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Fußball-Nationalmannschaft Der ewige Poldi - ein Auslaufmodell?

 ·  Lukas Podolski hat einst die neue deutsche Jugendbewegung in der Fußball-Nationalmannschaft eingeleitet - jetzt könnte er ein Opfer seiner besser ausgebildeten Nachfolger werden. Wenigstens gegen Ecuador (20.30 Uhr) ist er mangels Konkurrenz aber als Führungsspieler gefragt.

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© dpa Vergrößern Ganz schön heiß hier: Podolski bekommt beim Training der Nationalelf die besonderen Bedingungen des Spätfrühlings in Florida zu spüren

Noch liegen die beiden Stürmer von heute und gestern gleichauf auf dem dritten Rang der deutschen Rekordspieler. Wenn jedoch alles nach Plan läuft, zieht Lukas Podolski an diesem Mittwoch gegen Ecuador (20.30 Uhr, live ARD und F.A.Z.-Liveticker) auch an seinem früheren Trainer Jürgen Klinsmann vorbei. In Boca Raton steht der 109. Einsatz von Podolski für die deutsche Nationalelf an. Klinsmann war fast 34 Jahre alt, als er seine Höchstmarke erreichte, Podolski überholt ihn schon in der Vorwoche seines 28. Geburtstags. Es sind nicht zuletzt Klinsmann und Podolski, mit deren Namen der große Aufschwung des deutschen Fußballs einher geht, der in diesen Tagen in Wembley einen neuen Höhepunkt erlebt hat. Der ehemalige Bundestrainer wird schon länger nicht mehr mit diesem Prozess in Verbindung gebracht, aber spätestens seit der vergangenen Europameisterschaft droht auch Podolski von der rasenden Entwicklung an den Rand gedrängt zu werden.

„Bei der Nationalmannschaft war es ein Jahr des Stillstands“, stellte nun Manager Oliver Bierhoff in einem Interview mit dem „Kicker“ nüchtern fest. „Ich bin ein Freund von klaren Worten - und auch Spieler müssen kritikfähig sein und mit Tatsachen leben.“ Man kann in diesen Tagen, in denen auch der Nationalelf nur einen Nebenrolle zufällt, den Eindruck gewinnen, dass Podolski die Tatsachen in eigener Sache etwas anders wahrnimmt. Er habe beim FC Arsenal eine gute Saison gespielt, sagte der Stürmer in Miami. Er halte es für normal, dass es nach so langer Zeit in der Nationalelf auch zu Schwankungen komme. „Man muss nicht über alles diskutieren. Wenn es einige Jahre bergauf ging, da kann man auch mal Stillstand haben.“ Die „Zeit“ hat ihn zuletzt als „jüngsten Alten“ des neuen deutschen Fußballs bezeichnet, und tatsächlich droht Podolski zum ersten prominenten Opfer dieser schnellen deutschen Jugend-Entwicklung zu werden, für die er selbst wie kaum ein anderer stand.

So wenig Einsatzzeit wie noch nie

Die damals neu entdeckte Jugendlichkeit der Generation WM 2006 trug seinen Namen, „Poldi und Schweini“ waren das Synonym für den Neuanfang. „Schweini“ jedoch mag schon lange nicht mehr „Schweini“ genannt werden. Graue Schläfen hat er schon bekommen, und wenn er sich zu Wort meldet, dann redet er nicht einfach drauflos wie früher, sondern wägt seine Worte, so dass der frühere Bundestrainer feststellte, mit diesen Fähigkeiten könne er auch in die Politik gehen. Und Philipp Lahm hat sich längst in der Rolle des Kapitäns der Nationalelf und des FC Bayern eingerichtet und damit seinen Einfluss gemehrt. Poldi aber ist Poldi geblieben, vor dem Mikrofon und auf dem Platz. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich nie in den Vordergrund gestellt habe, wenn es um Kapitänsfragen oder Führungsansprüche ging. Ich freue mich einfach, diesen Job ausüben zu dürfen. Es macht immer Spaß, hier dabei zu sein“, sagte Podolski in Miami gegenüber „dfb.tv“ über sein Rollenverständnis bei der Nationalmannschaft. „Ich bin viel lieber hier als woanders.“

Die jungen Spieler, die ihm wie Marco Reus (23 Jahre), Mario Götze (20) und auch André Schürrle (22) derzeit voraus sind, wirken auf dem Platz nicht nur frischer, sondern schlicht und einfach auch besser ausgebildet als der Vorläufer der deutschen Jugendbewegung, vor allem taktisch. Ein akzeptables Defensivverhalten hat sich Podolski über die Jahre erst mühsam aneignen müssen, während die junge Generation das Umschaltspiel und die entsprechende Laufwege von Kindesbeinen an verinnerlicht hat. „Er hat uns immer wieder unglaublich geholfen. Er ist unglaublich wichtig für die Mannschaft. Aber die Entwicklung im letzten Jahr war bei der Nationalmannschaft eben nicht so zufriedenstellend“, sagt Bierhoff. „Poldi merkt, dass gerade auf seiner Außenposition andere Spieler Druck machen.“ Nun darf er gegen Ecuador wieder einmal von Beginn an spielen, das war ihm seit dem EM-Halbfinale gegen Italien nur noch einmal vergönnt. In dieser Saison bekommt Podolski sogar vorgerechnet, nur 218 Minuten zum Einsatz gekommen zu sein, so wenig wie noch nie in seiner fast auf den Tag genau zehnjährigen Karriere in der DFB-Auswahl.

Bei Arsenal hat Podolski zusammen mit Per Mertesacker im letzten Saisonspiel die Qualifikation für die Champions League erreicht. Er gab den Pass zum entscheidenden 1:0. In London machte Podolski 42 Pflichtspiele, davon 33 in der Premier League, mit elf Toren und zehn Vorlagen. Sein Trikot verkauft sich in England hervorragend, während der Saison war er unter den Top Ten. „Wenn man das ganze Jahr sieht, bin ich vollkommen zufrieden, auch privat. Ich fühle mich vollkommen wohl in London“, sagt er. Bierhoff jedoch mag Podolskis Zufriedenheit über seine erste Saison in England nur bedingt teilen. Es sei schön, dass er sich bei Arsenal „einigermaßen“ durchgesetzt habe, aber das habe er eben nicht vollständig getan, dafür sei er zu häufig ein- und ausgewechselt worden. In Florida wurde Podolski angesichts der unterschiedlichen Auffassungen gefragt, ob er mit Bierhoff mal über seine Situation gesprochen habe. Podolski verneinte - und schenkte dem Fußball, wie schon so manches Mal in seiner Karriere, einen Satz von geradezu philosophischer Weisheit: „Ich weiß, was ich an mir habe.“

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