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Fußball-Kommentar Schwerer Schaden

11.01.2010 ·  Der Anschlag auf die Fußballauswahl Togos hat blutrote Schatten auf den Afrika-Cup und die WM geworfen. Das eine mit dem anderen zu vergleichen, ist ungerecht. Doch das latente Unbehagen gegenüber Südafrika dürfte sich nach der Attacke noch verstärken.

Von Roland Zorn
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Die Neigung deutscher Fußballfans, zur Weltmeisterschaft in Südafrika ans Kap der Guten Hoffnung zu reisen, war dem Vernehmen nach schon bisher nicht sehr ausgeprägt. Sie wird nach den Horrormeldungen dieses Wochenendes aus Angola gewiss nicht gewachsen sein. Der tödliche Anschlag einer Separatistenorganisation auf die Nationalmannschaft Togos hat blutrote Schatten auf den am Sonntag angepfiffenen Afrika-Cup und damit auch auf die WM im Juni und im Juli dieses Jahres geworfen.

Das eine mit dem anderen zu vergleichen, ist ungerecht. Doch das latente Unbehagen gegenüber dem kommenden Gastgeber des in Deutschland 2006 friedlich und fröhlich gefeierten Weltfußballfestes dürfte sich nach der Terror-Attacke auf ein Fußballteam noch verstärken.

Dabei kämpft in Südafrika niemand mit terroristischen Methoden um die territoriale Unabhängigkeit einer Region wie der des angolanischen Öl-Fleckens Cabinda. Doch eine Idylle, wie von manchem der WM-Organisatoren schönfärberisch behauptet, ist Südafrika deswegen noch lange nicht.

Südafrika versucht entgegenzusteuern - mit markigen Sätzen

Dort ist in den großen Städten wie Johannesburg und Durban die Gewaltkriminalität von im Durchschnitt täglich fünfzig Morden gruselerregend; dort gehören Stacheldraht und abschreckende Botschaften von „bewaffneten Antworten“ an die Adresse möglicher Aggressoren zum Schutzarsenal der Hausbesitzer; dort mutet der Straßenverkehr manchmal lebensgefährlich an; dort ist niemandem, der nicht das Abenteuer sucht, eine Bahnreise zu empfehlen.

Die Furcht vor dem alltäglichen Erschrecken mag in Deutschland und in anderen europäischen Ländern viele Menschen ebenso von einer Reise nach Südafrika abhalten wie die Erkenntnis, dass in diesem dennoch wunderschönen, pittoresken WM-Land im Juni Winter ist und Flug nebst Unterkunft sehr teuer sein werden.

Danny Jordaan, der Generalsekretär des südafrikanischen WM-Organisationskomitees, hat rasch erkannt, wie geschäftsschädigend die Ereignisse in Angola auch für das Ausrichterland der Weltmeisterschaft sein könnten. Und er hat gegenzusteuern versucht mit markigen Sätzen wie: „Wenn man behauptet, die Ereignisse in Cabinda hätten Einfluss auf die WM in Südafrika, kann man auch behaupten, ein Anschlag in Spanien beeinträchtige die Sicherheit der Olympischen Spiele in London.“

Den angerichteten Schaden kann man nicht mehr gutmachen

Abgesehen davon, dass auch das unter besonderen Umständen so sein kann, macht Jordaans entschlossene Verteidigungsbereitschaft sichtbar, wie tief die Attacke von Angola auch die WM-Organisatoren getroffen hat. Die Welt ist vernetzt, das Denken auch, und die Phantasie der Menschen schert sich nicht um objektive Tatbestände.

Objektiv fragen lassen müssen sich fürs Erste nur die Veranstalter des Afrika-Cups. Als einen der vier angolanischen Spielorte Cabinda bestimmt zu haben, ist todesmutig. Die Delegation Togos nicht entschlossen genug an ihrer lebensgefährlichen Einreise per Bus gehindert zu haben, wirkt dagegen hasenfüßig. Der Afrikanische Fußball-Verband wird sich für sein Gottvertrauen nach dem Prinzip „es wird schon irgendwie gutgehen“ noch genauer erklären müssen. Den dabei angerichteten schweren Schaden an Leib und Leben aber kann er nicht mehr gutmachen.

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