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Fußball Mit Roy Makaay und bayerischem Wunderglauben

12.04.2005 ·  Mit kühlem Kopf, heißem Herzen und dem ersten Sturm zum „Fußball-Wunder“: Um das 2:4 aus dem Hinspiel noch zu drehen, mobilisieren die Münchner vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Chelsea alle Kräfte.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Beim FC Bayern München glauben sie von jeher an die Macht starker Worte. In diesen Tagen lassen die Verantwortlichen und Spieler des deutschen Rekordmeisters wieder einmal die Fußball-Welt teilhaben an ihrem grenzenlosen Optimismus - und somit keinen Zweifel daran, daß der FC Chelsea London im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinales an diesem Dienstag im Münchner Olympiastadion ein rotes Wunder erleben wird.

Alles, aber auch wirklich alles wird nach dem 2:4 aus dem Hinspiel derzeit als Indiz gewertet für einen erfolgreichen Fußballabend und das Erreichen des Halbfinales. Vor allem aber nährt die Hoffnung der Bayern, daß ein paar wichtige Spieler zur Verfügung stehen, die beim 2:4 im Hinspiel am vergangenen Mittwoch an der Stamford Bridge gefehlt hatten: hinten Martin Demichelis, vorne Roy Makaay und womöglich sogar Claudio Pizarro.

Heilung im Eiltempo

Die Bilanz des Münchner Sturmduos in der laufenden Champions-League-Saison ist tatsächlich beachtlich. Zehn von insgesamt siebzehn Münchner Toren haben Makaay und Pizarro erzielt, der Holländer sieben, der Peruaner drei. Aber die derzeitige Verfassung der beiden ist nicht die beste und dürfte deshalb Chelseas gesperrtem Trainer Jose Mourinho kaum Kopfzerbrechen bereiten.

Bei Pizarro ist im Eiltempo die gerissene Muskelfaser geheilt, fraglich, wie sehr den Stürmer die zehntägige Pause aus dem Rhythmus gebracht hat - falls Bayern-Trainer Felix Magath überhaupt das Risiko eingehen wird, ihn von Anfang an einzusetzen. Und Makaay hat am Samstag beim 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach, eine wenig überzeugende Arbeitsprobe abgeliefert. „Er hat sich nicht normal bewegt“, stellte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge fest. Genaugenommen in der ersten Halbzeit fast gar nicht und danach nur selten Richtung Ball. „Es war nicht einfach für mich“, gibt Makaay zu. „Ich habe zuletzt wenig trainiert, und deshalb war es wichtig für mich, 90 Minuten zu spielen.“

Lange Leidensgeschichte

Die Leidensgeschichte des Niederländers begann Anfang März, da zog er sich im Spitzenspiel gegen Bremen einen Muskelfaserriß im Oberschenkel zu. Zwei Wochen später stand er zwar schon wieder auf dem Platz, aber womöglich kam das Comeback gegen Rostock zu früh.

Bald plagten ihn wieder Schmerzen im lädierten Bein, in Wolfsburg wurde er deshalb ausgewechselt und im Hinspiel in London vorsichtshalber geschont. Sein letztes Tor hat er Anfang März im Pokal gegen Freiburg erzielt. „In den vergangenen Wochen habe ich Doktor Müller-Wohlfahrt öfter gesehen als meine Frau“, sagt Makaay.

Respekt einflößen

Daß am Samstag das Spiel an dem treffsichersten Bayern-Stürmer vorbeilief, bereitet Magath keine Sorgen. „Vielleicht hatte er auch Chelsea im Hinterkopf“, sagte er, und habe deshalb wegen seines lädierten Oberschenkels nicht alles riskiert. Tatsächlich könnte allein die Präsenz von Makaay der Mannschaft einen Schub geben.

Außerdem ist am ehesten ihm zuzutrauen, die starken Abwehrspieler von Chelsea zu überlaufen, obwohl er ein wenig verloren hat von seiner Zuverlässigkeit beim Torschuß. In jedem Fall aber wird er Chelsea mehr Respekt einflößen als der talentierte Guerrero, dem im internationalen Vergleich noch das Durchsetzungsvermögen fehlt.

Demichelis als Zerstörer

Im Sturm sollen es also Makaay und Pizarro richten, in der Defensive muß Martin Demichelis helfen, die Engländer bei ihren schnellen Vorstößen zu stören, sie davon abzuhalten, hohe Bälle in den Strafraum zu spielen. Der Argentinier, der im Hinspiel gesperrt war, hat einen erstaunlichen Aufstieg in den vergangenen Wochen beim FC Bayern hinter sich. Mit reichlich Lobeshymnen war er im Sommer 2003 nach München gekommen, aber der gelernte Innenverteidiger hatte Schwierigkeiten, sich zu integrieren.

„Es dauerte einfach eine Zeit, bis ich die Art der Mannschaft zu denken und zu spielen, kannte“, gab er zu. In eineinhalb Jahren brachte er es nur auf 35 Einsätze, und deshalb dachte er in der Winterpause schon an einen Wechsel. Daraus wurde aber nichts, statt dessen bekam er neue Chancen bei Bayern. Mitte Februar probierte ihn Magath plötzlich als Abräumer im defensiven Mittelfeld aus, mit großem Erfolg. „Mit ihm haben wir mehr Qualität in der Defensive dazugewonnen“, sagt der Trainer.

Mit Demichelis als Zerstörer haben die Bayern nur zwei Tore in der Bundesliga und zwei in der Champions League kassiert, aber nie gab es mehr als einen Gegentreffer pro Spiel. Wenn die Serie von Demichelis gegen Chelsea hält, müssen also nur noch die Stürmer ihre Champions-League-Quote erfüllen, um die „Blauen“ aus London mit einem roten Wunder zu bescheren. Die Bayern glauben daran, auf alle Fälle.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Bayern München: Kahn - Sagnol, Lucio, Kovac, Lizarazu - Demichelis - Schweinsteiger (Frings), Ballack, Zé Roberto - Pizarro, Makaay
FC Chelsea: Cech - Johnson, Ricardo Carvalho, Terry, Gallas - Makelele - Cole, Gudjohnsen, Lampard, Duff - Drogba
Schiedsrichter: Gonzalez (Spanien)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. April 2004
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