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Fußball-Nationalmannschaft Ballack darf nicht zum Gespräch mit Löw reisen

24.10.2008 ·  Bundestrainer Löw und Kapitän Ballack hatten im „Kritik-Streit“ telefoniert und eigentlich ein Gespräch in Deutschland vereinbart. Doch da spielt Ballacks Arbeitgeber FC Chelsea nicht mit. Nun hat sich der Konflikt weiter zugespitzt.

Von Michael Horeni, Berlin
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Die Krise in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat sich am späten Freitagnachmittag weiter zugespitzt. Nachdem am Tag zuvor Joachim Löw Kontakt nach London aufgenommen und sich der Kapitän daraufhin beim Bundestrainer gemeldet hatte, um einen Termin für die Aussprache festzulegen, erreichte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Freitag gegen 16 Uhr ein Fax des FC Chelsea.

In freundlichem Ton wurde dem Verband aus London mitgeteilt, dass Ballack aus „gesundheitlichen Gründen“ vorerst nicht erlaubt werde, nach Deutschland zu reisen. Der Klub machte in dem Schreiben keine Angaben, zu welchem Zeitpunkt er eine Reise des Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft in die Heimat gestatte.

Chelsea und nicht Ballack informierten den DFB

Der Bundestrainer hatte deutlich gemacht, dass er Konsequenzen gegenüber dem 32 Jahre alten Kapitän vor allem vom Verlauf des klärenden Gesprächs abhängig mache. Dass nun aber offenkundig der FC Chelsea die Absage des Treffens an den DFB übermittelte, und nicht Ballack direkt den Bundestrainer darüber informierte, verschärft die Kontroverse zusätzlich. Die Führung der Nationalmannschaft entschloss sich daraufhin am Freitagnachmittag, an diesem Wochenende die neue Lage in einem gemeinsamen Gespräch zu erörtern.

Die Disziplinierungsmaßnahmen des Bundestrainers nach der direkten Kritik Ballacks an seiner Amtsführung und indirekter Kritik an Mitspielern in einem Interview mit dieser Zeitung (siehe: Michael Ballack im F.A.Z.-Interview: „Frings' Rücktritt wäre schlimm“) reichten zuletzt von einer Entschuldigung Ballacks, über den Entzug des Kapitänsamtes bis zum Rauswurf aus der Nationalmannschaft. Ballack hatte sich im Anschluss an die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Russland (2:1) und Wales (1:0) gutartige Knotenbildungen (Neurome) an beiden Füßen entfernen lassen und sich in dem Interview auch erstaunt darüber geäußert, dass sich Löw nicht bei ihm gemeldet hatte.

„Ich hoffe nicht, dass es zum totalen Bruch kommt“

Am Freitag haben sich zahlreiche Verantwortliche im deutschen Fußball für eine Lösung im Konsens ausgesprochen. „Ich hoffe nicht, dass es zum totalen Bruch kommt. Eine Nationalmannschaft ohne Ballack ist für mich derzeit schwer vorstellbar“, sagte Franz Beckenbauer in der „Bild“-Zeitung. Unterstützung erhielt der Bundestrainer auch von seinem Vorgänger Jürgen Klinsmann erhalten. „Die Situation ist recht einfach: Michael hat sich für seine Aussagen beim Trainer und seinen Teamkollegen zu entschuldigen. Ich gehe davon aus, dass er einsieht, einen Fehler gemacht zu haben, und dafür auch gerade steht“, sagte der Trainer des FC Bayern München.

Über die möglichen Konsequenzen für den Kapitän wollte sich Klinsmann jedoch nicht äußern. DFB-Präsident Theo Zwanziger betonte unterdessen, dass die Entscheidung über die Zukunft Ballacks in der Nationalmannschaft alleine in die Kompetenz des Bundestrainers falle. „Die Entscheidung trifft alleine der Bundestrainer und niemand sonst. Und ich werde dann informiert“, sagte der DFB-Präsident. Er äußerte jedoch ebenfalls die Hoffnung, „dass Konsequenzen in weitreichendem Ausmaß vermieden werden können“ und „beide eine Basis finden für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“.

Widerspruch für Ballack aus der Mannschaft

Bei dem Telefonat am Donnerstag zwischen Ballack und Löw waren inhaltliche Fragen ausgeklammert worden. Es habe sich lediglich um eine Terminabsprache gehandelt, hieß es beim DFB. „Nach einer ersten Kontaktaufnahme von Joachim Löw am Donnerstagmittag hat sich Michael Ballack am Abend bei ihm telefonisch gemeldet. Es wurde vereinbart, sich so schnell wie möglich zu treffen und ein Vier-Augen-Gespräch zu führen“, sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger.

Ballack hatte für seinen Attacken auch innerhalb der Mannschaft Widerspruch erfahren „Das war nicht professionell. Missstände gehören intern diskutiert, nicht über die Medien“, sagte der Berliner Arne Friedrich. Auch Philipp Lahm machte deutlich, dass öffentliche Kritik dem Ansehen der Mannschaft schaden würde: „Das bringt nichts.“ Auch der Hamburger Piotr Trochowski äußerte sich kritisch zu Ballacks Vorgehen: „Es steht niemandem zu, die Entscheidung des Trainers infrage zu stellen, vor allem, wenn es gut läuft. So etwas kann man intern klären.“ Die Verantwortlichen in der Mannschaftsführung hielten sich in den letzten Tagen mit Äußerungen zurück.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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