Home
http://www.faz.net/-gtm-zrry
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fußball-Kommentar Stilnoten und Preisfragen

16.07.2008 ·  Zwei Trainer, zwei Länder, zwei Absagen: Klaus Toppmöller lässt ein mögliches Engagement als tschechischer Nationalcoach platzen. Und Mirko Slomka darf nicht österreichischer Teamchef werden, weil Schalke 04 ihm die Freigabe verweigert. Beides komisch, oder?

Von Christian Kamp
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Kurios muten beide Fälle an - zumindest auf den ersten Blick: Da ist einmal der Fußballtrainer Klaus Toppmöller, der ein mögliches Engagement als tschechischer Nationalcoach platzen lässt, weil er sich nicht auf eine Verbandsabstimmung zwischen ihm und den beiden anderen Kandidaten einlassen mag.

Und da ist der Fußballtrainer Mirko Slomka, dessen Karriereschritt auf den Posten des österreichischen Teamchefs nicht gelingt, weil sein Klub Schalke 04, bei dem er noch bis Juni 2009 unter Vertrag steht, ihm nicht die Freigabe erteilt. So lauten zumindest die Begründungen, die die beiden Fachkräfte aus Deutschland in diesen Tagen verbreiteten. Aber scheitert daran wirklich ein Vertragsabschluss? Man sollte meinen: Nein.

Toppmöller oder die Frage, wer wem abgesagt hat?

Toppmöller hat selbst schon angedeutet, dass auch andere Punkte eine Rolle gespielt haben: die Frage des Wohnsitzes und die Hoheit über die Besetzung der Assistentenstellen. Kleinigkeiten eigentlich für jemanden, der einen attraktiven Job vor Augen hat (und gerade aus dem fernen Georgien zurück ist). Dass dies dennoch die Knackpunkte waren, wie der tschechische Verband bestätigte, lässt schon eine gesunde Einschätzung zu, wer hier wem abgesagt haben dürfte.

Der Trainer Toppmöller jedenfalls ist trotz seiner (inzwischen schon etwas welken) Erfolge mit Leverkusen gewiss nicht in einer Verhandlungsposition, die ihn sämtliche Bedingungen unwidersprochen diktieren ließe. Gut möglich, dass der Sechsundfünfzigjährige, der sich von der Klubebene längst verabschiedet hat, die Entwicklung bald bereut.

Slomka kann es sich vielleicht leisten

Slomka auch? Da darf man sich nicht so sicher sein. Es ist tatsächlich, wie er sagte, „relativ selten, dass ein junger Trainer so eine Anfrage“ - als Nationaltrainer zu arbeiten - erhält. Doch das Unternehmen, Österreich gegen Frankreich, Rumänien und Serbien zur WM 2010 nach Südafrika zu führen, ist, so viel hat die vergangene Europameisterschaft gezeigt, mehr Risiko als Chance.

Ob Slomka das nachbarschaftliche Engagement vielleicht gar nicht mit letzter Konsequenz angestrebt hat? Dass Slomka die Vertragsauflösung auf Schalke trotz des neuen Jobs noch mit einer (vertraglich nicht vorgesehenen) Abfindung versüßt haben wollte, lässt jedenfalls vermuten, dass Österreich für ihn nicht zuletzt eine Frage des Preises war. Und der muss so hoch gewesen sein, dass Schalke sich nicht einmal das nun noch zu zahlende Jahresgehalt von geschätzt 1,1 Millionen Euro sparen mochte.

Slomka kann es sich, anders als Toppmöller, vielleicht leisten. Es sollte nicht allzu lange dauern, bis ein unverbrauchter und zugleich erfahrener Mann wie er einen anderen begehrenswerten Posten in Aussicht hat - womöglich sogar einen, bei dem sich die Preisfrage gar nicht erst stellt. Doch der Versuch, den Schwarzen Peter für die Absage (in diesem Fall kam sie tatsächlich von ihm selbst) allein Schalke zuzuschieben, verriet keinen guten Stil. Ob andersherum die Schalker Verantwortlichen diesen gewahrt haben, als sie den einst hochgeschätzten Slomka erst vertrösteten und dann - nach dessen Empfinden - schroff abblitzen ließen, ist ein ganz anderes Thema.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1974, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche

Ein Renner

Von Michael Wittershagen, Monte Carlo

Mit 43 Jahren beschleunigt Michael Schumacher noch einmal - sich und andere. Doch die Maschine zeigt ihm immer wieder Grenzen auf. Die Führung des Teams steht nun in der Verantwortung. Mehr