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Fußball-Nationalmannschaft 17 EM-Fahrer und zwei Talente

 ·  Beim ersten Fußball-Länderspiel nach der EM verzichtet Bundestrainer Löw auf die Stammkräfte Podolski, Schweinsteiger und Lahm. Für Torhüter Tim Wiese bahnt sich indes das Ende seiner Karriere in der Nationalelf an.

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© dapd Nicht berücksichtigt: Torhüter Wiese steht vor seinem Aus in der Nationalelf

Mesut Özil und Sami Khedira starten mit Real Madrid in zehn Tagen in die neue Saison. Es geht dann gegen den FC Valencia, der besten Mannschaft Spaniens - natürlich hinter den entrückten Ausnahmeteams aus Madrid und Barcelona. Seine Extraklasse hat der spanische Titelverteidiger an diesem Mittwochabend in New York wie nebenbei bewiesen.

Im Yankee-Stadium zerpflückten die Stars von Real Madrid im Rahmen ihrer Amerika-Tour den AC Mailand mit 5:1. Trainer Mourinho dosierte dabei den Einsatz seiner deutschen Kräfte. Özil durfte nach einer Stunde runter, Khedira blieb schon zur Pause in der Kabine.

Vor dem Prestigeerfolg gewann Madrid gegen den mexikanischen Verein Santos Laguna 2:1 durch ein Tor Khediras und gegen den Beckham-Klub Los Angeles 5:1. Am Samstag treffen die Real-Globetrotters in Philadelphia auf Celtic Glasgow. Angesichts der werblichen und sportlichen Verpflichtungen von Özil und Khedira im Zeichen des berühmtesten Fußballklubs der Welt passt ein Abstecher von Montag bis Donnerstag nach Frankfurt eigentlich gar nicht ins Programm - auch wenn dort am Mittwochabend der Fußball-Klassiker zwischen Deutschland und Argentinien auf dem Programm steht

Löw meint es ernst mit dem Test

Aber trotz des ungünstigen Länderspiel-Termins zählen auch Özil und Khedira zum deutschen Kader für das erste Länderspiel nach der Europameisterschaft, genauso wie fünfzehn andere enttäuscht aus Polen und der Ukraine zurückgekehrten Nationalspieler. Joachim Löw meint es mit dem ersten Test also schon ernst.

Gegen Messi und Co. fehlen von den Feldspielern nur Kapitän Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Mario Gomez sowie Per Mertesacker und Lukas Podolski - aber dafür sind andere Umstände verantwortlich. Lahm und seine Ehefrau erwarten in dieser Woche die Geburt ihres ersten Kinds. Der Bayern-Verteidiger wollte trotzdem kommen, der Bundestrainer lud ihn dennoch nicht ein.

„Philipp wollte unbedingt spielen, aber nach einem längeren Telefonat habe ich dann die Entscheidung mit Rücksicht auf seine private Situation getroffen“, teilte Löw in einer Erklärung über den Deutschen Fußball-Bund mit. Lahm meint es also auch ernst - aber Lahms Vaterpflichten schätzt der Bundestrainer dann doch höher als einen Einsatz seines Kapitäns fürs Fußball-Vaterland.

Gomez fehlt verletzungsbedingt

Die Münchner Kollegen Gomez und Schweinsteiger fehlen im Duell des dreimaligen- gegen den zweimaligen Weltmeister wegen Verletzung. Der Torjäger wurde zu Beginn der Woche am Sprunggelenk operiert, er wird erst in drei Wochen wieder mit dem Training beginnen können. Schweinsteiger macht wieder eine Knöchelverletzung zu schaffen.

Mertesacker und Podolski, die Kollegen des FC Arsenal, sollen sich dagegen auf den Saisonstart gegen den FC Sunderland am Samstag nach dem Duell gegen Argentinien konzentrieren dürfen. Ihre persönliche Entwicklung in England steht für den Bundestrainer im Vordergrund. „Drei Tage nach dem Länderspiel in Frankfurt beginnt in England die Premier-League-Saison. Daher ist es für Per, der lange verletzt war, und Lukas, der als Zugang um einen Stammplatz kämpft, zunächst einmal wichtiger, sich die letzten Tage vor dem Saisonstart auf die bevorstehenden Aufgaben mit ihrem Verein in London vorzubereiten“, teilte Löw mit.

Weitreichender dürfte allerdings der Verzicht des Trainerteams auf Tim Wiese sein. Die sportliche Führung bittet nur Manuel Neuer und Ron-Robert Zieler zur ersten Übungsetappe auf dem langen Weg zur Weltmeisterschaft 2014 nach Brasilien. Der ehemalige Bremer Torhüter, der nun mit 31 Jahren als neuer Hoffenheimer Rückhalt verpflichtet wurde, dürfte auch bei den kommenden WM-Qualifikationsspielen im September gegen Faröer in Hannover am 7. September und vier Tage später in Wien gegen Österreich kaum dabei sein.

„Hansi Flick und ich haben heute mit Tim in Hoffenheim ein ausführliches Gespräch geführt. Wir haben ihm mitgeteilt, dass wir bei unseren Planungen für die WM-Qualifikation zunächst mal stärker auf die jüngeren Torhüter setzen wollen, er aber nicht vollends abgeschrieben ist“, sagte Torwarttrainer Köpke. Nach den Erfahrungen, wie in die Jahre gekommene Nationalspieler wie Frings oder Ballack in der Ära Löw aussortiert wurden - rhetorisch scheibchenweise, praktisch aber endgültig - wird auch Wiese schwanen, dass seine Zeit in der Nationalmannschaft abgelaufen sein dürfte.

Stürmer-Routinie Klose ist weiter dabei

Als dritter Mann ist in Zukunft der 20 Jahre alte Marc-Andre ter Stegen vorgesehen, dem in der kommenden Woche jedoch auch in der U 21-Auswahl eine Pause gegönnt wird, weil er mit Gladbach in der Champions-League-Qualifikation beschäftigt ist. Stürmer-Routinier Miroslav Klose dagegen ist weiter mit dabei, er darf sich nun sogar Chancen ausrechnen, mit 36 Jahren seine vierte WM erleben zu dürfen.

Der Verzicht auf Wiese und der Rückgriff auf alle anderen EM-Fahrer, die keine triftigen Gründe für den terminlich ungelegenen Klassiker anführen können, ist ein erster Fingerzeig für die Ernsthaftigkeit, mit der Löw seine Planung für die WM von Beginn an verstanden wissen will.

Sammer kritisiert die Terminansetzung

Nicht zuletzt, weil auch der FC Bayern diesmal durch Sportdirektor Sammer mal wieder an einem tatsächlich sportlich unsinnigen Termin zehn Tage vor Bundesligastart mäkelte. Mit Sven Bender und Julian Draxler stehen zudem zwei Spieler im Aufgebot, die zuletzt dem erweiterten EM-Kader angehörte, aber dann doch im letzten Augenblick weichen mussten. Ihr Blick geht auch längst in Richtung Brasilien.

Das Aufgebot für das Argentinien-Spiel

Tor: Manuel Neuer (Bayern München/26 Jahre/31 Länderspiele), Ron-Robert Zieler (Hannover 96/23/1)

Abwehr: Holger Badstuber (Bayern München/23/25), Lars Bender (Bayer Leverkusen/23/9), Jérôme Boateng (Bayern München/23/25), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04/24/8), Mats Hummels (Borussia Dortmund/23/19), Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund/24/6)

Mittelfeld: Sven Bender (Borussia Dortmund(23/2), Sami Khedira (Real Madrid/25/32), Julian Draxler (FC Schalke 04/18/1), Mario Götze (Borussia Dortmund/20/15), Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund/21/2), Toni Kroos (Bayern München/22/30), Thomas Müller (Bayern München/22/32), Mesut Özil (Real Madrid/23/38), Marco Reus (Borussia Dortmund/23/8), André Schürrle (Bayer Leverkusen/21/16)

Angriff: Miroslav Klose (Lazio Rom/34/121)

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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