangenen Donnerstag gegen die Bosnier.
„Die Jungs wissen ihre Leistung richtig einzuschätzen“
Zuvor im Trainingslager wies Mertesacker darauf hin, dass im Vergleich zu den Seinen, die nach 2004 vom damaligen Bundestrainer Klinsmann als Jungspunde aufgebaut wurden, die neue Khedira- und Özil-Generation wesentlich mutiger sei. „Die trauen sich mehr zu“, sagte der Innenverteidiger. Ob dieser Glaube nicht nur aufgesetzt ist, sondern auf dem Platz eigendynamisch in Extraleistung umgesetzt werden kann, wird sich schnell zeigen.
Einer wie Hrubesch bewertet das positiv. „Ich kenne die Jungs, die wissen ihre Leistung richtig einzuschätzen“, sagt der Nachwuchsexperte. „Jetzt können wir endlich mal widerlegen, dass es sich bei den jungen Talenten um Weicheier handelt.“ Den WM-Start wird Hrubesch vor dem Fernseher auf seinem Bauernhof mitten in der Lüneburger Heide sehen. Aber er denkt daran, doch noch nach Südafrika zu fliegen. Er war ja immer ein Optimist.
... das Projekt wurde ( nicht ) aus der Not geboren ... es ist Lows Projekt
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 07.06.2010, 13:17 Uhr
... das Projekt wurde ( nicht ) aus der Not geboren ... Lows Projekt 2x
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 07.06.2010, 13:38 Uhr
Lieber Peter Slater...
Uwe Wagner (view)
- 07.06.2010, 17:36 Uhr
die britische Presse...
ingo steinhaeuser (einer_von_80_mio)
- 10.06.2010, 17:20 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |