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Fußball-Länderspiel Vergötterter Maradona, bestaunter Messi und bedauerter Ribéry

12.02.2009 ·  Argentiniens Fußballstars werden vom französischen Publikum beim 2:0-Sieg in Marseille gefeiert. Die Sympathiebekundung von ungewohnter Seite galt aber nicht nur pauschal den Gewinnern, sondern bezog sich ebenso konkret auf den neuen Fußball-Messias der Südamerikaner - Lionel Messi.

Von Michael Ashelm, Marseille
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Die Schlussphase im Stade Velodrome, ein wahrer Albtraum für die Equipe Tricolore. Sobald einer ihrer Spieler in Besitz des Balles kam, pfiff das aufgebrachte Publikum so stürmisch, wie derzeit nur der eiskalte Mistral-Wind über Marseille hinwegfegt. Aufbrausender Beifall dagegen für die Argentinier, wenn diese rigoros, flott und kunstvoll ihr Spiel vorantrieben. Während die französischen Fans also ihrer Mannschaft die Unterstützung versagten und das 0:2 desillusioniert mit einem Abgesang auf Nationaltrainer Raymond Domenech quittierten, beschloss die Elf von Diego Maradona den für sie inspirierenden Fußballabend als strahlender Sieger.

Die Sympathiebekundung von ungewohnter Seite galt aber nicht nur pauschal den Gewinnern und der allseits vergötterten Legende am Spielfeldrand, sondern bezog sich ebenso konkret auf den neuen Fußball-Messias der Südamerikaner - Lionel Messi. Erstmals diente der 21 Jahre alte Superstar vom FC Barcelona dem schillernden Herren auf der Trainerbank. Als Messi in der 83. Minute gut bedient vom eingewechselten Carlos Tevez zum entscheidenden Stoß gegen die Franzosen ansetzte und nach einem weiteren eleganten Dribbling einschoß zum zweiten Treffer (das 1:0 erzielte Jonas Gutierrez in der 41. Minute), waren die letzten Bemühungen der Hausherren endgültig gebrochen (siehe auch: Länderspiele: Argentinien triumphiert - Beckham leidet - Ronaldo trifft).

Gnadenlos zäh, taktisch konsequent und höchst kreativ

Der Dribbelkünstler erfreute sich später an dem Stimmungswandel in der ausverkauften Fußballarena, an dem er entscheidend mitgewirkt hatte. „Es ist ein schönes Gefühl, in einem fremden Stadion von den Fans des Gegners unterstützt zu werden“, sagte Messi. Der erste engere Kontakt zu seinem Himmelsstürmer dürfte Maradona überzeugt haben. Argentiniens Fußball-Nationaltrainer hatte im vergangenen Jahr nämlich noch laute Kritik geübt an den Leistungen Messis, der ihm manchmal zu eigensinnig spielte. Aus dem Mund von Maradona erschien das schon absurd, wenn man zurückdenkt an seine exzentrisch zelebrierten Soli. Am Mittwoch nach dem rassigen und kämpferisch geführten Testspiel in Marseille aber war die Welt für den Gottvater des Fußballs rundum in Ordnung. „Meine Jungs haben mich überzeugt“, sagte Maradona.

Messi gilt derweil vielen als der beste Spieler der Welt, auch wenn ihm zuletzt in Schauwahlen noch ein anderer (Ronaldo) vorgezogen wurde. Ungebrochen sein steter Reifeprozess, beim derzeit überragenden FC Barcelona ist er maßgeblich am Torrausch beteiligt. „Er ist der einzige Fußballer, der mit Ball schneller läuft als ohne“, sagt sein Vereinstrainer Pep Guardiola. Der immens hohe Leistungstakt gilt für das gesamte Ensemble der Argentinier, das in Marseille gnadenlos zäh, taktisch konsequent und höchst kreativ gegen die oft überforderten Franzosen auftrumpfte. Diese zeigten sich zwar ebenso motiviert, doch fehlten ihnen meistens die Mittel, den gegnerischen Starkstrom mal länger zu unterbrechen.

Vorbereitet auf den nächsten Galaauftritt

Ihr in der Öffentlichkeit höchst umstrittener Trainer Domenech sagte: „Wir haben ein gutes Team gegen ein großartiges Team gesehen und heute abend viel gelernt.“ Aus dem in Frankreich herbeigesehnten Duell zwischen Messi und Franck Ribéry um den Titel des größten Wirbelwinds wurde dann allerdings nichts. Dem Münchner Mittelfeldmann, der sich selbst schon in der Liga der absoluten Koryphäen wähnt, gelangen in der ersten Halbzeit einige vielversprechende Vorstöße, doch ohne goldenen Abschluss. Dennoch war er der auffälligste Franzose.

Dass von Ribéry dann in der zweiten Hälfte nicht mehr so viel kam, lag auch daran, dass erstens um ihn herum die Gruppe mehr und mehr verzweifelte an dem Übergewicht der Argentinier und er zweitens weiterhin auf der ungeliebten rechten Mittelfeldseite eingesetzt wurde. Am Ende ging der Künstler Ribéry jedenfalls ebenso unter im großen Pfeifkonzert von Marseille wie alle anderen seiner Kollegen.

Messi dagegen genoß die breite Anerkennung seiner Leistung und wurde in der Nacht wieder auf den womöglich nächsten Galaauftritt vorbereitet. Der FC Barcelona hatte seinem kleinen Superstar für die Tage bei der Nationalmannschaft eigens einen Physiotherapeuten zur Extrabehandlung an die Seite gestellt. Sicher ist sicher.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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