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Fußball-Kommentar Steven Gerrards englische Verlängerung

Ein Mann der leisen Töne muss nach einer Prügelei in einer Disco ins Gefängnis: Steven Gerrards Eskapade zwischen den Jahren zeigt, dass im englischen Fußball noch rauhere Sitten herrschen.

© AP Vergrößern Zurück zu Hause: Steven Gerrard (r.) mit seiner Frau Alex Curran (l.) auf dem Rückweg aus dem Gefängnis

Von Steven Gerrard heißt es, dass sein Musikgeschmack weit entfernt sei von Stadionkrachern à la „AC/DC“ oder Diskotheken-Techno-Lärm. Der Kapitän des FC Liverpool mag zum Beispiel „Ring Of Fire“ von Johnny Cash, also hymnische Country-Balladen, oder auch sanfte Songs aus der Indie-Abteilung.

Roland Zorn Folgen:  

Der 28 Jahre alte Fußballvorzeigeprofi galt bis zur Nacht von Sonntag auf Montag als ein Mann der leisen Töne. Nur bei der Arbeit ist Gerrard ein Mann der Tat mit einem erstklassigen Spielverständnis und einer gefürchteten Schusskraft.

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Musikauswahl ging auf die Ohren

Dieser an der Anfield Road Woche für Woche bejubelte Mittelfeldlenker ließ sein Fußballjahr und das des Tabellenführers der Premier League in der Nacht zum Montag Stunden nach dem 5:1-Triumph der „Reds“ bei Newcastle United ausklingen. In einer Bar nahe Liverpool feierte er mit Freunden, und dabei ging ihm irgendwann die Musikauswahl des DJs auf die Ohren.

Der aber soll sich gegenüber Gerrard taub gestellt haben, so dass aus den Musikwünschen des Fußballpromis irgendwann Verwünschungen, schließlich sogar ein Ellbogenstoß in das Gesicht von DJ Marcus McGhee geworden sein sollen. Ob von Gerrard oder seinen Kumpeln ausgeführt, ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft. Jedenfalls fehlte dem Plattenaufleger beim anschließenden Krankenhausbesuch ein Zahn, und dazu tat eine Platzwunde am Kopf weh.

Kneipenrauferein gehören zum englischen Fußball

Nun wird ein Nachschlag vor Gericht fällig, wo sich auch der siebzigmalige Nationalspieler am 23. Januar dem Vorwurf der Körperverletzung stellen muss. Alle, die im englischen Fußball tonangebend sind, haben sich schon mal prophylaktisch auf die Seite des Liverpooler Fußballhelden gestellt, dem die Affäre mit anschließendem Polizeigewahrsam inzwischen höchst peinlich ist.

Kneipenraufereien von Fußballstars gehören in England noch immer zur Folklore dieser ursprünglich im proletarischen Milieu verankerten Sportart. Wayne Rooney, Joey Barton, Jonathan Woodgate, Lee Bowyer und natürlich die Skandalnudel Paul Gascoigne, sie alle waren schon in Schlägereien verwickelt, die auf der Insel nicht nur eine Sache rivalisierender Fans im Ausnahmezustand zu sein scheinen.

Deutschland ist sanfter

In Deutschland sind solche Knall-auf-Fall-Meldungen mit schlagfertigen Bundesligaprofis in ungewohnter Hauptrolle eher Raritäten. Wenn der Schalker Brasilianer und Partyschreck Rafinha nächtens die Nachbarn mit lauter Sambamusik drangsaliert, ist das schon das Höchste der verletzten Gefühle. Wer es hierzulande krachen lässt, riskiert kein blaues Auge.

In England dagegen geht der Kampf-, Theken- und Stammtischsport Fußball schon mal in die Verlängerung – unter tatkräftiger Mithilfe so mancher Protagonisten. Steven Gerrard ist da nur einer unter vielen – anders als am Tatort Stadion. Dort galt er bisher als vorbildlicher Sportsmann. Für das Leben drumherum muss er vielleicht noch ein bisschen üben, um auch bei Dissonanzen den richtigen Ton treffen zu können.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 01.01.2009, 16:10 Uhr

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