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Fußball-Kommentar München und die Welttrainer

Eine Stadt, zwei Vereine, zwei große Trainernamen. Leider ist der falsche der beiden ein Fakt und der richtige nur ein Gerücht. Doch der größte Trainer-Coup der Bayern-Geschichte scheint zumindest möglich.

© REUTERS Vergrößern Ein Mann für München? Pep Guardiola

Zwei weltbekannte Trainernamen kursieren in München. Der eine ist eine Lösung aus der Vergangenheit, der andere eine für die Zukunft. Leider ist der falsche der beiden ein Fakt und der richtige nur ein Gerücht. In derselben Nacht, in der 1860 dem Willen seines Finanziers nachgab und Sven-Göran Eriksson als neuen Trainer abnickte, meldete ein italienischer Sender, dass der FC Bayern sich mit Josep Guardiola über eine Verpflichtung im Sommer einig sei. Dass wenige Stunden später ein englisches Boulevardblatt behauptete, Guardiola gehe zu Manchester City, zeigte, wie heute der Handel mit solch „exklusiven“ Nachrichten funktioniert. Es geht nicht um die Suche nach Gewissheit, sondern darum, den Junkies der Internet-Gesellschaft die Sekunden-Scoops zu liefern, nach denen sie gieren. Sie sind längst vergessen, ehe sie sich als falsch herausstellen können.

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Es zeigt aber auch, dass der FC Bayern, der diese Meldungen natürlich dementierte, weil Jupp Heynckes der „erste und einzige Ansprechpartner“ sei, inzwischen tatsächlich ein Klub für einen Weltstar unter den Trainern ist. Allenfalls Barcelona, Real Madrid und Manchester United bieten eine ähnliche Kombination aus globaler Bekanntheit, solider Führung, sportlichem Erfolg und finanzieller Stärke. Und da alle drei für Guardiola nach der Rückkehr von seinem Sabbat-Jahr nicht in Frage kommen - Barca als sein alter Klub, Real als dessen größter Rivale, ManUnited als Reich des immer noch nicht müden alten Königs Alex Ferguson -, braucht der FC Bayern vor keinem der verbleibenden Guardiola-Bewerber Angst zu haben, weder vor Chelsea, City noch vor Milan. Der größte Trainer-Coup der Klubgeschichte scheint zumindest möglich.

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Der größte Trainer-Coup des kleinen Nachbarn, der in den frühen Stunden des Dienstags Realität wurde, war dagegen eher Zwang als Wunsch. Eriksson, Wunschlösung des Investors Hasan Ismaik, hatte einst eine große Karriere, in der er zuletzt aber nur noch Resteverwertung betrieb. Da wirken die „Löwen“, an denen das Beste ebenfalls die Vergangenheit ist, wie ein passender Partner.

Der Klubführung gebührt allerdings das Lob, dass sie tatsächlich die Zukunft im Auge hat. Und dass sie es deshalb dem Investor in seinem Hang zum Fremdbestimmer so schwer wie möglich macht. Nach der Rettung des Klubs durch Ismaiks Geld vor zwei Jahren setzte der zähe Präsident Dieter Schneider auf ein für diesen Klub neuartiges Konzept der sportlichen und finanziellen Nachhaltigkeit. Dazu gehört auch die Beförderung des Juniorentrainers Alexander Schmidt zum Cheftrainer im November. An ihm will der Klub trotz Eriksson festhalten - und muss das auch, schon um gegenüber der Deutschen Fußball-Liga, die den Präzedenzfall 1860 mit Argusaugen betrachtet, nicht den Eindruck der Erpressbarkeit durch den Geldgeber zu erzeugen. Es sieht aus, als werde die kulturell und finanziell ungleiche arabisch-bayerische Zweck-Ehe sich im komplizierten Traineralltag fortsetzen. Und das ist mehr als ein Gerücht.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 16.01.2013, 09:21 Uhr

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