Im Donnergrollen von Joachim Löws Kritikerschelte ist es fast untergegangen: Miroslav Klose wird versuchen, auch noch bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien den Ball für Deutschland ins gegnerische Tor zu schießen. Und das mit dem Wohlwollen des Bundestrainers. Eine in mehrerer Hinsicht bemerkenswerte Nachricht. Zum einen wird durch sie deutlich, dass Löw nicht dem Jugendwahn anheimgefallen ist, wie ihm manche unterstellten, nachdem er in den vergangenen Jahren einigen älteren Spielern zu einem früheren Abschied verholfen hat, als sie selbst wollten. Ballack, Frings, Rolfes, Cacau, Kießling und zuletzt Wiese wurden nicht mehr berücksichtigt, ehe sie zurücktreten konnten.
Zum anderen belegt der Vertrauensbeweis für einen 34 Jahre alten Stürmer den Mangel an spitzenmäßigem Nachwuchs auf dieser Position. Wenn - wie beim Spiel gegen Argentinien an diesem Mittwoch - Mario Gomez wegen einer Verletzung fehlt, dann gibt es gar keine Alternative zu Klose. Es sei denn, Löw testet die spanische Angriffsvariante ohne echten Mittelstürmer, sondern mit vier offensiven Mittelfeldspielern. Dann könnten Marco Reus oder Thomas Müller zu oder knapp vor Mesut Özil ins Zentrum rücken.
Mittelstürmer-Konkurrenz muss Klose nicht fürchten. Von den Jungen sind die ehemaligen U-23-Torjäger Julian Schieber und Peniel Mlapa sowie Nils Petersen noch meilenweit vom Können des 121-maligen Nationalspielers entfernt. Von den Älteren hat auch noch nie jemand zum Überholen ansetzen können: Weder die schon genannten Kießling und Cacau noch Helmes, Hanke und Schlaudraff dürfen es wagen, sich Klose-Herausforderer zu nennen. Jedes Zwischen-Hoch in ihren Karrieren konterte der Dauer-Torjäger locker.
Kaum ein Fußballprofi hat sich in seiner Karriere so stetig weiterentwickelt wie Klose. Als laufwütiger Verteidiger-Verfolger begann er in Kaiserslautern, dann eignete er sich die ungeheure Sprungkraft an, die ihn zum Kopfball-Spezialisten machte. Bei Werder Bremen verfeinerte er seine Schusstechnik, lernte, auch seinen linken Fuß zu benutzen, und unternahm schließlich den Sprung zum spielenden Mittelstürmer. Bei den Bayern kam das athletische Durchsetzungsvermögen auf höchstem Niveau hinzu.
Von allen Mittelstürmern ist es Klose am ehesten zuzutrauen, auch die aktuelle Forderung von Löw zu erfüllen. Das schnelle Attackieren unmittelbar nach Ballverlust hat der Bundestrainer in seiner EM-Analyse als größtes deutsches Manko ausgemacht. Die Stürmer seien dahingehend nicht ausgebildet worden. Klose hat sich immer selbst beigebracht, was ihm noch zum kompletten Stürmer fehlte.
Das ist mal eine Wohltat, Herr Heß
Hugh Greene (hughgreene)
- 15.08.2012, 17:52 Uhr
Klose :)
Gev Wels (gwels)
- 15.08.2012, 17:09 Uhr