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Fußball-Kommentar Ohne Rücksicht

 ·  Das Bild ist vielfältiger geworden: Keine Saison, in der nicht mehrere Spieler mit Gesichtsmasken auf den Platz gehen. Der nächste soll Sebastian Kehl sein. Die vielen Kopfverletzungen sind nicht nur Tempo und Härte geschuldet - sondern auch einer zunehmenden Rücksichtslosigkeit.

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© REUTERS Zur Not mit Carbonmaske: Sebastian Kehl im Training vor dem Champions-League-Spiel in Madrid

Für Kopfverletzungen im Fußball stand in Deutschland jahrelang besonders ein Bild: Dieter Hoeneß mit blutgetränktem Turban im Pokalfinale 1982, seine Bayern gewannen damals gegen Nürnberg 4:2, Hoeneß köpfte sogar noch ein Tor. International: Torhüter Peter Cech vom FC Chelsea, der seit einem Schädelbruch 2006 nur noch mit Kopfschutz spielt. Das Bild ist in letzter Zeit vielfältiger geworden, auch in der Bundesliga. Keine Saison, in der nicht mehrere Spieler mit Gesichtsmaske auf den Platz gehen, weil sie kurz zuvor schwer verletzt wurden. In der vergangenen Saison traten zum Beispiel Prödl, Höwedes, Huntelaar, Ballack, Sven Bender, Subotic und Kacar so an, an diesem Dienstag könnte Sebastian Kehl der Nächste sein.

Die Nachsichtigen argumentieren keine Absicht

Borussia Dortmund hofft, dass der Kapitän in der Champions League bei Real Madrid (20.45 Uhr / Live im FAZ.NET-Ticker) dabei sein wird, obwohl ihn der Stuttgarter Raphael Holzhauser am Samstag mit dem Arm so hart im Gesicht traf, dass Kehl einen Nasenbeinanbruch davontrug. Die Nachsichtigen argumentieren bei den Fällen, in denen Ellenbogen im Zweikampf zu Waffen umfunktioniert werden, immer gleich: keine Absicht, die Gelbe Karte reicht. Die anderen sagen: grob fahrlässig, Rot sei zwingend. Tatsächlich werden die inzwischen viel zu vertrauten Carbonmasken vor allem deshalb so oft nachgefragt, weil nicht nur Tempo und Härte zugenommen haben - sondern auch die Rücksichtslosigkeit.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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